US-Salzgeschäft verkauft K+S gelingt Befreiungsschlag

Der Salz- und Düngemittelhersteller K+S hat den Verkauf seiner US-Salzsparte unter Dach und Fach gebracht. Damit kann Konzernchef Burhard Lohr endlich die milliardenschwere Verschuldung deutlich reduzieren.
Salzabbau bei K+S in Bernburg

Salzabbau bei K+S in Bernburg

Foto: Jens Wolf/ dpa

Der Düngerkonzern K+S  verschafft sich mit dem milliardenschweren Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts dringend benötigte finanzielle Luft. Die Sparte um die Marke Morton Salt gehe an Stone Canyon Industries Holdings LLC, Mark Demetree und Partner, wie die Hessen am späten Montagabend in Kassel mitteilten. Der Unternehmenswert belaufe sich auf 3,2 Milliarden US-Dollar - umgerechnet 2,7 Milliarden Euro. Mit dem Abschluss der Transaktion, die unter anderem noch von Kartellämtern genehmigt werden muss, rechnet K+S im Sommer 2021. Dann soll der Kaufpreis in bar entrichtet werden.

"Mit dem Verkauf unseres amerikanischen Salzgeschäfts machen wir einen Riesenschritt beim Abbau der Verschuldung", sagte Vorstandschef Burkhard Lohr (57). K+S werde die Verbindlichkeiten nun sogar um deutlich mehr als die geplanten zwei Milliarden drücken können. "Wir schaffen damit eine solide finanzielle Basis für die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens", sagte Lohr.

K+S hatte das US-Unternehmen Morton Salt 2009 für rund 1,7 Milliarden Dollar gekauft und im März angekündigt, die Sparte wegen des hohen Schuldenbergs verkaufen zu wollen. Am Montagvormittag hatte K+S bereits von fortgeschrittenen Gesprächen gesprochen, woraufhin die Aktien angesichts einer überraschend hohen in Aussicht gestellten Bewertung des Salzgeschäfts bis zum Handelsschluss um rund 14 Prozent zugelegt hatten.

Dass die Anleger positiv auf den Verkauf reagieren, überrascht wenig. So brauchen die Kasseler das Geld dringend für den Schuldenabbau. In den vergangenen Jahren hatten dem MDax -Konzern Produktionsprobleme in Deutschland wegen mangelnder Entsorgungsmöglichkeiten für Abwässer sowie eine Flaute des globalen Düngermarktes schwer zu schaffen gemacht. Der infolge des milliardenschweren Neubaus des Kaliwerks in Kanada gestiegene Schuldenberg konnte auch daher nicht wie eigentlich geplant schrumpfen.

Aktie verlor seit Jahresbeginn knapp 40 Prozent

Auch daher stehen die Aktien schon länger unter Druck. Das Minus seit dem Jahreswechsel beläuft sich trotz des Kurssprungs zum Wochenauftakt immer noch auf rund 37 Prozent. Aktuell ringt das Papier mit der Marke von 7 Euro, die zuletzt mehrfach eine zu hohe Hürde war. Ein Sprung darüber könnte den Papieren zusätzlich Schwung verleihen.

Bis sich das langfristige Bild deutlich aufhellt, könnte es aber noch eine Weile dauern. Aktuell bringt es K+S an der Börse auf einen Wert von rund 1,35 Milliarden Euro. Im Herbst 2015, als das Unternehmen noch im Dax gelistet war, hatte die Marktkapitalisierung noch bei rund sechs Milliarden Euro gelegen. Damals hatte der Konkurrent Potash, der inzwischen im Düngerkonzern Nutrien aufgegangen ist, eine Übernahme erwogen. K+S hatte sich damals heftig dagegen gewehrt. Der Kurs war damals bis auf 40 Euro gestiegen - ein Niveau, dem die Aktionäre wohl immer noch nachtrauern.

Angesichts der träge laufenden Geschäfte und der hohen Schulden hatte das Management von K+S verschiedene Optionen geprüft und sich dann im März für einen Verkauf des süd- und nordamerikanischen Salzgeschäfts entschieden. Der Konzern war mit der Übernahme des größten südamerikanischen Salzproduzenten Sociedad Punta de Lobos (SPL) 2006 und der US-Firma Morton Salt 2009 zur weltweiten Nummer eins in dem Geschäft aufgestiegen. Übrig bleiben soll nun nur das viel kleinere Salzgeschäft in Europa, das zuletzt auf einen Umsatz von 400 Millionen Euro kam. Das amerikanische Geschäft stand zuletzt für einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (Ebitda) von 230 Millionen.

Der Verkauf ermöglicht K+S Einsparungen beim Personal, vor allem in der Zentrale in Kassel. In der Verwaltung sollen so die jährlichen Kosten um 60 Millionen Euro sinken. Insgesamt will Konzernchef Lohr durch die verschiedenen Maßnahmen die Schulden bis Ende 2021 um deutlich mehr als zwei Milliarden Euro senken und sich nun auf das Geschäft mit mineralischen Düngemitteln und teureren Spezialdüngern konzentrieren. Damit wolle man auch dann positive Mittelzuflüsse erwirtschaften, wenn der Kali-Preis niedrig und die Nachfrage nach Auftausalz in milden Wintern in Deutschland gering ist.

Beim langfristigen Schuldenabbau spielt das Kaligeschäft eine entscheidende Rolle. Nur wenn es die Trendwende schaffe und finanzielle Mittelzuflüsse erziele, könne K+S die Verschuldung wirklich nachhaltig senken, sagte Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. So hatten einige Börsianer moniert, dass mit dem Salzgeschäft ein verlässlicher Gewinnbringer wegfalle. Das Düngergeschäft schwankt tendenziell stärker.

mg/dpa-afx/Reuters
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