"Vorgezogenes Weihnachtsgeschenk" Auftragsbücher der Industrie voller als vor der Krise

Chinas Boom zieht die deutsche Industrie aus dem Corona-Tief. Die Aufträge wachsen so schnell, dass die Einbrüche inzwischen schon mehr als ausgeglichen sind.
Boomsignal: Die Industrie kann sich von der Krise der Servicewirtschaft abkoppeln

Boomsignal: Die Industrie kann sich von der Krise der Servicewirtschaft abkoppeln

Foto: Ole Spata / picture alliance/dpa

Die Auftragsbücher der deutschen Industrie haben sich im Oktober den sechsten Monat in Folge gefüllt und sind damit dicker als vor Krisenbeginn. Die Bestellungen wuchsen wegen der guten Nachfrage aus dem Inland und aus Übersee um 2,9 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet. Im September hatte es einen Zuwachs von revidiert 1,1 (bisher: 0,5) Prozent gegeben. Durch die Aufholjagd ist das Vorkrisenniveau inzwischen leicht übertroffen worden: Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, liegen die Bestellungen um 0,8 Prozent höher.

"Das ist ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Die Daten machen Hoffnung, dass die Wachstumsrückgänge im laufenden Quartal nicht ganz so stark ausfallen werden." Zentral dafür sei jetzt, dass die Produktion von der günstigen Auftragslage stärker angetrieben werde, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Der Knoten sitzt hier aber recht fest", warnte er. "Die fortgeschrittene Konjunkturerholung in China sorgt zwar für reichlich Unterstützung, sie allein kann den Knoten jedoch nicht lösen." Da die Lockdownmaßnahmen noch mindestens bis Anfang Januar anhalten werden, bleibe die produktionsseitige Abarbeitung eingeschränkt.

Die Aufträge aus Deutschland legten im Oktober um 2,4 Prozent zu, die aus dem Ausland sogar um 3,2 Prozent. Dabei nahmen die Bestellungen aus der Eurozone um 0,5 Prozent zu, die aus dem restlichen Ausland um 4,8 Prozent. "In den zurückliegenden Monaten hat sich die Nachfrage nach Industriegütern sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland weiter belebt", fasste das Ministerium zusammen.

Das Bruttoinlandsprodukt ist im Sommerquartal im Rekordtempo von 8,5 Prozent gewachsen, nachdem es im Frühjahr wegen der Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie mit 9,8 Prozent so stark gefallen war wie noch nie. Im laufenden vierten Quartal rechnen viele Experten mit einem Minus, da seit November neue Corona-Beschränkungen in Deutschland gelten.

ak/Reuters
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