Mittwoch, 13. November 2019

Mittelstand macht Front gegen Klima-Aktivisten Nun warnt auch Maschinenbauer Trumpf vor "Klima-Hysterie"

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller warnt vor "hysterischen" Klimaschutz-Maßnahmen

Eigentlich hatte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller in punkto Klimaschutz Positives zu vermelden, als sie vor wenigen Tagen die Geschäftszahlen des am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahres präsentierte. Zwar ist die Situation bei dem Maschinenbauer aktuell angespannt: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank zuletzt um 35 Prozent, die Ebit-Marge ging von 15 auf 9 Prozent zurück. Der Mittelständler reagiert darauf unter anderem mit einem Einstellungsstopp und rechnet erst ab 2021 mit einer Erholung.

Dennoch steckt Trumpf nun Millionen in den Klimaschutz: In den kommenden zwei Jahren investiert das Unternehmen 6,4 Millionen Euro in die Verbesserung der Energieeffizienz und die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen. Bis Ende 2020 will der Maschinenbauer in seinen weltweit 57 Werken bilanziell CO2-neutral produzieren, erklärte Leibinger-Kammüller - vorerst auch durch den Zukauf von CO2-Verschmutzungszertifikaten, deren Anteil Trumpf aber "mittelfristig erheblich reduzieren" will.

Ein durchaus ehrgeiziger Klimafahrplan also - mit einer wichtigen Einschränkung. Denn zugleich warnte Leibinger-Kammüller, die vor kurzem von manager magazin einen Ehrenpreis für Familienunternehmen erhielt, auch vor "hysterischen" Klimaschutz-Kampagnen. Das berichtet die "Financial Times".

Trumpf gehe zwar entschlossen gegen den Klimawandel vor. Allerdings sorgt Leibinger-Kammüller sich "mehr über die Gesamtsituation, dass wir in Deutschland andere wichtige Themen aus den Augen verlieren", erklärte sie laut "FT". Wegen des Klimaschutzes vernachlässigen einige Unternehmen und Politiker laut Leibinger-Kammüller "die Millionen Angestellten, die in Branchen wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau arbeiten". Laut der Trumpf-Chefin sollte sich Deutschland darauf konzentrieren, wie Arbeitsplätze erhalten werden können - statt sie durch Klimaschutzmaßnahmen zu gefährden.

Auch Coroplast-Chefin Mekelburger warnt vor Gefahren durch Aktivismus

Mit dieser Position ist Kammüller-Leibinger nicht alleine im deutschen Mittelstand. Auch Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger warnte im Gespräch mit manager magazin ebenfalls vor den wirtschaftlichen Gefahren durch Umweltaktivismus: In der "unsachlichen Diskussion" würden Industrieländer " grundsätzlich" für den Klimawandel verantwortlich gemacht.

Eine überstürzte Reduktion von CO2-Emissionen könne "sehr schnell" zu Wohlstandsverlusten führen, so Mekelburger. Statt Panikmache zu betreiben, sollte man das Thema rational angehen und die weltweite Reduktion von CO2 einem Kosten-Nutzen-Vergleich unterziehen. So habe sich etwa der bereits existierende europäische Handel mit CO2-Zertifikaten als "hocheffizient" erwiesen.

BDI kritisiert "schlampige Umweltgesetzgebung"

Das von der deutschen Bundesregierung vorgelegte Klimaschutzpaket wird von Wirtschaftsverbänden teils heftig kritisiert. Wie die Bundesregierung "Klimaschutz in Gesetze gießt, macht mich fassungslos", erklärte jüngst Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Wirtschaft, so versicherte er, stehe "voll hinter dem Pariser Klimaschutzabkommen". Die Umweltpolitik der Koalition bezeichnete er jedoch als "schlampige Gesetzgebung"; die "nichts mit langfristig orientierten und klimapolitisch sinnvollen Zielen zu tun" habe. Man sei "gerade dabei, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu ruinieren", monierte Kempf.

Und selbst bei den Gewerkschaften mehren sich kritische Stimmen. Zwar unterstützte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die "Fridays for Future"-Bewegung von Greta Thunberg mit Mitmach-Aufrufen. Die Energie-Gewerkschaft IG BCE hingegen erklärte Mitte September, dass ihr die Forderungen der Bewegung zu weit gingen. Sie warnte vor einem Kahlschlag in der Industrie, falls Deutschland seine Energieversorgung bis 2035 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umstelle - was die "Friday for Future"-Bewegung fordert.

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