Montag, 21. Oktober 2019

Interview mit Bayer-Chef Werner Baumann "Eine außergewöhnliche Möglichkeit"

Traut sich was: Bayer-Chef Werner Baumann

Bayers Kauf von Monsanto ist in praktisch sämtlichen Belangen ein historischer Deal - für den Traditionskonzern genauso wie für die deutsche Industrie. Bayer-Chef Werner Baumann verkündete ihn am Mittwoch in New York und erklärte ihn danach der Weltfinanzgemeinde in einer dichten Taktung von Gesprächen. Am frühen Nachmittag Ortszeit, 20.30 Uhr Hamburger Zeit, nahm er sich Zeit für ein Interview mit manager-magazin.de - unmittelbar bevor er zum Monsanto-Sitz nach St. Louis aufbrach:

manager-magazin.de: Herr Baumann, Glückwunsch zum Kauf von Monsanto. Aber würden Sie als versierter Sammler ein Auto kaufen, wenn Sie nur kurz unter die Motorhaube schauen konnten?

Werner Baumann: Es hängt sehr davon ab, ob ich dem Verkäufer vertrauen kann. Dann reicht auch ein kurzer, dafür aber sehr fachmännischer Blick unter die Motorhaube.

mm.de: Für Monsanto geben Sie 66 Milliarden Dollar aus, ohne die Bücher in Gänze studiert zu haben. Können Sie ausschließen, etwas Wichtiges übersehen zu haben?

Baumann: Bei einer Organisation mit 22000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 15 Milliarden Dollar kann keiner garantieren, alle möglichen Risiken genau erkannt und bewertet zu haben. Ich will Ihnen aber auch sagen, dass wir in einer für eine öffentliche Übernahme ungewöhnlich detaillierten Due Diligence sehr tiefe Einblicke gewinnen konnten. Sie wurden begleitet von einer außergewöhnlich konstruktiven Unterstützung durch das Monsanto-Management. Wir haben ein gutes Gefühl, die wesentlichen Chancen und Risiken einschätzen zu können.

mm.de: Sie beziffern die Kostensynergien auf 1,2 Milliarden Dollar jährlich nach drei Jahren, das sind rund 5 Prozent vom Umsatz des fusionierten Unternehmens, ein sehr ehrgeiziges Ziel. Wie viele Arbeitsplätze müssen Sie dafür abbauen?

Baumann: Wir haben für unser Angebot mit Annahmen gearbeitet, die wir in der Due Diligence im Wesentlichen bestätigt sehen. Das haben wir aber nicht in Arbeitsplätze umgerechnet. Was uns aber bei der Erreichung unseres Zieles helfen wird ist, dass die Unternehmen sich sehr gut ergänzen. Wir streben eine wachstumsgetriebene und keine von Kostensynergien getriebene Verbindung an.

mm.de: Es stehen nur 300 Millionen an Ertragssynergien, aber 1,2 Milliarden Dollar an Kostensynergien in Ihrer Präsentation. Das ist schon ein Wort.

Baumann: Ja, absolut. Das ist ein ambitioniertes Ziel. Ein Beispiel möchte ich Ihnen geben: Die Kostensynergien werden unter anderem aus dem Geschäft außerhalb von Nord- und Lateinamerika kommen, wo die Organisation von Monsanto schwächer ist als die von Bayer. Darüber hinaus werden wir bessere Konditionen im Einkauf bekommen, und auch in der Forschung und Entwicklung werden wir das eine oder andere konsolidieren können.

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