Aktie reagiert mit Kurssturz Bafin knöpft sich Kalikonzern K+S vor

Bei Wirecard haben die Aufsichtsbehörden versagt. Das soll sich nicht noch einmal wiederholen. Die Bafin schaut nun offenbar genauer hin und geht Hinweisen bei dem Kalikonzern K+S nach.
Die Bafin muss tief graben: Hat K+S falsch bilanziert?

Die Bafin muss tief graben: Hat K+S falsch bilanziert?

Foto: Fredrik Von Erichsen/ picture alliance / dpa

Nach der im Zuge der Wirecard-Pleite geäußerten Kritik an der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zieht die Aufsichtsbehörde offenbar die Zügel an. Als ersten prominenten Vertreter der Firmenwelt trifft es den Düngerkonzern K+S. Die Bafin habe die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) mit der Prüfung des Konzernabschlusses zum 31.12.2019 nebst zugehörigem Konzernlagebericht sowie des verkürzten Abschlusses zum 30.06.2020 nebst zugehörigem Zwischenlagebericht beauftragt, teilte das MDax-Unternehmen am Mittwochabend in Kassel mit.

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Der Kurs der K+S-Aktie  rauschte am Donnerstag um rund 14 Prozent auf 8,41 Euro in die Tiefe. Die Prüfung sei "sehr negativ" für das Unternehmen, urteilte Analyst Sven Diermeier von Independent Research. Sie sei auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Bafin wegen des Wirecard-Skandals besonders sensibilisiert sei.

De Bafin habe "konkrete Anhaltspunkte", dass der Konzern Vermögenswerte in den beiden Berichten zu hoch bemessen haben könnte und der Wertminderungsbedarf ganz oder teilweise bereits zu einem früheren Zeitpunkt hätte erfasst werden müssen, teilte K+S weiter mit. "Ebenso können weitere Aktivposten von einem Wertberichtigungsbedarf betroffen sein."

K+S hatte Anfang November Wertberichtigungen auf Vermögenswerte von rund zwei Milliarden Euro angekündigt, da sich das Unternehmen bei der langfristigen Entwicklung der Kalipreise verschätzt hat. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist daher ein Milliardenverlust zu erwarten, nach neun Monaten lag der Konzernverlust bei 1,98 Milliarden Euro.

Wertberichtigung nach Milliardendeal

"Auffällig war für uns, dass die milliardenschweren Wertberichtigungen einen Monat nach der Bekanntgabe der Verkaufsvereinbarung für das nord- und südamerikanische Salzgeschäft angekündigt worden sind", erklärte Analyst Diermeier. Wären die Wertberichtigungen bereits früher angekündigt worden, hätte das K+S bei den Verkaufsverhandlungen "deutlich unter Druck gesetzt". Der Konzern hatte Anfang Oktober den Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts für 3,2 Milliarden Dollar in bar an den US-Konzern Stone Canyon Industries mitgeteilt.

K+S erklärte, an der Prüfung vollumfänglich mitwirken und alle erforderlichen Unterlagen bereitstellen zu wollen. "Der Vorstand ist davon überzeugt, dass die Wertberichtigung ordnungsgemäß und unter Beachtung aller relevanten Rechnungslegungsvorschriften vorgenommen wurde." Der Vorstand gehe daher davon aus, die Anhaltspunkte der Bafin entkräften zu können. Darüber hinaus wollte sich K+S nicht äußern.

Die Bafin beauftragt die DPR, wenn sie Anhaltspunkte für Fehler in den Bilanzen sieht. Erst danach kommt die Bafin selbst ins Spiel. Dieses zweistufige Verfahren der Bilanzprüfung aus DPR und Bafin wird jedoch abgeschafft. Denn im Wirecard-Skandal gelten Kommunikationsmängel zwischen der Bafin und der DPR als ein Grund, warum der Zahlungsabwickler nicht strenger überprüft wurde. Die Bundesregierung hat Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, die momentan im Bundestag beraten werden. Unter anderem sollen Wirtschaftsprüfer enger an die Leine genommen werden.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (62, SPD) will bei der Bafin Kompetenzen aufbauen. Sie soll künftig in Eigenregie handeln dürfen - auch mit "forensischen Möglichkeiten" wie Durchsuchungen und Befragungen. Die DPR soll nur noch für Stichproben in Routinefällen zuständig sein. DPR-Präsident Edgar Ernst sagte zuletzt im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal, seit 2005 habe seine Behörde 1500 Prüfverfahren über die Bühne gebracht. In 300 Fällen seien Fehler beanstandet worden.

mg/dpa-afx
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