Montag, 18. November 2019

Nach Todesfällen in den USA  E-Zigaretten - eine Branche im Ausnahmezustand

Junge E-Zigarettenraucher

Es sind Töne, die noch vor Jahren undenkbar gewesen wären von Seiten eines der führenden Tabakkonzerne der Welt - doch jetzt schmücken sie ganze Seiten überregionaler Zeitschriften und Zeitungen. "Wer nicht raucht, sollte nicht anfangen. Wer raucht, sollte aufhören.", schreibt der Marlboro-Hersteller Philip Morris in seiner aktuellen "Unsmoke"-Kampagne.

Die Verantwortlichen im US-Bundesstaat Massachusetts scheinen das ganz ähnlich zu sehen: Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat Massachusetts als erster US-Staat den Verkauf von E-Zigaretten komplett gestoppt. Der Verkaufsstopp gelte zunächst bis zum 25. Januar, so der Gouverneur des Staates. Nachdem in den USA bei hunderten Menschen nach dem Konsum von E-Zigaretten Lungenerkrankungen auftraten, sprach er zugleich von einem "Gesundheitsnotstand".

Das ist allerdings nicht ganz das, was Philip Morris bei seinem Werbeengagement vorschwebte, das den Auftakt für ein ganzes "Year of Unsmoke" bilden soll. Worum es ihm geht, wird im dritten Satz der großformatigen Anzeige klar: "Wer nicht aufhört, sollte wechseln."

"Wechseln" ist das Zauberwort, auf das die Branche große Hoffnungen setzt. Zwar verdienen die Tabakkonzerne mit ihren Zigaretten noch immer gutes Geld. Doch der Trend geht klar nach unten, weshalb die Konzerne Milliarden in neue, rauchfreie und weniger schädliche Technologien investieren. Doch mysteriöse Krankheitsfälle wecken nun Zweifel an der Mär vom "gesunden Rauchen" - und drohen der Industrie einen empfindlichen Dämpfer zu versetzen.

Iqos, Blu, Vipe: Tabakriesen investieren Milliarden in Verdampfer

Die Zigarettenindustrie steht unter Zugzwang: Alleine in den USA sank der Zigarettenabsatz zuletzt jeden Monat im Vorjahresvergleich um 7 Prozent. Und auch in Deutschland ist die Zahl der Raucher in den vergangenen Jahren deutlich gesunken - auf zuletzt rund 25 Prozent.


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Bild: Juul

Deshalb hat sich mittlerweile so ziemlich jeder der großen Konzerne, eine eigene E-Zigaretten oder Tabakverdampfermarke zugelegt - oder sogar beides.

Philip Morris hat unter anderem den Tabakverdampfer Iqos (Heets) auf dem Markt. Imperial (Gauloises, Drum) die E-Zigarette Blu, BAT (Lucky Strike) die E-Zigarette Vype und Altria ist seit vergangenem Jahr mit 35 Prozent am kalifornischen E-Zigarettenkonzern Juul beteiligt. Wofür der Konzern satte 12,8 Milliarden Dollar springen ließ.

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