Mittwoch, 18. September 2019

"Knee Defender" im Flugzeug Brennpunkt Beinfreiheit

Kabine einer Boeing 747-8: Mehr Platz im Flugzeug kostet meist mehr Geld

Ein Streit zwischen zwei Passagieren hat ein Flugzeug zu einem ungeplanten Zwischenstopp gezwungen. Der Konflikt um mehr Platz wirft ein Schlaglicht auf den Konkurrenzkampf der Flugzeugbauer: Es geht um jeden Zentimeter.

Hamburg - Zwei kleine Klammern haben einen United-Airlines-Flug zu einer Zwischenlandung in Chicago gezwungen. Ein Passagier klippste die "Knee Defender" an einen Sitz - seine Vorderfrau konnte ihn damit nicht mehr zurückklappen.

Weil der 48-Jährige die Klammern auch nach Aufforderung durch das Kabinenpersonal nicht entfernen wollte, schleuderte ihm seine Kontrahentin im Kampf um ein Quäntchen mehr Platz einen Becher Wasser ins Gesicht. Bei einem ungeplanten Zwischenstopp in Chicago flogen beide raus.

Die Geschichte ist keine bloße Anekdote. Flugzeugbauer müssen im Kampf um die Gunst der Fluggesellschaften mehr und mehr Passagiere pro Flieger unterbringen, konstant hohe Ölpreise und harter Wettbewerb setzen Gesellschaften wie Herstellern gleichermaßen zu. Zu stark einschränken dürfen sie den Platz ihrer Passagiere aber auch nicht. Es gilt, die richtige Balance zwischen Sofa und Sardinenbüchse zu finden - trotzdem bleibt der Komfort bisweilen auf der Strecke.

Neuestes Beispiel: Erst im Juli berichteten Medien, dass Airbus Ende vergangenen Jahres ein Patent für fahrradsattelartige Sitze angemeldet hat, auf denen Flugpassagiere eher stehen als sitzen. Sie kämen "barbarisch dürftig" daher, schrieb das Wirtschaftsblog "Business Insider", "ohne grundlegende Notwendigkeiten wie Rückenlehnen, Tischen für Tabletts oder Platz für die Beine". Airbus habe den fehlenden Komfort erkannt, hoffe aber, die unbequeme Sitzposition über günstigere Flugpreise ausgleichen zu können. Möglicherweise werde das Sitzschema aber auch nie produziert, schränkte eine Sprecherin ein.

Embraer setzt auf schlanke Sitze

Die Anzahl der Sitze pro Flieger ist ein wichtiges Verkaufsargument. US-Flugzeugbauer Boeing hat die neuste Version seines 737-Modells etwa auf die Wünsche von Billigfliegern abgestimmt: Fluggäste müssen etwas enger zusammenrücken. So sind 11 zusätzliche Sitze pro Maschine drin. Konkurrent Airbus kann beim Spritverbrauch seines A330neo mit Boeings neustem "Dreamliner" mithalten, weil zehn Passagiere mehr Platz finden als bei der amerikanischen Konkurrenz - damit sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch an Kerosin.

Die Nummer Vier der größten Flugzeugbauer der Welt, der brasilianische Hersteller Embraer, schrumpft hingegen die Sitze selbst zusammen. Ein neues Kabinendesign namens E2, entwickelt vom Designunternehmen Priestmangoode, tauscht die traditionell wuchtigen Flugzeugsitze gegen schlankere Möbelstücke aus. So sollen bei komfortablem Platz zwischen den Reihen mehr Passagiere im Flieger Platz finden. Auch sollen die neuen Sitze selbst wesentlich leichter sein und so zusätzlich Sprit sparen.

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