Tarifkonflikt IG Metall beginnt mit Warnstreiks

Nach drei ergebnislosen Verhandlungsrunden greift die IG Metall zum Mittel des Warnstreiks. Betroffen von den Arbeitsniederlegungen sind unter anderem Thyssenkrupp, ZF Friedrichshafen und Miele.
"Völlig inakzeptabel": Die IG Metall hat das Angebot der Arbeitgeber abgelehnt, erste Mitarbeiter legen nun die Arbeit nieder (Archivbild)

"Völlig inakzeptabel": Die IG Metall hat das Angebot der Arbeitgeber abgelehnt, erste Mitarbeiter legen nun die Arbeit nieder (Archivbild)

Foto: Anne-Sophie Galli/ dpa

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall in der Nacht zum Samstag mit den ersten Warnstreiks begonnen. Beschäftigte legten in ausgewählten Betrieben die Arbeit nieder, wie Gewerkschafter vor Ort berichten. In Hannover versammelten sich laut IG Metall mehr als 150 Beschäftigte zum Auftakt vor den Toren der Clarios Varta Hannover Werke.

Das Angebot der Arbeitgeber mit einer Summe von 3000 Euro netto über 30 Monate Laufzeit sei aus Sicht der Gewerkschaft völlig inakzeptabel, erklärten am Freitag weitere IG-Metall-Bezirkschefs. "Mit einem solch miesen Angebot um die Ecke zu kommen, ist schon eine Provokation in Reinform", sagte Thorsten Gröger, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall (IGM) in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. "Jetzt werden wir mit ersten Warnstreiks den Druck erhöhen, mit dem Ziel, in der nächsten Verhandlung ein besseres Angebot auf den Tisch zu bekommen", kündigte Johann Horn an, Gewerkschaftschef in Bayern.

Die Gewerkschaft fordert für die 3,8 Millionen Beschäftigten des größten deutschen Industriezweigs 8 Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit. Sie begründete die Forderung mit der hohen Inflationsrate und einer guten Ertragslage bei der Mehrheit der Unternehmen. Die Arbeitgeber wiesen die Forderung als überzogen zurück, da die Branche wie die Gesamtwirtschaft vor einer Rezession stehe und kaum finanziellen Spielraum habe.

Als "fair und angesichts der extrem angespannten Wirtschaftslage angemessen", bezeichnete der stellvertretende Verhandlungsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW), Egbert Neuhaus, das Angebot der Arbeitgeber. Es sei ein Vorschlag, auf dessen Grundlage nun zügig mit dem Ziel einer raschen Einigung weiterverhandelt werden könne.

Der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler, sprach dagegen von "verschenkter Zeit". "Die 3000 Euro können den Menschen helfen. Sie sind bei der aktuellen Preisentwicklung aber auch schnell weg." Nötig sei eine dauerhaft wirksame Erhöhung der Entgelte. "Dazu kam aber heute nichts. Dieses Angebot ist damit eine Aufforderung zu Warnstreiks."

Warnstreiks bei Thyssenkrupp, Miele und ZF Friedrichshafen

Beschäftigte wollen etwa bei Thyssenkrupp in Andernach und Hagen, bei Miele in Bielefeld, bei ZF Friedrichshafen in Saarbrücken oder bei Mahle-Behr in Neustadt an der Donau zeitweise die Arbeit niederlegen. Bei Bosch in Bamberg und Siemens Healthineers in Kemnath werde die Nachtschicht früher beendet, erklärte die Gewerkschaft weiter. Der IG-Metall-Bezirk Küste bestreikt in Hamburg, Kiel und Itzehoe jeweils ein Unternehmen in der Nacht. In Baden-Württemberg ruft die IG Metall ihre Mitglieder auf, sich in der Nacht zum Samstag mit Fackeln um die Feuertonne vor den Toren von Kolbenschmidt in Neckarsulm zu versammeln.

Ab der nächsten Woche sollen die Warnstreiks bundesweit Fahrt aufnehmen. Weitere Arbeitsniederlegungen seien für die nächsten zwei, drei Wochen geplant, erklärte der baden-württembergische IGM-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger, der die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall führt. Er rechne noch nicht mit einem Abschluss in der am 8. November stattfindenden vierten Verhandlungsrunde, hoffe aber auf eine Einigung Mitte des Monats. Sonst werde der Druck von der Gewerkschaftsbasis so stark, dass es nach den Warnstreiks schnell zu Urabstimmung und unbefristetem Ausstand kommen könne.

Ohne eine prozentuale, dauerhaft wirksame Lohnerhöhung über die angebotene Pauschale von 3000 Euro Inflationsprämie hinaus geht es aus Sicht von Zitzelsberger aber nicht. Eine längere Laufzeit als die von der IG Metall geforderten zwölf Monate sei möglich. Von diesem Zugeständnis machte Südwestmetall zuletzt abhängig, eine prozentuale Erhöhung anzubieten.

mg/Reuters
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