Dienstag, 25. Februar 2020

Die digitalen 20er-Jahre Was Künstliche Intelligenz verändert? Alles!

Hallo! Der "freundliche" Roboter ist nur ein Stereotyp von Künstlicher Intelligenz. KI hat das Zeug, in alle Lebensbereiche einzugreifen, und die Gesellschaft wird dann auch ganz grundlegende Fragen beantworten müssen.

2. Teil: KI als Angstmacher

Wo Licht ist, ist auch Schatten, und das wird auch im KI-Zeitalter (leider) nicht anders sein. Automatische Waffensysteme, die als KI-gesteuerte Angriffsdrohnen mittels Gesichtserkennung auf einzelne Menschen oder bestimmte Menschengruppen angesetzt werden, kann niemand ernsthaft gut finden. Da es bislang kein weltweites Verbot dieser Waffengattung gibt, ist damit zu rechnen, dass diese entwickelt werden. Und natürlich ist es von der Gesichtserkennung nur ein kleiner Schritt zu Szenarien der totalen Überwachung, bei der menschliches Verhalten erfasst, durch KI- Algorithmen ausgewertet und in Belohnung oder Bestrafung umgerechnet wird, wie wir es in China bereits erleben.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass wir einen Ethikkatalog für das KI-Zeitalter brauchen. Und noch ein anderes Problem gilt es zu lösen: KI-Systeme sind echte Stromfresser und hinterlassen damit einen erheblichen CO2-Fußabdruck. Allein beim Trainieren einer Künstlichen Intelligenz zur Spracherkennung fällt fünfmal so viel CO2 an, wie ein Auto während seiner gesamten Lebensdauer ausstößt. Das haben Forscher der University of Massachusetts berechnet. In Sachen Klimaschutz müssen KI-Systeme daher in unseren CO2-Haushalt einberechnet werden.

KI als Investment

Wo spannende Perspektiven und Megatrends zu finden sind, sind die Kapitalspekulationen und Investmentchancen natürlich nicht weit. Daher werden verstärkt spezielle KI-Fonds entstehen, die in diese Systeme und die zugehörigen Unternehmen investieren - und zwar unabhängig davon, ob es sich um bereits börsennotierte Unicorns oder noch nicht börsennotierte Start-ups handelt. Schon heute wächst der Anteil von KI-Start-ups im Verhältnis zu allen anderen Newcomern stetig. 2018 basierten immerhin schon acht Prozent aller Neugründungen eine KI-Geschäftsidee. Der Wert eines Unternehmens wird in Zukunft über die Leistungsfähigkeit seines KI- Algorithmus bestimmt werden, der als moderne Coca-Cola-Formel in den virtuellen Safes der Firmen liegen wird. Hinzu kommen eine finanztechnische Infrastruktur mit einem KI-Segment, ein KI-Index an der Börse sowie umfassende Analysen zu den weiteren Kursverläufen - natürlich auf Basis von KI-Systemen, die die Entwicklung von KI-Unternehmen bewerten werden.

KI als Weltanschauung

An KI-Systemen werden sich die Geister scheiden, es wird Anhänger und Gegner geben. Dabei gilt es wie bei den meisten Technologien die Frage zu beantworten, wer wann, wo und unter welchen Rahmenbedingungen KI-Systeme einsetzen wird. Daran anschließend stellt sich die vielleicht noch wichtigere Frage: Wird es die hinter den intelligenten computergesteuerten Systemen befindliche menschliche Hand mit dem KI-Einsatz gut oder schlecht mit uns meinen? Auf die Spitze getrieben bedeutet das: Werden wir uns einen Abschaltknopf für die Algorithmen erhalten - und das Recht, ihn zu drücken? Auch diese Fragen werden wir im angebrochenen Jahrzehnt beantworten müssen, damit die digitalen 20er-Jahre als positives KI-Zeitalter in die Geschichte eingehen. Und nicht als Alptraum.

Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Vorsitzender des Beirats Junge Digitale Wirtschaft (BJDW) im Bundeswirtschaftsministerium. Kollmann ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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