Infineon Selbstbewusst wie selten

Die Wette ist aufgegangen: Reinhard Ploss, Infineon-Chef seit Herbst letzten Jahres, hat mit seiner Strategie des Überwinterns offenbar richtig gelegen. Der Halbleitermarkt erholt sich schneller als gedacht, und Infineon ist selbstbewusst wie selten.
Von Cornelia Knust
Infineon-Chef Ploss (Mitte; mit Dominik Asam und Arunjai Mittal): "Wir sind jetzt am sehr oberen Rand des oberen Randes".

Infineon-Chef Ploss (Mitte; mit Dominik Asam und Arunjai Mittal): "Wir sind jetzt am sehr oberen Rand des oberen Randes".

Foto: DPA

München - Es war eine Telefonkonferenz, deshalb konnte man das zufriedene Gesicht des Vorstandschefs nicht sehen. Doch die Stimme von Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon , vibrierte förmlich vor Stolz.

Sein erstes Amtsjahr, das mit einer Gewinnwarnung begann und mit ernsten Zweifeln des Kapitalmarkts an den zahmen Sparmaßnahmen im Unternehmen, beendet der 58 Jahre alte Ingenieur aus Bamberg furios. Der Umsatz soll nun doch kaum zurückgehen, die Ergebnismarge fast 10 Prozent erreichen. Mit Blick auf den bislang geltenden Prognosekorridor sagt er: "Wir sind jetzt am sehr oberen Rand des oberen Randes".

Aktie schwankt stark

Dass er als Quittung von der Börse - nach einer morgendlichen Hausse - einen Kursrückgang von 4 Prozent bekam, dürfte Ploss nicht besonders bekümmern. Seit Oktober 2012 ist der Kurs von fünf auf über sieben Euro geklettert. Und die guten Ergebnisse des Chipherstellers Texas Instruments in der vergangenen Woche hatten der Infineon-Aktie schon einen Aufschwung beschert.

Außerdem ist Ploss Techniker und Überzeugungstäter. Bisher eher spröde im Auftritt kann er jetzt beherzt Sätze sagen wie: "Infineon hat sich gut erholt und ist wieder gewachsen". "Infineon hat sich gut geschlagen". "Infineon war auch im Abschwung profitabel".

"Wir haben Kosten gesenkt, ohne die Reaktionsgeschwindigkeit einzuschränken", macht Ploss noch einmal die Strategie der vergangenen Monate deutlich. Von Kurzarbeit und Sparmaßnahmen ist jetzt nicht mehr die Rede. Die zwischenzeitlich gebeutelte Infrastruktursparte ist im dritten Quartal, über das heute berichtet wurde, wieder klar in der Gewinnzone.

Investitionen steigen wieder

Alle vier Geschäftsfelder zeigen Zuwächse. Die große Sparte Automotive muss also nicht mehr ganz allein den Konzern über den Berg bringen. Und der Free-Cash-Flow hat sich gegenüber dem zweiten Quartal deutlich von 73 auf 135 Millionen Euro verbessert. Im vergangenen Geschäftsjahr (30.September) war er noch negativ.

Die vorübergehend gemäßigten Investitionen sollen jetzt wieder hochgefahren werden: mittelfristig auf 15 Prozent des Umsatzes, wie Finanzchef Dominik Asam sagte. Von einer Auslastung der Kapazitäten sei man "gar nicht so weit entfernt", begründete Ploss die Pläne. Die eingemotteten Fertigungsstandorte für die 300-Millimeter-Scheiben können also hochlaufen. Wenn sie einen bedeutenden Anteil an der Fertigung erreichen, soll die versprochene Marge von 15 Prozent quer über den Marktzyklus möglich werden.

Eher Akquisition statt Aktienrückkauf

Erstaunlich gut laufen die Geschäfte in Asien. Auf die Region entfällt jetzt fast die Hälfte des Infineon-Umsatzes. Von der trüben Konjunktur in China - der Markt steuert 20 Prozent Umsatzanteil bei - merke man noch nicht viel, sagte Marketing-Vorstand Arunjai Mittal. Hier waren Leistungshalbleiter für Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien besonders gefragt.

Zu den Aussichten für 2013/14 hielt sich der Infineon-Vorstand noch bedeckt, was auch einige Analysten beklagten. "Makroökonomisch weiß keiner so genau, wohin es geht", sagte Ploss, was eher vorsichtig klang. Gleichzeitig erteilte Finanzchef Asam Plänen für einen weiteren Aktienrückkauf eine Absage. Man wolle sich die Flexibilität für eine mögliche Akquisition erhalten. Das wiederum klang eher aggressiv. Selten hat man Infineon so selbstbewusst erlebt.

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