Dienstag, 15. Oktober 2019

Folgen der US-Sanktionen Huawei erwartet 30 Milliarden weniger Umsatz

Huawei: Wegen US-Sanktionen Umsatzrückgang erwartet
Jason Lee/ REUTERS
Huawei: Wegen US-Sanktionen Umsatzrückgang erwartet

Der chinesische Telekom-Riese Huawei stellt sich wegen der US-Sanktionen gegen das Unternehmen auf einen kräftigen Rückgang der Geschäfte ein. Die Erlöse würden in diesem und im nächsten Jahr bei rund 100 Milliarden Dollar liegen, sagte Konzernchef Ren Zhengfei am Montag auf einer Pressekonferenz in der Firmenzentrale in Shenzen. Damit liegen die Erwartungen nunmehr bei etwa 30 Milliarden unter der Prognose. Er erwarte eine Erholung des Geschäfts im Jahr 2021.

Der Umsatz des Konzerns hatte im vergangenen Jahr noch deutlich um 19,5 Prozent auf rund 95 Milliarden Euro zugelegt. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 25 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Euro.

DieUSA hatten Huawei im Mai auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Trump begründete seine Schritte mit Sicherheitsbedenken gegen Technik aus China. Da die Vorwürfe bislang nicht konkret belegt wurden, sehen viele Experten die Sanktionen im Kontext des Handelskonflikts zwischen den USA und China.

Allein das internationale Smartphone-Geschäft werde in diesem Jahr um 40 Prozent schrumpfen, hieß es weiter. Doch Ren Zhengfei gab sich kämpferisch: Huawei werde in ein paar Jahren gestärkt aus seinen Schwierigkeiten hervorgehen, sagte er: "Ich denke, wir können auf keinen Fall zu Tode geprügelt werden."

Für Huawei wird die Luft durch die Einschränkungen jedoch dünner. US-Chiphersteller, die wichtige Zulieferer sind, können kaum noch Geschäfte mit den Chinesen machen. Zudem erschweren die US-Maßnahmen für Huawei den Zugang zum Google-System Android. Die Chinesen hatte deshalb angekündigt, ein eigenes Betriebssystem für Smartphones auf den Weg bringen zu wollen.

Ren Zhengfei sagte weiter, er habe nicht erwartet, dass die US-Regierung solche "extremen Maßnahmen" und "ein breites Spektrum von Maßnahmen" gegen Huawei ergreifen werde, einschließlich der Einschränkung der Zusammenarbeit des Unternehmens mit US-Universitäten.

Huawei-Gründer und CEO Ren Zhengfei
FABRICE COFFRINI / AFP
Huawei-Gründer und CEO Ren Zhengfei

Huawei ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter nach Samsung und spielt als großer Netzwerkausrüster eine wichtige Rolle beim Start des superschnellen 5G-Mobilfunks. Mit der Begründung, dass Huawei für Peking spionieren könnte, macht Washington Druck auf andere westliche Länder, keine Huawei-Technik beim 5G-Ausbau zu verwenden. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Trotz der Krise werde Huawei seine Mitarbeiterzahl nicht wesentlich reduzieren, versicherte Huawei-Gründer Ren Zhengfei. Eine "Geschäftskonsolidierung" sei aber im Gange. Zuletzt hatte Huawei gerade laut Bloomberg die Einführung neuer Smartphone-Modelle in Frage gestellt. Am 21. Juni soll das Honor 20 in Europa auf den Markt kommen. Angeblich will Huawei die Lieferung stoppen, starte der Verkauf schleppend. Verschoben ist auch der Start des Smartphone mit klappbaren Bildschirm, dem Mate X.

Geplant ist derweil laut Medienberichten seine Beteiligung an Huawei Marine, eine auf Seekabel spezialisierte Sparte, zu verkaufen. Unter Berufung auf eine Börsenmitteilung berichtete Reuters, dass das chinesische Unternehmen Hengtong Optic-Electric den Bereich übernehmen wolle. Huawei hält den Berichten zufolge 51 Prozent an dem mit dem britischen Unternehmen Marine gegründeten Joint Venture.

dpa/rtr/afp/akn

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