Montag, 9. Dezember 2019

Joe Kaeser Alstom-Chef hat "Deutschland und Siemens entschieden bekämpft"

Siemens-Chef Kaeser: Attacke gegen Alstom-Chef

Der Übernahmekampf ist verloren, jetzt wird abgerechnet. Siemens-Chef Joe Kaeser macht Alstom-Boss Patrick Kron für den gescheiterten Einstieg beim französischen Konzern verantwortlich.

Berlin/Paris - An der Niederlage von Siemens Börsen-Chart zeigen im Bieterwettstreit um Alstom Börsen-Chart zeigen soll Patrick Kron, der Chef des französischen Industriekonzerns, schuld sein. So sieht es jedenfalls der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser: "Wir hatten das eindeutig bessere Angebot in puncto Jobs, Preis und Zukunftsperspektive für die französische und europäische Industrie", sagte Kaeser der "Bild". "Ausschlaggebend war am Ende, dass der Alstom-Chef Deutschland und Siemens entschieden bekämpft hat. Dagegen konnten und wollten wir nichts machen."

Nach wochenlangem Bieterkampf hatte Alstom am Wochenende die milliardenschwere Offerte des US-Rivalen General Electric (GE) Börsen-Chart zeigen zum Kauf der Energiesparte angenommen. Zuvor hatte sich auch die französische Regierung für das GE-Angebot ausgesprochen und zugleich einen Einstieg bei Alstom angekündigt, um sich ein starkes Mitspracherecht zu sichern.

An den Plänen zum Ausbau des Bahngeschäfts will Siemens Kaeser zufolge aber festhalten. "Wir wollten nie unser Bahngeschäft verkaufen, sondern zusammen mit Alstom einen europäischen Champion mit globaler Durchsetzungskraft bauen. Das Ziel bleibt, der Weg dahin wird jetzt ein anderer", so Kaeser. Zugleich wolle er weiter nach Übernahmezielen Ausschau halten: "Natürlich halten wir die Augen weiter offen. Besonders interessant ist und bleibt für uns der amerikanische Markt."

Französischer Staat übernimmt 20 Prozent

Zu Beginn der Übernahmegespräche hatte Siemens angeboten, die Energiesparte von Alstom zu übernehmen und im Gegenzug das Bahngeschäft an die Franzosen abzugeben. In der offiziellen Offerte, die Siemens schließlich zusammen mit dem japanischen Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries (MHI) vorlegte, war davon nicht mehr die Rede. Stattdessen hieß es, es könnten Verhandlungen über eine Zusammenarbeit von Siemens und Alstom im Bahngeschäft aufgenommen werden, um einen "starken und innovativen europäischen Champion" in dem Sektor zu schaffen.

GE-Chef Jeff Immelt hatte die Alstom-Entscheidung am Samstag begrüßt: "Wir kommen nun zur nächsten Phase der Allianz mit Alstom." Es gehe jetzt darum, ein global wettbewerbsfähiges Unternehmen im Energie- und Netzbereich zu schaffen. Zuvor hatte die Spitze des französischen Alstom-Konzerns das Kooperationsangebot des US-Konzerns angenommen. Der Verwaltungsrat habe einstimmig dafür gestimmt, gab das Unternehmen in Paris bekannt.

Gleichzeitig kann der französische Staat mit 20 Prozent größter Aktionär bei Alstom werden. Darauf einigten sich Regierung und Alstom-Großaktionär Bouygues. Dies war eine mehrfach bekräftigte Bedingung der Regierung für ihre Zustimmung zum GE-Angebot.

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