Mittwoch, 16. Oktober 2019

Massenrücktritte in Aufsichtsrat und Vorstand Führungsnotstand beim Pfälzer Milliardenkonzern KSB

Regiert unheimlich gern: Klaus Kühborth, Impressario des milliardenschweren Pumpenspezialisten KSB AG.

Eigentlich könnte Thomas Seeberg (75) seinen Lebensabend genießen. Ende 2005 schied er bei der damaligen Siemens-Tochter Osram als tadellos beleumundeter Finanzchef altersbedingt aus, in seinem Wohnort Icking am Starnberger See geht es idyllisch zu.

Doch der Mann hat im Retiro mehr Ärger, als ihm lieb sein kann, und der Grund dafür heißt Klaus Kühborth (60). Beide waren lange Kollegen im Aufsichtsrat der börsennotierten KSB AG aus dem pfälzischen Frankenthal, einem der weltgrößten Pumpenhersteller - Seeberg als Vorsitzender, Küborth als Vertreter der Gründerfamilie. Nun ist Seeberg zurückgetreten. Er will nicht dafür verantwortlich sein, dass ein lange Zeit herausragender deutscher Mittelständler verelendet.

Den Anfang nimmt der Krach beim machtversessenen Patriarchen Kühborth. Dessen Familie hat ihre Anteile von 80 Prozent der Stammaktien in eine Stiftung eingebracht, kontrolliert KSB aber weiter über die zwischengeschaltete und von Kühborth geführte Klein Pumpen GmbH - zum Schaden des Unternehmens, wie Kühborths Gegner im Rat glauben.

Sie werfen ihm vor, überfordert und beratungsresistent zu sein und KSB ins Abseits zu treiben. Schwächelnde Absatzmärkte und technische Probleme setzen der Firma zu, die mit 15.572 Mitarbeitern zuletzt 2,2 Milliarden Euro umsetzte. Orderbuch, Umsatz und Gewinn schrumpfen.

Ein Sparprogramm, in das Kürborth erst nach langem Widerstand eingewilligt hat, soll die Kosten jährlich um 200 Millionen Euro drücken. Gegen weitere Maßnahmen sperrt er sich, die um ihre Jobs bangenden Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat halten zu ihm. Und die Belegschaft schaut schockstarr auf das Drama rund um "die Villa", wie der Stammsitz der Kühborth-Sippe ehrfurchtsvoll genannt wird.

Dort geht es drunter und drüber. Im Februar traten vier Vertreter der Kapitalseite im Rat aus Protest gegen Kühborth zurück, darunter Seeberg. "Die Beherrschung der KSB durch (...) die Familie Kühborth hat sich für das Unternehmen als nachteilig erwiesen", schreibt Seeberg in seinem Abschiedsbrief an die Ratskollegen, der manager-magazin.de vorliegt. Bereits 2015 hatte sich der renommierte Wirtschaftsanwalt Michael Hoffmann-Becking (74) von der Kanzlei Hengeler Mueller mit Küborth überworfen und aus Frust über dessen Starrsinn den Rat verlassen. Im Gegenzug gab Kühborth den Vorsitz an Seeberg ab, ein seltener Moment der Konzilianz.

Das Verwaltungsgebäude der KSB in Frankenthal
KSB Aktiengesellschaft
Das Verwaltungsgebäude der KSB in Frankenthal

Seither ist der öffentlichkeitsscheue Kühborth einfaches Ratsmitglied, seine Machtfülle indes bleibt. Das zeigt sich schon an den vergeblichen Versuchen, neue Vorstände für KSB zu gewinnen. So gab ein Siemens-Topmann, den Seeberg vermittelt hatte, genervt auf, nachdem er 36 Bewerbungsgespräche mit Kühborth und Arbeitnehmervertretern geführt hatte - und weitere Termine angesetzt waren.

Stattdessen brachte Kühborth einen Kandidaten ins Spiel, den der Personalausschuss des Aufsichtsrats als ungeeignet abgelehnt hatte. "Diese nicht abgestimmten Aktivitäten werte ich als persönlichen Vertrauensbruch", so Seeberg.

Eile ist geboten, das Milliardenunternehmen KSB wird nur noch von einem zweiköpfigen Mini-Vorstand geführt - und auch der steht vor der Auflösung: Werner Stegmüller (52) geht Ende Mai, Peter Buthmann (65) per Jahresende. Immerhin wurde mit Matthias Schmitz (53) ein Nachfolger für Stegmüller gefunden, der Rumpfcharakter freilich bleibt.

Dafür liegt bald die ganze Macht beim Patriarchen. Am 10. Mai will Kühborth mit seiner Stimmenmehrheit von der Hauptversammlung beschließen lassen, die KSB AG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) zu wandeln. Das gäbe ihm die Chance, die freien Aktionäre endgültig zu marginalisieren und durchzuregieren: Im Board säßen dann neun Direktoren, vier mit Exekutivmacht und fünf ohne - voraussichtlich von Kühborth handverlesene Pensionäre.

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