Samstag, 18. Januar 2020

Lieferung für Kohlebergwerk in Australien "Siemens, schür keine Feuer" - Kaeser trifft Klimaaktivistin Neubauer

Luisa Neubauer: Die Umweltaktivistin und Mitorganisatorin der Fridays-for-Future-Bewegung trifft sich am Freitag mit Siemens-Chef Joe Kaeser
Michael Kappeler / DPA
Luisa Neubauer: Die Umweltaktivistin und Mitorganisatorin der Fridays-for-Future-Bewegung trifft sich am Freitag mit Siemens-Chef Joe Kaeser

Siemens steht wegen einer Lieferung für ein Kohlebergwerk in Australien in der Kritik. Konzernchef Kaeser hat das Geschäft auf den Prüfstand gestellt. Am Freitag trifft sich Kaeser mit Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer.

Das Ringen um die umstrittene Lieferung einer Siemens -Signalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien geht in die Schlussrunde. Am Freitag demonstriert die Klimaschutzbewegung Fridays for Future vor Büros des Unternehmens in mehreren deutschen Städten - unter anderem ab 12.00 Uhr vor der Konzernzentrale in München. Zudem treffen sich am Freitag Siemens-Chef Joe Kaeser und Luisa Neubauer, Aktivistin bei Fridays for Future. Der Konzern hatte am Donnerstag eine Einladung an die Klimaaktivistin bestätigt.

Hintergrund der Debatte ist ein Auftrag zur Lieferung einer Zugsignalanlage für eine geplante riesige Kohlemine in Australien, den Siemens Börsen-Chart zeigen erhalten hat. Klimaschützer fordern von Siemens, auf das Geschäft zu verzichten.

Nach Protesten hatte Konzernchef Kaeser Mitte Dezember angekündigt, den Auftrag auf den Prüfstand zu stellen. Die Entscheidung könnte noch in dieser Woche fallen, wie aus dem Unternehmensumfeld zu hören ist. Kreisen zufolge hat das Geschäft ein Volumen von rund 20 Millionen Euro.

"Klimaneutralität und Projekte wie Adani-Mine passen nicht zueinander"

Neubauer sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag), dass Siemens Klimaneutralität anstrebe und zugleich das in Australien geplante Großprojekt mit Technik ausrüsten wolle, sei ein eklatanter Widerspruch, der durch nichts zu rechtfertigen sei: "Als Konzern, der verstanden hat - oder vorgibt, zu verstehen, was die menschengemachte Klimakrise bedeutet - ist es nicht zu rechtfertigen, an einem Projekt wie der Adani-Mine festzuhalten."

Auch die stellvertretende Grünen-Chefin Ricarda Lang hat das Geschäft als "absurd" kritisiert. Während die ganze Welt über die Brände in Australien spreche, werde dort "ein riesiger Klimakiller gebaut", sagte sie am Freitag im Fernsehsender n-tv. "Ich erwarte, dass Siemens die Lieferungen einstellt und die Unterstützung für das Projekt zurückzieht."

Von Siemens Börsen-Chart zeigen hieß es zu dem für Freitag geplanten Gespräch: "Wir nehmen das Thema sehr ernst und nehmen uns die notwendige Zeit, unterschiedliche Perspektiven zu hören und zu diskutieren."

Nick Heubeck von Fridays for Future bewertete das Gesprächsangebot des Konzerns und die Chancen, etwas zu bewirken, positiv. "Wir haben so einen massiven Druck in Deutschland und Australien, dass ich mir bei einem Volumen von 20 Millionen Euro gut vorstellen kann, dass Siemens die in unseren Augen vernünftige Entscheidung trifft."

Adani plant eines der größten Kohlebergwerke der Welt

Der indische Industriekonzern Adani will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft.

In Deutschland sind für Freitag laut Heubeck rund 30 Aktionen von Fridays for Future geplant, die allerdings nicht alle einen direkten Bezug zu Siemens haben. Vor Büros des Konzerns soll es ihm zufolge am Freitag unter anderem in München, Erlangen, Augsburg, Erfurt, Konstanz, Kassel, Mannheim und Dortmund Aktionen geben

"Siemens ,schür kein Feuer"

Für Freitag hat Fridays for Future unter der Überschrift "Siemens schür keine Feuer" zu Protesten vor Siemens-Büros in Deutschland aufgerufen. Unter anderem ist in München eine 24-stündige Mahnwache vor der Siemens-Zentrale geplant.

Während der Proteste am Freitag wird Klima-Aktivistin Neubauer mit Siemens-Chef Joe Kaeser sprechen. "Wir nehmen das Thema sehr ernst und nehmen uns die notwendige Zeit, unterschiedliche Perspektiven zu hören und zu diskutieren", sagte ein Siemens-Sprecher. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Proteste gegen den Beitrag des Münchner Konzerns zu dem Milliardenprojekt gegeben. Erst im Dezember hatte sich ein Aktivist von Extinction Rebellion an ein Fenster der Konzernzentrale geklebt.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Mitte Dezember das Thema zur Chefsache gemacht und angekündigt, das Projekt auf den Prüfstand zu stellen. "Ich werde mir die Sache sorgfältig ansehen und mich bald zurückmelden", schrieb Kaeser auf Twitter. Damals ließ er explizit offen, ob Siemens auf den Auftrag verzichten werde.

la/dpa

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