Mittwoch, 27. Mai 2020

Aktie bricht um 20 Prozent ein Jungheinrich verschreckt Anleger mit Gewinnwarnung

Gabelstapler von Jungheinrich in Norderstedt bei Hamburg: Das Unternehmen rechnet für 2020 mit Einbußen bei Umsatz und Gewinn
picture alliance / dpa
Gabelstapler von Jungheinrich in Norderstedt bei Hamburg: Das Unternehmen rechnet für 2020 mit Einbußen bei Umsatz und Gewinn

Ein verdüsterter Ausblick von Jungheinrich Börsen-Chart zeigen auf das kommende Jahr hat den Aktionären am Mittwoch einen gehörigen Schrecken eingejagt. Die Papiere des Gabelstaplerherstellers brachen am Vormittag um 19,73 Prozent auf 21,16 Euro ein.

Sie fielen damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober zurück. Außerdem rutschten sie wieder unter ihre als Trendindikator geltende 200-Tage-Linie. Damit summiert sich das Minus der Papiere seit dem Zwischenhoch im April auf rund 34 Prozent. Aufs Jahr 2019 gesehen lautet die Bilanz minus 7 Prozent. Im Sog der Kursverluste bei Jungheinrich sackte am Mittwoch auch der Aktienkurs des Konkurrenten Kion Börsen-Chart zeigen am MDax-Ende um rund 5,5 Prozent ab.

Jungheinrich stellte die Anleger wegen des deutlich rückläufigen Marktes, einer höheren Volatilität im Auftragseingang und insbesondere mangels positiver Konjunktur- und Marktsignale auf ein deutlich schwächeres Jahr 2020 ein. So dürften sich die Erlöse 2020 zwischen 3,6 und 3,8 Milliarden Euro bewegen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Für das Jahr 2019 strebt der Konzern hier noch immer 3,85 bis 4,05 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis (Ebit) soll sich auf 150 bis 200 Millionen Euro belaufen, bei anvisierten 240 bis 260 Millionen im laufenden Jahr.

2018 waren Umsatz und operatives Ergebnis bei Jungheinrich noch deutlich gestiegen. Das Management sah zu dem Zeitpunkt ein Umsatzziel von vier Milliarden Euro in 2020 bereits "zum Greifen nah". Analysten sprachen von einem "Stapler-Boom", der sich allerdings schon bald dem Ende neigen würde. Vor allem in Europa, dem Kernmarkt von Jungheinrich, prognostizierten die Experten Schwierigkeiten.

Logistikvorstand Rosenbach verlässt Jungheinrich

So kam es dann auch. Im Juli kappte Jungheinrich wegen des Nachfragerückgangs seine Auftrags- und Profitabilitätsziele für 2019. In Europa sei der Markt um 7 Prozent geschrumpft, hieß es damals.

Trotz der Schwierigkeiten wollen die Hamburger 2020 aber weiter investieren. Geld soll vor allem in die Bereiche Digitalisierung, Automatisierung und Lithium-Ionen-Technologie gesteckt werden. Gleichzeitig würden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung ergriffen, um die Profitabilität weiter abzusichern. Letztendlich soll aber auch die operative Marge mit voraussichtlich 4,0 bis 5,5 Prozent niedriger ausfallen als 2019. Hier hat das Unternehmen im laufenden Jahr noch 6,0 bis 6,7 Prozent auf dem Zettel.

Der Ausblick des Staplerkonzerns sei eine herbe Enttäuschung, kommentierte ein Händler in einer ersten Reaktion. Zwar habe sich angedeutet, dass es im kommenden Jahr für das Unternehmen nicht mehr so rosig laufen werde, die nun kommunizierten Zielsetzungen lägen jedoch unter selbst den pessimistischsten Schätzungen. Da die Aktie wie auch andere zyklische Werte zuletzt einen guten Lauf gehabt habe, sei der massive Kursrückgang kein Wunder, sagte der Börsianer.

Parallel zu den neuen Zielen für 2020 gab das Unternehmen am Mittwoch noch das vorzeitige Ausscheiden des Logistikvorstands Klaus-Dieter Rosenbach bekannt. Sein Vertrag werde auf eigenen Wunsch hin vorzeitig zum 31. März 2020 beendet. Regulär wäre der Vertrag erst Ende 2021 ausgelaufen. Mit dem Austritt Rosenbachs will Jungheinrich seinen Vorstand nun zum April nächsten Jahres von fünf auf vier Ressorts verkleinern.

mg/dpa-afx, rtr

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung