Milliarden-Zukauf und Kapitalerhöhung Kion will mit Dematic zum Logistik-Spezialisten werden

Vor fast genau drei Jahren rollte der die ehemalige Linde-Tochter Kion an die Börse. Nun will der Gabelstapler-Hersteller durch einen milliardenschweren Zukauf wachsen - und seine Struktur verändern

Vor fast genau drei Jahren rollte der die ehemalige Linde-Tochter Kion an die Börse. Nun will der Gabelstapler-Hersteller durch einen milliardenschweren Zukauf wachsen - und seine Struktur verändern

Foto: A3471 Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Der Wiesbadener Gabelstapler-Konzern Kion will mit der milliardenschweren Übernahme des Maschinen- und Anlagenbauers Dematic in eine neue Dimension wachsen. Kion wolle damit zum Komplettanbieter von Lager- und Transportsystemen für die wachsende Logistik-Branche werden, sagte Vorstandschef Gordon Riske am Dienstag. Für den Hersteller von Förder- und Lagersystemen sowie von Sortieranlagen zahlt die ehemalige Linde -Tochter 2,1 Milliarden Dollar (1,85 Milliarden Euro) an die Investoren AEA und OTPP. Mit Dematic baut Kion den Umsatz um fast ein Drittel auf 6,7 Milliarden Euro aus und beschäftigt knapp 30.000 Mitarbeiter. "Das wird das Unternehmen deutlich verändern", sagte Riske.

Kion und Dematic passten gut zusammen. Die Hessen setzen vor allem auf Wachstum, um den Kaufpreis zu rechtfertigen. Dieser sei aber nur dann angemessen, wenn Dematic auch in den nächsten Jahren - wie seit 2013 - um zehn Prozent im Jahr wachse, urteilte UBS-Analyst Sven Weier. "Das ist eine große Wette auf die Lager-Automatisierung", heißt es in seiner Kurzstudie.

Die Branche profitiert unter anderem vom wachsenden Online-Handel mit seinen riesigen Logistikzentren. "Wir haben die gleichen Kunden, die gleichen Probleme und die gleichen Chancen", sagte Riske. Die auf maximal 30 Millionen Euro geschätzten Kostenvorteile seien zweitrangig im Vergleich zu den Chancen, etwa in der Nachrüstung von Lager- und Transportsystemen.

Kion-Aktie unter Druck - Weichai zieht bei Kapitalerhöhung mit

Die Kion-Aktie ging angesichts des großen Zukaufs kräftig in die Knie und verlor fast sechs Prozent. Kion muss - inklusive der Schulden von Dematic - 2,85 Milliarden Euro finanzieren, zunächst über einen drei Milliarden Euro schweren Brückenkredit. Er soll noch in diesem Jahr zum Teil durch eine Kapitalerhöhung abgelöst werden, die knapp eine halbe Milliarde Euro einbringen könnte.

Der chinesische Großaktionär Weichai Power, der 38,3 Prozent an Kion hält, zieht mit. "Wir haben die klare Zusage, dass Weichai bei der Kapitalerhöhung teilnimmt und den Anteil mindestens halten möchte, den sie derzeit haben", sagte Finanzvorstand Thomas Toepfer. Auch eine Aufstockung sei nicht auszuschließen. Die Analysten von Baader Helvea halten es für wahrscheinlich, dass Kion sein Kapital weiter stärken wird. Riske sagte nur, die Verschuldung werde künftig wieder sinken.

Rockefeller und AEA machen Kasse bei Ex-Siemens-Tochter Dematic

David Rockefeller: Guter Schnitt mit Kion

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Foto: AP

Dematic war in den vergangenen Jahren wie Phönix aus der Asche gestiegen. Die frühere Mannesmann- und Siemens -Tochter gehört seit Anfang 2013 dem US-Finanzinvestor AEA - hinter dem unter anderem die Familie Rockefeller steht - und dem kanadischen Pensionsfonds OTPP.

Sie hatten Schätzungen zufolge rund 800 Millionen Euro an die Beteiligungsgesellschaft Triton bezahlt, die Dematic 2006 als Sanierungsfall übernommen hatte. Heute gilt das Unternehmen als weltweite Nummer drei in der Logistik-Automatisierung.

Dematic solle zum Kern einer neuen, fünften Sparte von Kion werden. Der Wiesbadener Konzern hat bereits zwei kleinere Anbieter von Automatisierungslösungen gekauft, Egemin Automation und Retrotech. Geführt werden soll die neue Sparte von Dematic-Chef Ulf Henriksson.

Im vergangenen Jahr kam Dematic mit rund 6000 Mitarbeitern auf umgerechnet 1,6 Milliarden Euro Umsatz und einen bereinigten operativen Gewinn (Ebit) von knapp 150 Millionen Euro. Sitz von Dematic ist Luxemburg, das Deutschland-Geschäft wird aber aus Heusenstamm bei Frankfurt gesteuert.

rei/Reuters
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