Freitag, 18. Oktober 2019

Sanktionen gegen Huawei ARM, Panasonic und Vodafone gehen auf Distanz

ARM und Panasonic legen Zusammenarbeit mit Huawei auf Eis
Ng Han Guan/AP
ARM und Panasonic legen Zusammenarbeit mit Huawei auf Eis

Die US-Sanktionen gegen den chinesischen Konzern Huawei ziehen immer weitere Kreise. Nach und nach legen Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit Huawei auf Eis. Den Anfang machten Aufsehen erregend Google Börsen-Chart zeigen und Infineon Börsen-Chart zeigen, nun folgen der Chiphersteller ARM und der japanische Elektronikkonzern Panasonic Börsen-Chart zeigen. Man müsse die "Transaktion mit Huawei" und seinen 68 angeschlossenen Firmen, die von den Sanktionen der US-Regierung betroffen sind, "suspendieren", teilte Panasonic am Donnerstag in einer kurzen Stellungnahme mit. Geprüft wird, welche Produkte im einzelnen unter die US-Sanktionen fallen könnten.

Neben Panasonic legten auch japanische Mobilfunkbetreiber den Verkauf neuer Huawei-Geräte auf Eis oder wollen keine neuen Aufträge mehr annehmen - aus Sorge, dass Google-Dienste wie Android für den chinesischen Konzern nicht mehr zur Verfügung stellen könnte. Angesichts der Sorgen über die Folgen der Sanktionen gegen Huawei für japanische Zulieferer gab Tokios Börse am Donnerstag nach. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 0,6 Prozent auf 21.151,14 Punkte ein.

Auch in Großbritannien stellte der Mobilfunkriese EE die Zusammenarbeit mit Huawei in Frage. Der Start seines 5G-Netzes, der für Ende Mai vorgesehen ist, wird zunächst ohne Huawei-Geräte vollzogen. EE, seines Zeichen Marktführer in Großbritannien, hatte ursprünglich angekündigt, das Smartphone Huawei Mate 20 X nach Großbritannien zu bringen. Nun müsse aber zunächst die Service-Sicherheit geprüft werden. Ähnlich will auch der weltweit zweitgrößte Mobilfunkanbieter Vodafone in Großbritannien vorgehen. Vodafone plant dort den Start seines 5G-Angebots im Juli. Vorbestellungen für das Huawei Mate 20X würden zunächst ausgesetzt, hieß es am Mittwoch.

Huawei treffen wird jedoch besonders die Ankündigung vom Mittwoch, dass der britischen Chiphersteller ARM jegliche Zusammenarbeit mit Huawei einstellt. ARM gehört zum Reich des japanischen Technologiekonzern Softbank Börsen-Chart zeigen. Die Chip-Architekturen von ARM bilden die Basis der Prozessoren in nahezu allen heutigen Smartphones und Tablets - auch bei Huaweis Chips aus eigener Entwicklung.

ARM habe seine Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Chip-Designs von ARM auch aus den USA stammende Technologie enthielten und deshalb alle Geschäfte mit Huawei eingestellt werden müssten, berichtete der britische Sender BBC am Mittwoch. Ohne eine Zusammenarbeit mit ARM dürfte Huawei das Smartphone-Geschäft außerhalb des chinesischen Heimatmarktes jedoch vergessen können, urteilen Experten.

Schwarze Liste

Die USA hatten Huawei vergangene Woche auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer künftig US-Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss eine Lizenz erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

Anfang der Woche lockerte US-Präsident Donald Trump zwar die Maßnahmen für 90 Tage, um vor allem die weitere Versorgung bereits ausgelieferter Smartphones sowie der Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik in ländlichen Regionen in den USA sicherzustellen. Doch die Sanktionen setzen Huawei erheblich unter Druck. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt und auch ein führender Netzwerkausrüster.


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Huawei kündigte mittlerweile an, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln und es spätestens zum nächsten Frühjahr einsatzbereit haben. Es solle auf Smartphones, Computern, Tablets, Fernsehern, in Autos und tragbaren Geräten laufen und mit Android-Apps kompatibel sein, kündigte der Chef der Huawei-Verbrauchersparte, Yu Chengdong, laut "Phoenix News" vom Mittwoch an. Die Software könne auch schon im Herbst fertig sein. Bislang arbeitet Huawei mit Googles Android, nach der Ankündigung Google, den Support einzustellen sucht der chinesische Konzern nach Auswegen.

China legt Beschwerde ein

Huawei wird von US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die USA drängen auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den künftigen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Huawei wies die US-Vorwürfe stets zurück. Mehrere Länder haben mittlerweile entschieden, das 5G-Mobilfunknetz ohne Huawei aufbauen zu wollen. Andere wie beispielsweise Spanien wollen die Huawei-Technologie hingegen zulassen.

China hat mittlerweile offiziell Beschwerde bei den USA über die Behandlung des Huawei-Konzerns eingelegt. Der Sprecher des Handelsministeriums in Peking sprach am Donnerstag von "wirtschaftlicher Schikane" seitens der USA. Die beste Antwort der chinesischen Firmen darauf sei es, "weiter zu wachsen". Peking habe offiziellen Protest in Washington eingelegt, hieß es am Donnerstag.

dpa/rtr/AFP/akn

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