Gebeutelte Modebranche Hugo Boss kämpft, doch der Spargürtel hält

Hugo Boss: Zum Abhängen bietet die Situation wahrlich keinen Anlass

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Hugo Boss ringt mit der Krise im Textileinzelhandel. Gewinneinbußen machen dem schwäbischen Modekonzern zu schaffen. Allerdings kommt der neue Firmenchef und ehemalige Finanzvorstand Mark Langer mit seinem Sparprogramm schneller voran als erwartet. In diesem Jahr kämen 65 Millionen Euro zusammen, 15 Millionen mehr als geplant, sagte er am Mittwoch. "Damit liegen wir bei allen Maßnahmen, mit denen wir unser Ergebnis im laufenden Jahr absichern, voll im Plan oder sogar darüber." Jetzt gelte es, Boss wieder auf "einen nachhaltigen Wachstumspfad auszurichten." Wie er das erreichen will, ließ er offen und verwies auf den Investorentag am 16. November.

Im dritten Quartal verdiente der schwäbische Herren- und Damenausstatter erneut weniger. Das operative Ergebnis (Ebitda) vor Sondereffekten ging um 14 Prozent auf 145 Millionen Euro zurück. Als Grund nannte Langer Umsatzeinbußen vor allem in Amerika und Europa. "Die Stimmung in der Modebranche hat sich nicht aufgehellt (...) in Europa und Deutschland ist das Klima sogar etwas trüber geworden." Besonders schmerzhaft dürfte der Rückgang von zehn Prozent im Deutschland-Geschäft gewesen sein, das immerhin 15 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht. "Auch wir können uns dem extrem schwierigen Marktumfeld in Deutschland nicht entziehen", betonte der Boss-Chef. In dem seit längerem schwächelnden China-Geschäft sieht der Manager aber eine Trendwende. Die Kundenfrequenz in den Läden in China habe wieder zugenommen und zumindest auf vergleichbarer Fläche habe Boss erstmals seit längerem dort wieder zugelegt. Insgesamt schrumpfte der Konzernumsatz im dritten Quartal um sechs Prozent auf 703 Millionen Euro.

Die Anleger hatten Schlimmeres erwartet und griffen zu. Die Aktie notierte zeitweise acht Prozent im Plus bei 61,20 Euro und setzte sich an die Spitze des MDax. Das Ergebnis habe leicht über den Erwartungen gelegen, kommentierte Herbert Sturm von der DZ Bank.

Langer bekräftigte seine bereits reduzierten Jahresziele, die ein Umsatzminus von bis zu zehn Prozent vorsehen und einen Rückgang des Ebitda vor Sondereffekten von 17 bis 23 Prozent. 2015 verbuchte Boss ein Ebitda von 594 Millionen Euro, der Umsatz erreichte 2,8 Milliarden Euro.

Langer hatte nach dem überraschenden Abgang von Firmenchef Claus-Dietrich Lahrs im Februar übergangsweise die Verantwortung übernommen, bevor er im Mai endgültig an die Boss-Spitze rückte. Er kündigte umgehend an, angesichts der schrumpfenden Gewinne auf die Kostenbremse zu treten. Der ehemalige McKinsey-Mann verordnete Boss ein Restrukturierungsprogramm, das neben der Schließung von Läden und den Ausstieg aus dem Großhandel in den USA eine langsamere Expansion vorsieht. Zuletzt brach er zudem mit der Strategie seines Vorgängers und verabschiedete sich vom Luxusmarkt. "Wir sind und bleiben eine gehobene Premium-Marke."

got/reuters