Donnerstag, 22. August 2019

Anhaltende Proteste in Hongkong Chefwechsel bei Cathay Pacific wird zum Politikum

Der bisherige Cathay Pacifics-CEO Rupert Hogg tritt ab

Die Unruhen in Hongkong beginnen sich zunehmend auch auf die Wirtschaft auszuwirken. Der Chef der Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific, Rupert Hogg, ist am Freitag vor dem Hintergrund der Anti-Regierungsproteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone überraschend zurückgetreten. Die Airline, die zu 30 Prozent Air China gehört und wegen ihrer engen britischen Verbindungen als Symbol der kolonialen Vergangenheit Hongkongs gilt, war in die Kritik geraten, nachdem einige ihrer Angestellten sich an den Demonstrationen beteiligt hatten.

Der Cathay-Verwaltungsratschef John Slosar erklärte, die jüngsten Ereignisse hätten den Ruf und die Marke der Fluggesellschaft unter Druck gebracht sowie deren Verpflichtung zur Sicherheit. Dies sei bedauerlich. Es sei daher an der Zeit, ein neues Management einzusetzen, das Vertrauen wiederherstellen könne. Cathay Pacific bedient 200 Destinationen in Asien, Europa und Amerika. Das Unternehmen zählt derzeit 33.000 Mitarbeiter. Zur Cathay Pacific Group gehören auch die Airlines Dragonair, Air Hong Kong und HK Express.

In Hongkong droht die erste Rezession seit mehr als einem Jahrzehnt

Der plötzliche Rücktritt von Rupert Hogg signalisiert, dass Unternehmen in Hongkong unter Druck geraten, die Führung in Peking zu unterstützen. Die Proteste in der Wirtschaftsmetropole halten seit zehn Wochen an. Die Demonstranten werfen der Hongkonger Regierung eine zu große Nähe zur kommunistischen Führung in Peking vor. Hongkong ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone, in der die Einwohner größere persönliche Freiheiten genießen als in der Volksrepublik. In der ehemaligen britischen Kronkolonie sind einige international tätige Großkonzerne beheimatet.

Angesichts der anhaltenden Unruhen droht in Hongkong die erste Rezession seit mehr als einem Jahrzehnt. Viele Touristen meiden das beliebte Shopping-Ziel wegen der Unruhen, während Einzelhändler bereits empfindliche Umsatzeinbußen beklagen. Von April bis Juni schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Hongkong um 0,4 Prozent zum Vorquartal. Im laufenden Sommerquartal könnten die seit zehn Wochen anhaltenden Proteste der Demokratiebewegung die Wirtschaft erneut schrumpfen lassen. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession. "Die jüngsten Vorfälle werden, wenn sie andauern, zu erheblichen Störungen bei Tourismus und konsumbezogenen Wirtschaftsaktivitäten führen, die wirtschaftliche Stimmung weiter dämpfen und sogar den Ruf Hongkongs als internationales Finanz- und Geschäftszentrum schädigen", sagte Regierungsökonom Andrew Au.

Regierung setzt auf milliardenschweres Konjunkturpaket

Die Beratungsfirma Capital Economis rechnet im laufenden Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um ein Prozent. "Im Extremfall einer militärischen Intervention durch das Festland würde die Wirtschaft Hongkongs vor einem tiefen Einbruch stehen", heißt es in einer Analyse für Kunden mit Blick auf eine mögliche Niederschlagung der Proteste durch China. "Aber selbst wenn dies nicht eintritt, könnte die wachsende Bedrohung durch solche Maßnahmen ausreichen, um eine Kapitalflucht auszulösen." Die Regierung von Hongkong stemmt sich mit einem Konjunkturpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Proteste. Mit den Hilfen über umgerechnet 2,2 Milliarden Euro sollen auch die Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China abgefedert werden.

Im Fall von Behörde hatte Cathay Pacific dazu aufgefordert, keine Piloten und Flugbegleiter mehr auf Flüge auf das chinesische Festland zu lassen, die sich an "illegalen Protesten" beteiligt hätten. Vor jedem Flug müsste zudem eine Liste mit Besatzungsmitgliedern vorgelegt und genehmigt werden. In der Folge feuerte die Fluggesellschaft zwei Piloten und zwei Flughafenangestellte wegen ihrer Beteiligung an Protestaktionen und anderer Zwischenfälle, berichtete die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Neben Hogg wurde am Freitag mit Ronald Lam auch ein zweiter hochrangiger Manager ausgewechselt. Neuer Chef der Fluglinie wird Augustus Tang.


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mit dpa-afx/rtr

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