Dienstag, 16. Juli 2019

Jonathan Ive angeblich enttäuscht Warum Apples Star-Designer geht

Entfremdung: Apple Chief Design Officer, Jonathan Ive (M.), zieht sich zurück
Stephen Lam/ Getty Images
Entfremdung: Apple Chief Design Officer, Jonathan Ive (M.), zieht sich zurück

Es war ein Paukenschlag in der vergangenen Woche: Apples gefeierter und hoch angesehener Stardesigner Jonathan (Jony) Ive wird das Unternehmen verlassen und gründet nach jahrzehntelangem Dienst bei Apple ein eigenes Designbüro. Die Aktie von Apple rutschte ab. Experten rätselten, warum der Designguru, der entscheidend hinter der Entwicklung des iPhones steht, den Konzern verlassen will.

Das "Wall Street Journal" könnte jetzt das Rätsel gelöst haben. Die renommierte Zeitung sprach mit zahlreichen Personen aus dem Umfeld der Designabteilung. Ive - so das Fazit - habe sich bereits über einen längeren Zeitraum von Apple entfremdet. Seit dem Tod von Steve Jobs habe mit Tim Cook ein Mensch das Ruder übernommen, der weniger dem Design verpflichtet sei als den Geschäftszahlen.

Anders als Jobs habe sich Cook nur selten in der Designabteilung blicken lassen. Ive und Jobs hätten dagegen oft zusammen gegessen und sich gegenseitig mit ihren Ideen inspiriert. Ive sei enttäuscht gewesen, das Cook den Konzern mehr auf Geschäftstätigkeiten fokussiert habe und immer weniger auf Designfragen, schreibt die US-Zeitung. In den meisten Tech-Unternehmen bestimme das Engineering die Produktentwicklung. Bei Apple herrschten dagegen zumindest lange Zeit die Designer - und trugen mit dem Design entscheidend zum Erfolg der Produkte bei.

Jony Ive (r) mit Apple-CEO Tim Cook (l)
JUSTIN SULLIVAN/ AFP
Jony Ive (r) mit Apple-CEO Tim Cook (l)

Ive habe schließlich immer häufiger bei Design-Meetings gefehlt. Der Designer sei praktisch schon vor Jahren ausgestiegen, schreibt das "Wall Street Journal". Laut Mitarbeitern habe sich Ive aus dem routinemäßigen Management des Elite-Designteams zurückgezogen, dass zusehends ruderlos und ineffizient und schließlich durch Abgänge von wichtigen Mitarbeitern geschwächt wurde.

Ives Ausscheiden manifestiere den Siegeszug des Unternehmers über das Design, heißt es. Das Geschäft würde grundlegend geändert - von einem Hardware-Know-how getriebenen hin zu einem auf Gewinnmargen fokussierten Geschäft, das zwar auf die Hardware-Erfolge aufsetzt, sie aber für den Verkauf von Software- und Services-Angeboten nutze. Ive sei frustriert gewesen, dass in Apples Vorstand immer mehr Personen aus den Bereichen Finanzen und Betrieb einzogen und das Interesse an Produktentwicklungsprozessen gesunken sei.

Daran konnte wohl auch die großzügige Vergütung an Ive nichts ändern, heißt es. Für einen Dämpfer sorgte unter anderen auch die Entwicklung der Apple Watch, die entgegen Ives Idee als Verlängerung des iPhones auf den Markt kam und sich nur schleppend verkaufte. Ive wurde zwar befördert, bestand aber gleichzeitig auch darauf, weniger Zeit im Unternehmen selbst verbringen zu müssen.


Lesen Sie auch: Apple-Chef Cook beklagt Rückzug von Chefdesigner Ive


In der Folge arbeitete er häufig in der Nähe seiner Häuser auf Hawaii, in Großbritannien oder in San Francisco, während die Design-Abteilung auf seine Anwesenheit hoffte, auch damit wichtige Entscheidungen getroffen werden konnten. Ein Versuch, den gefeierten Designer wieder mehr ins Unternehmen einzubinden, missglückte dem Bericht zufolge.

Zusammenarbeiten wolle Apple künftig dennoch mit Ive, betonte Cook in der vergangenen Woche. Das alte Designteam bei Apple berichtet derweil an den gelernten Maschinenbauer COO Jeff Williams.

akn

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung