Samstag, 25. Januar 2020

Die digitalen 20er-Jahre Was Künstliche Intelligenz verändert? Alles!

Hallo! Der "freundliche" Roboter ist nur ein Stereotyp von Künstlicher Intelligenz. KI hat das Zeug, in alle Lebensbereiche einzugreifen, und die Gesellschaft wird dann auch ganz grundlegende Fragen beantworten müssen.

Über Künstliche Intelligenz (KI) ist schon viel geschrieben worden und je nach Betrachtungswinkel standen hierbei die Chancen und Möglichkeiten oder die Gefahren und Risiken im Fokus. Von datenbasierten Früherkennungssystemen in der Medizin bis hin zu gesichtsbasierten Überwachungsszenarien war so ziemlich alles dabei, was man sich ausmalen konnte. Aber während wir im abgelaufenen Jahrzehnt noch weitgehend über die Entwicklungen der KI-Systeme spekuliert haben, steht jetzt die Umsetzung und deren Einsatz auf dem Programm. Warum? Weil nach der Informationssammlung und -übertragung nun die Informationsverarbeitung im Mittelpunkt stehen wird. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz beginnt jetzt.

Tobias Kollmann
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    Tobias Kollmann ist Professor für BWL und Wirtschafts-Informatik an der Universität Duisburg-Essen. Seine Schwerpunkte sind E-Business und E-Entrepreneurship.

KI als Bedürfnismanager

In den kommenden Jahren wird die Künstliche Intelligenz ihren Siegeszug erst richtig antreten. Warum? Weil nach Big Data die Big Intelligence zur Auswertung der Datenflut kommen muss! Nur KI-Systeme können Unternehmen helfen, aus der Fülle mehr oder weniger strukturierter Datenmengen die Markttrends und Geschäftspotenziale herauszufiltern, die im Mittelpunkt des Digital Business stehen werden. Wer diese Trends und Potenziale als Erster erkennt, wird in der Lage sein, als Erster ein passendes Angebot zu machen.

Und damit nicht genug: Dank KI wird sich auch das Customer Relationship Management zu einer Predictive Customer Relationship (PCR) wandeln, also zu einer Vorhersage künftigen Kundenverhaltens. Das heißt, dass nicht nur die bisherige Kaufhistorie durch multivariate Analyseverfahren betrachtet wird, sondern auch zu erwartende Kaufwahrscheinlichkeiten durch KI-Algorithmen berechnet werden. Im optimalen Fall werden dem Kunden dann Produkte geliefert, die er gar nicht bestellt hat - aber wegen der richtigen Bedürfnisprognose trotzdem behält und nicht zurücksendet.

Aber E-Business wird damit nicht nur zu einer Disziplin der Wahrscheinlichkeitsrechnung, sondern sich mittels KI auch zu einem Instrument für eine Bedürfnislenkung entwickeln. Das daraus resultierende Prescriptive E-Business (PEB) wird nicht nur die zukünftigen Bedürfnisse und Kaufentscheidungen des Kunden prognostizieren, sondern auch versuchen, den Kunden aktiv in diese Richtung zu lenken. Damit wäre es auch möglich, die Aufmerksamkeit des Kunden im Hinblick auf unterbewusste Bedürfnisse zu steuern oder sogar gänzlich neue Bedürfnisse zu wecken. Natürlich immer mit dem Ziel, ihn dann zum richtigen Zeitpunkt mit einem passenden Produkt bedienen zu können.

KI als Hoffnungsträger

Neben dieser wirtschaftlichen Perspektive werden durch die sich entwickelnden KI-Systeme aber noch Veränderungen in ganz anderen Dimensionen auf uns zukommen. Diese werden bestimmt sein durch das eigenständige Lernen der Algorithmen, die es ermöglichen, Probleme in relevanten Themenfeldern selbstständig zu erkennen und Lösungen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei zentralen gesellschaftlichen Probleme: Ressourcen, Ökologie und Gesundheit. Wie nutzen wir die Digitalisierung und die zugehörigen Daten, um unsere humanen, organisatorischen, physischen, finanziellen und technologische Ressourcen optimal weiterzuentwickeln und damit den gesellschaftlichen Wohlstand für alle Menschen zu erhalten und weiter auszubauen? Wie nutzen wir die Digitalisierung und die zugehörigen Daten, um unseren Lebensraum zu sichern und noch lebenswerter zu machen sowie die zentralen Fragen von Klimakrise, Naturerhalt, Energiewende und Mobilität für alle Menschen zu beantworten? Wie nutzen wir die Digitalisierung und die zugehörigen Daten, um unsere Lebenserwartung und -qualität zu steigern und unser Gesundheitssystem so zu verbessern, dass Vorbeugung und Versorgung für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit werden und bleiben?

Um diese Fragen zu beantworten wird es zum einen das überwachte Lernen der KI- Algorithmen geben, bei dem ein Output mittels vorgegebener Inputs berechnet wird, um dadurch Ergebnisse abzuleiten oder Vorhersagen zu treffen. Zum anderen wird es das unüberwachte Lernen geben, bei dem versteckte Muster im Datensatz entschlüsselt werden, ohne dass zuvor eine konkrete Zielsetzung formuliert wurde. So könnte eine erfolgreiche Krebstherapie beziehungsweise proaktive Krebsbehandlung aus den Milliarden von Datensätzen von betroffenen und nicht betroffenen Menschen anhand von Ess- oder Lebensgewohnheiten herausgefunden werden.

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