Montag, 1. Juni 2020

Schlüsseltechnologie in Deutschland wenig nachgefragt Kaum 6 Prozent der Firmen nutzen Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz bringt lernfähige Algorithmen hervor.

Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der großen Themen dieser Zeit. Leidenschaftlich wird über Chancen und Risiken diskutiert. Das betrifft etwa das autonome Fahren oder Roboter in der Arbeitswelt. Nun zeigt sich, dass der Einsatz von KI in deutschen Firmen eine Ausnahme ist. Im vergangenen Jahr nutzten knapp sechs Prozent die Schlüsseltechnologie in Produkten, Dienstleistungen oder intern, wie aus einer vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Studie hervorgeht. Demnach befassen sich weniger als ein Prozent der Beschäftigten bei ihrer Arbeit mit KI. Zugleich ist die Suche nach Fachkräften groß: 43 Prozent der offenen KI-Stellen blieben unbesetzt.

Insgesamt gab die deutsche Wirtschaft für die Entwicklung, Einführung und Pflege von KI-Verfahren im vergangenen Jahr rund 4,8 Milliarden Euro aus. Das sind rund 270 Tausend Euro je Unternehmen mit KI-Einsatz. Drei Viertel der KI-Ausgaben waren interne laufende Aufwendungen, vor allem für Beschäftigte.

Maschinelles Lernen gefragt

Das am weitesten verbreitete KI-Verfahren, so ein weiteres Ergebnis der Studie, ist mit 55 Prozent maschinelles Lernen und maschinelles Beweisen. Verfahren der Bild- oder Tonerkennung sowie wissensbasierte Systeme werden jeweils von knapp jedem zweiten KI einsetzenden Unternehmen genutzt, Sprach- oder Textverstehen dagegen nur von weniger als einem Drittel. Hauptanwendungsgebiete für KI sind Produkte und Dienstleistungen sowie die Automatisierung von Prozessen.

Experten begründen die geringe Verbreitung von KI in deutschen Unternehmen mit dem fehlenden Bewusstsein. Thomas Jarzombek, Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für Digitale Wirtschaft und Start-ups: "Unternehmen in Deutschland setzen KI längst nicht flächendeckend ein. Vielen Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, ist noch gar nicht bewusst, wie sie Künstliche Intelligenz in ihr Geschäftsmodell einbauen und damit Prozesse optimieren und auch neue datengestützte Produkte anbieten können. Die Corona-Krise sollte wo immer möglich von Betrieben genutzt werden, sich mit Kenntnissen über Künstliche Intelligenz fortzubilden."

msc

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