Montag, 22. April 2019

Vorstand und Aufsichtsrat verweigern Verkauf von Aktien Wie sich die Innogy-Spitze Eon widersetzt

Eon-Chef Johannes Teyssen (l.) und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz bei der Ankündigung ihres Deals am 13. März 2018 in Essen.

Oberflächlich haben Vorstand und Aufsichtsrat des Ökostrom-Anbieters Innogy den mächtigen kapitalstarken Energie-Koloss RWE und Eon die ganz große Schmach erspart. Deren Plan: RWE, die knapp 77 Prozent an Innogy hält, soll das ganze Aktienpaket an Eon verkaufen, auf dass der Rivale dann Innogy zerlegt und zum Teil wieder an RWE zurückgibt. Übrig bleiben sollen zwei aufgehübschte Großkonzerne und ein Ex-Hoffnungsträger, der erst vor wenigen Monaten an die Börse gegangen war.

Das Ganze hatten Eon-Chef Johannes Teyssen und sein RWE-Kollege Rolf Martin Schmitz holzschnittartig über den Jahreswechsel festgelegt und Ende April bekannt gegeben, was Eon denn für eine Innogy-Aktie bis zum 6. Juli zu zahlen bereit ist: 38,40 Euro.

Weitere Details: nur ganz wenige.

An Tigges und seinen Kollegen war es nun, gegenüber ihren eigenen Aktionären eine Empfehlung abzugeben: Angebot annehmen und Aktie verkaufen oder ablehnen und Aktie behalten?

Für Eon-Chef Teyssen ist es extrem wichtig, wie sich Tigges und seine Kollegen positionieren: Die 77 Prozent an Innogy hat er zwar sicher - von RWE. Um aber seine Zerschlagungs- und Neuordnungspläne mit Innogy umsetzen zu können, braucht er 95 Prozent. Und die sollen ihm die Innogy-Aktionäre jetzt gleich im ersten Schritt schön brav abliefern. Jedes weitere Angebot, so Teyssens Kalkül, würde teurer werden.

Wie also würde Tigges entscheiden? Weil viele der Innogy-Spitzenkräfte eine lukrative Position bei RWE innehatten, innehaben oder innehaben wollen, schien die Sache klar. Das wird schon durchgewunken werden.

Innogy-Chef Uwe Tigges.

Formal ist ein Kompromiss dabei herausgekommen: Dem flüchtigen Leser (und Kleinaktionär) teilten Aufsichtsrat und Vorstand von Innogy in ihrer"gemeinsamen begründeten Stellungnahme" mit, auf eine Empfehlung zu verzichten. Eon und RWE seien einfach zu viele Details schuldig geblieben. Die genauen Pläne seien Geheimsache und deswegen schwer zu bewerten. Der Preis erscheine zwar auf den ersten Blick angemessen, erklärte Innogy. "Werden jedoch die weitreichenden Tauschgeschäfte zwischen E.ON und RWE in die Überlegungen einbezogen, können Vorstand und Aufsichtsrat die Angemessenheit des Angebots für die Minderheitsaktionäre nicht abschließend beurteilen."

Persönlich aber positionierten sie sich eindeutig, wie sich in dem Dokument weiter hinten nachlesen lässt: Auf der Seite 87 etwa dokumentieren die drei der sechs Innogy-Vorstände, die Aktien am eigenen Unternehmen halten, ihre persönliche Ablehnung: "Herr Uwe Tigges, Dr. Hans Bünting und Herr Arno Hahn beabsichtigen derzeit, das Angebot der Bieterin mit allen von ihnen jeweils gehaltenen innogy Aktien nicht anzunehmen", steht da.

Genauso geschlossen steht der Aufsichtsrat: "Sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrats, die innogy Aktien halten (Herr Ulrich Grillo, Frau Maria van der Hoeven, Herr Michael Kleinemeier, Frau Martina Koederitz, Frau Monika Krebber, Herr Robert Leyland, Frau Meike Neuhaus, Herr Dr. Rolf Pohlig, Herr René Pöhls, Herr Pascal van Rijsewijk, Frau Gabriele Sassenberg, Herr Dr. Dieter Steinkamp, Herr Marc Tüngler, Frau Sarka Vojikovà und Frau Deborah B. Wilkens), beabsichtigen derzeit das Angebot der Bieterin mit allen von ihnen gehaltenen innogy Aktien nicht anzunehmen.

Nach aktueller Lage der Dinge kommt Eons Übernahmeplan für Innogy damit einer feindlichen Übernahme schon sehr nahe. Aber das hat RWE-Chef Schmitz und Eon-Vormann Teyssen bislang auch noch nicht gestört.

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