Übernahme von Firestone Building Products Zementriese Lafarge-Holcim greift bei Flachdächern an

Mit einer Großakquisition steigt Lafarge-Holcim in den Markt für Flachdächer ein: Für 3,4 Milliarden Dollar übernimmt der Zementriese Firestone Building Products. Ziel ist gleich die Marktführerschaft.
Besser geplättet: Der Zementriese Lafarge-Holcim will zum Marktführer bei Flachdächern aufsteigen

Besser geplättet: Der Zementriese Lafarge-Holcim will zum Marktführer bei Flachdächern aufsteigen

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Mit dem größten Zukauf seit über zehn Jahren steigt der Zementriese Lafarge-Holcim in das Geschäft mit Flachdächern ein. Für 3,4 Milliarden Dollar übernimmt das Schweizer Unternehmen Firestone Building Products vom japanischen Reifenhersteller Bridgestone . "Wir wollen der Marktführer bei Flachdachsystemen werden", sagte Konzernchef Jan Jenisch (54) am Donnerstag auf einer Telefonkonferenz. Firestone sei weltweit gegenwärtig die Nummer vier. Neben dem bisherigen Hauptmarkt USA sieht Jenisch großes Potenzial in Lateinamerika und auch in Europa. Einer der Konkurrenten in dem Geschäft ist sein ehemaliger Arbeitgeber Sika.

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 hat Jenisch bei Lafarge-Holcim vor allem mit einer Reorganisation, einem Schuldenabbau und dem Verkauf von Geschäftsbereichen in Schwellenländern Zeichen gesetzt. Doch nun legt der Deutsche den Vorwärtsgang ein. Mit dem Zukauf baut der bisher vor allem in den Bereichen Zement, Transportbeton und Zuschlagstoffe tätige Konzern sein viertes Standbein "Building Solutions" aus. Dies sei nur über eine größere Akquisition möglich gewesen. "Wir brauchten eine Plattform, die über Technologien und eine innovative Produktpalette verfügt, um dieses vierte Segment anzuschieben, und genau das bietet uns das Firestone-Geschäft."

Solardächer zählen ebenfalls zum Geschäft

Firestone produziert und verkauft einzelne Komponenten wie Feuchtigkeitsbarrieren und Isolationen, aber auch ganze Pakete. Die US-Firma bietet auch Solardächer an, wie sie der Handy-Hersteller Apple auf seinem kreisförmigen Hauptsitz installieren ließ. Dazu kämen Gründächer. Die Firma mit 1900 Mitarbeitern und Hauptsitz in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee profitiert vom Trend hin zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Angesichts des hohen Kohlenstoff-Austoßes wurde die Zementbranche von Kritikern wiederholt an den Pranger gestellt und von Anlegern gemieden. Mit dem Zukauf kann der HeidelbergCement-Rivale seinen Anteil an umweltfreundlichen Geschäften nun steigern.

Firestone setzte im vergangenen Jahr rund 270 Millionen Dollar um und ist damit rund zehn mal kleiner als die neue Muttergesellschaft. Das weltweite Flachdachgeschäft kommt Jenisch zufolge derzeit auf ein Volumen von 50 Milliarden Dollar. Bis 2027 dürfte der stark fragmentierten Markt, an dem Firestone zur Zeit einen Anteil von vier Prozent hat, auf 65 Milliarden wachsen.

"Auf den ersten Blick sieht die Übernahme zwar überteuert aus", erklärte Vontobel-Analyst Bernd Pomrehn. Doch handle es sich um eine transformative Übernahme, die eine große Chance für ein beschleunigtes Wachstum biete. An der Börse zogen LafargeHolcim 1,8 Prozent an.

Der Konzern rechnet mit einem Abschluss der Transaktion, die je zur Hälfte mit Barmitteln und neue Anleihen finanziert werden soll, im zweiten Quartal. Die Übernahme werde sich ab dem ersten Jahr positiv auf den Gewinn je Aktie von Lafarge-Holcim auswirken.

wed/Reuters
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