Samstag, 7. Dezember 2019

Spitzenforscher zu deutschen KI-Chancen "Dass die Chinesen uns überholt haben, ist reine Folklore"

Virtueller Moderator: Dieser Nachrichtensprecher aus China imitiert Gestik, Mimik und Stimmlage von "lebenden" Moderatoren und lernt per KI stetig dazu.
YouTube/ Xinhua/ New China TV
Virtueller Moderator: Dieser Nachrichtensprecher aus China imitiert Gestik, Mimik und Stimmlage von "lebenden" Moderatoren und lernt per KI stetig dazu.

3. Teil: ... wo Deutschlands größte Chancen liegen

Interessant, dass Sie die Bilderkennung ansprechen. Gerade hier liegt meines Wissens in China ein Forschungsschwerpunkt.

Ja, dabei ist man China sehr stark auf Identitätskontrolle und Sicherheitssysteme fokussiert. Etwas, das hierzulande auch aus Datenschutzgründen nicht so sehr im Fokus steht. Bei uns ist Bilderkennung oft ein Element unter vielen - im Bereich Insuretech beispielsweise, um kombiniert mit geografischem Wissen und Textanalyse die Schwere von Naturkatastrophen noch während des Verlaufs abzuschätzen. Es ist ein bisschen Folklore, dass die Chinesen uns überholt haben. Ja, sie haben aufgeholt und sind in Spezialgebieten sehr gut. Aber überholt haben sie uns in den für unsere Exportschlager wichtigen Bereichen noch lange nicht.

Sie arbeiten im DFKI ja sehr eng mit der Großindustrie zusammen. Bei der KI-Nutzung im Mittelstand und dem Wissenstransfer auch in kleine Unternehmen sehen viele Beobachter allerdings noch erhebliches Verbesserungspotenzial.

Ja, aber wir haben auch etliche Mittelständler im Kreise unserer Gesellschafter und haben mit diesen viele erfolgreiche Projekte. Den Mittelstand, darunter auch viele sogenannte "hidden Champions", müssen wir tatsächlich aber in noch größerem Umfang einbeziehen - das ist ja Teil der neuen KI-Strategie. Wir müssen Reallabore, Innovationszentren und Living Labs zusammen mit dem Mittelstand einrichten. Unsere Smart Factories in Kaiserslautern und Saarbrücken sind für KI-Methoden in der Produktion Referenzzentren für den Mittelstand.

Sie sprachen gerade das Thema Datenschutz an. Stimmen Sie Kritikern zu, die sagen, dass Europa hier seine Regeln lockern muss, um international mithalten zu können?

Nein. Ich glaube eher, dass Künstliche Intelligenz "Made in Germany", bei der ethische Fragestellungen gleich bei der Entwicklung mitberücksichtigt werden - also mit "ethics by design" - ein echter Exportschlager werden könnte.

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