US-Pharmakonzern verurteilt Gericht macht Johnson & Johnson für Opioid-Krise mitverantwortlich

Johnson & Johnson: Der US-Pharmakonzern steht in den USA wegen der Opioid-Krise unter Druck

Johnson & Johnson: Der US-Pharmakonzern steht in den USA wegen der Opioid-Krise unter Druck

Foto: CHARLY TRIBALLEAU/ AFP

Ein Gericht im US-Bundesstaat Oklahoma hat den Pharmakonzern Johnson & Johnson wegen der Opiate-Krise zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 572 Millionen Dollar (515 Millionen Euro) verurteilt. Die Strafe fällt allerdings deutlich geringer aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Generalstaatsanwalt Mike Hunter, hatte von J&J eine Zahlung von mehr als 17 Milliarden Dollar gefordert.

Damit sollte der Staat in den nächsten 30 Jahren bei der Bekämpfung der Opioid-Krise unterstützt werden. Anleger reagierten erleichtert auf das Urteil, die Aktie  von Johnson & Johnson stieg nachbörslich zeitweise um mehr als 5 Prozent.

"Die Opioid-Krise ist eine direkte Gefahr für die Bewohner Oklahomas", sagte Richter Thad Balkman, als er nach dem siebenwöchigen Prozess sein Urteil sprach. Durch irreführende Werbung über in hohem Maße abhängig machende Schmerzmittel hätten J&J und dessen Pharmaabteilung Janssen "die Gesundheit und Sicherheit tausender Bürger Oklahomas beeinträchtigt", hieß es in dem am Montag (Ortszeit) verkündeten Urteil. Die Anwälte des Bundesstaats Oklahoma hatten argumentiert, Ärzte hätten die Medikamente übermäßig verschrieben, was zu einem Anstieg der Todesfälle durch Überdosierung geführt habe. Mit dem von J&J geforderten Geld sollten Suchtbehandlung und Präventivprogramme finanziert werden.

J&J weist alle Vorwürfe zurück und geht in Berufung

J&J hat die Vorwürfe zurückgewiesen, über Jahre die Risiken für süchtigmachende Schmerzmittel in seinen Marketingkampagnen verharmlost zu haben. "Unsere Pharmatochter Janssen hat die Opiate-Krise in Oklahoma nicht verursacht", erklärte der US-Konzern. Zudem würden die Schmerzmittel Duragesic und Nucynta nur einen Bruchteil der in Oklahoma verschriebenen Opioide ausmachen. Das Unternehmen kündigte Berufung an.

Der Fall gilt als richtungweisend für Tausende weitere Klagen, die von US-Behörden gegen die Hersteller von Opioiden angestrengt wurden. Den Firmen wird vorgeworfen, dem Missbrauch der starken, verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln Vorschub geleistet zu haben.

Dieser Missbrauch kostete vielen Amerikanern das Leben: Zwischen 1999 und 2017 lag die Zahl der Menschen, die in den USA durch eine Opioid-Überdosis gestorben sind, nach Behördenangaben bei fast 400.000. In Oklahoma sind daran nach Angaben der Anwälte seit dem Jahr 2000 rund 6000 Menschen gestorben.

In den USA sind insgesamt fast 2000 Klagen gegen die Hersteller von Medikamenten mit Opiaten anhängig. In Oklahoma hatten zwei andere Pharmakonzerne - Purdue Pharma und Teva - Prozesse durch die Zahlung von 270 Millionen Dollar beziehungsweise 85 Millionen Dollar abgewendet.

mg/rtr, AFP, dpa-afx