Freitag, 15. November 2019

Weltgrößte Luftfahrtmesse Le Bourget Airbus will Boeing mit Super-Langstreckenjet ausstechen

Airbus A321XLR: Die Langstreckenversion soll von Europa bis in die Mitte der USA fliegen

Auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris ist vor allem ein Thema vorherrschend: die tödlichen Unglücke von Boeings Mittelstreckenjet 737 Max und die Frage, ob der europäische Hersteller Airbus Börsen-Chart zeigen von der Krise seines US-Rivalen profitieren kann.

Der traditionsreiche "Salon aéronautique" hat heute seine Pforten für Fachbesucher geöffnet. Die Luftfahrtbranche hat gut gefüllte Auftragsbücher, doch angesichts der weltweiten Klimadebatte steht die Industrie vor riesigen Herausforderungen.

Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury schürt bereits die Hoffnung auf neue Flugzeuge ohne CO2-Ausstoß: "Sehen wir einen Weg dorthin? Ja, das tun wir", sagte der Franzose unmittelbar vor dem Messestart. Der Topmanager spricht von der "Herausforderung dieses Jahrhunderts", will sich aber auf einen Zeitplan nicht festlegen. "Wir wissen es nicht wirklich", räumt der Nachfolger des Deutschen Tom Enders ein. So müsse die Sicherheit in der Luftfahrt an erster Stelle stehen. Jede Technik müsse reif genug sein, bevor sie auf den Markt komme.

Airbus kündigt Super-Langstreckenversion des A321neo an

Zum Start der Messe kündigt Airbus eine Super-Langstreckenversion des Verkaufsschlagers A321neo an. Diese würde den Mittelstreckenjet für Flüge aus Europa bis in die Mitte der USA hinein rüsten.

Der Airbus A321XLR soll Strecken von bis zu 4700 nautischen Meilen (8700 Kilometer) bewältigen können und ab dem Jahr 2023 verfügbar sein, wie Airbus-Verkaufschef Christian Scherer in Le Bourget erklärte. Als erster Kunde kündigte der Flugzeugfinanzierer Air Lease Corporation eine Order über 27 Jets des Typs an - und unterzeichnete zugleich einen Vorvertrag über 23 normale Airbus A321neo sowie 50 kleinere Maschinen vom Typ A220-300.

Die neue A321XLR soll noch 15 Prozent weiter fliegen können als die bisherige Langstreckenversion A321LR (Long Range). "Verglichen mit bisherigen Flugzeugen wie der Boeing 757, die solche Strecken typischerweise fliegen, spart die A321XLR rund 30 Prozent an Treibstoff und CO2-Ausstoß ein", sagte Scherer.

Die tödlichen Abstürze haben Boeing weiter fest im Griff

Damit könnte Airbus einen Markt abdecken, den der Konkurrent Boeing Börsen-Chart zeigenebenfalls im Auge hat. Boeing will dafür ein mittelgroßes Flugzeug namens "New Midsize Aircraft" (NMA) entwickeln, das größer ist als der Airbus A321neo, aber kleiner als Großraumjets wie Boeings 787 "Dreamliner". Allerdings haben die Amerikaner trotz jahrelanger Beratungen noch nicht beschlossen, ob sie das inoffiziell bereits Boeing 797 genannte Modell tatsächlich entwickeln und bauen werden. Boeing-Chef Dennis Muilenburg geht weiterhin davon aus, dass die Maschine im Jahr 2025 fertig ist.

Derzeit geht bei Boeing aber die Aufarbeitung der Krise um den Mittelstreckenjet 737 Max vor, für den nach zwei tödlichen Abstürzen mit insgesamt 346 Toten ein weltweites Flugverbot gilt. Boeing-Chef Muilenburg hatte erst Ende Mai Fehler zugegeben. Bei den Unglücksfliegern der Baureihe 737 Max habe der Konzern ein Warnsystem in den Cockpits nicht korrekt implementiert, sagte er dem US-Sender CBS. "Unsere Kommunikation diesbezüglich war nicht, wie sie hätte sein sollen", lautete das Eingeständnis.

Das Flugverbot für die Max-Reihe sorgt bei Fluggesellschaften für Verunsicherung. Noch ist unklar, ob Boeing die Probleme inzwischen wirklich gelöst hat - und wann die Behörden das Flugverbot aufheben, das bereits drei Monate gilt. Auch wenn sich Airlines mit Abbestellungen bisher zurückhalten, kann Boeing kaum mit Neuaufträgen für den Flugzeugtyp rechnen, der in diesem Jahr eigentlich für rund zwei Drittel aller Auslieferungen stehen sollte

Macron und Von der Leyen unterzeichnen Kampfjet-Verträge

Unterdessen hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Le Bourget die Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben eines europäischen Kampfjets unterzeichnet. Zu der Zeremonie am Rande der weltgrößten Luftfahrtmesse kamen auch der französische Staatschef Emmanuel Macron - in einer Militärversion des Airbus A330 -, die französische Verteidigungsministerin Florence Parly und ihre spanische Kollegin Margarita Robles. Zuvor war ein erstes Modell des Kampfflugzeugs enthüllt worden.

New Generation Fighter: So sollen die zukünftigen deutsch-französisch-spanischen Kampfflieger aussehen

Bei dem sogenannten Luftkampfsystem der Zukunft (FCAS) wollen Deutschland, Frankreich und Spanien zusammenarbeiten. Das FCAS soll von 2040 an einsatzfähig sein - am Ende soll es nicht nur einen einzelnen Kampfflieger der neuen Generation geben, sondern auch ein Gesamtsystem, das Drohnen oder Satelliten steuern kann.

mg/dpa-afx

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