Dienstag, 12. November 2019

mm-Serie zu Innovationen für Klimaschutz Stahl ohne Kohle - geht das?

Stahlwerk in China
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Stahlwerk in China

Der heilige Gral der Klimaschützer könnte bald im österreichischen Linz stehen. Könnte. Im Herbst will der Stahlhersteller Voestalpine den Testbetrieb einer Pilotanlage zur "CO2-freien Stahlerzeugung" starten. Statt Kokskohle soll das Projekt namens H2Future Wasserstoff verwenden. Das klingt, als wäre es möglich: Die Industrie mit dem größten Klimagasausstoß in eine saubere Zukunft zu führen.

Heute werden für jede produzierte Tonne Rohstahl in Europa etwa 1,3 Tonnen CO2 in die Atmosphäre entlassen - und das markiert schon einen gewaltigen Fortschritt. Weltweit werden noch mehr als zwei Tonnen CO2 benötigt. Und hierzulande gilt das Sparpotenzial als ausgereizt. Die herkömmliche Hochofentechnologie sei "an ihre Grenzen getrieben worden", erklärt der größte deutsche Hersteller Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen. Um jetzt noch mehr zum Klimaschutz beizutragen, wäre "eine echte Revolution" nötig.

Trotzdem will der Ruhr-Konzern, als Zeichen seines langjährigen Niedergangs gerade aus dem Dax Börsen-Chart zeigen abgestiegen, genau dabei mitmachen. Er bekennt sich wie viele Wettbewerber zu dem Ziel, den für Bau- und Autoindustrie, aber auch für viele neue grüne Technologien steigenden Bedarf an Stahl bis 2050 ohne CO2-Ausstoß zu decken. Nur wie das gehen soll, ist unklar.

Auf ganz Europa bezogen, wäre es wohl noch möglich, die Emissionen der Stahlindustrie bis 2050 um 15 Prozent zu senken, heißt es im EU-geförderten Projekt "Low Carbon Future". Alles, was darüber hinaus geht, läuft unter "unwirtschaftliche Szenarien". Und auch die würden es nur schaffen, die CO2-Intensität der Industrie in etwa zu halbieren. Alles, was in Richtung des Ziels der Klimaneutralität weist, hängt von "hypothetischen technologischen Durchbrüchen" ab.

Das internationale Projekt wird vom Düsseldorfer Betriebsforschungsinstitut (BFI) des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute geführt. Mit BFI-Hilfe - und Geld des Landes Nordrhein-Westfalen - hat auch Thyssenkrupp in Duisburg eine Pilotanlage einrichten lassen. Das Zauberwort hier wie in Linz heißt Wasserstoff.

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