Rekord-Holzpreise und Holzknappheit Diese unbekannten Riesen profitieren vom Holzpreisboom

Steigende Holzpreise machen deutschen Do-it-yourself-Fans und Handwerkern zu schaffen. Als Preistreiber treten die USA auf. Die Hauptprofiteure in der EU finden sich aber nicht unter deutschen Sägewerksbetreibern – sondern hoch oben im Norden.
Schnittholz ist das neue Gold: Von den starken Preissteigerungen profitieren die skandinavischen Forstriesen Stora Enso und SCA derzeit besonders

Schnittholz ist das neue Gold: Von den starken Preissteigerungen profitieren die skandinavischen Forstriesen Stora Enso und SCA derzeit besonders

Foto: Bloomberg Creative / Getty Images/Bloomberg Creative Photos

Bislang war es eher die Ausnahme als die Regel, dass deutsche Häuslebauer direkt mit den Kalamitäten der Weltmärkte konfrontiert waren. Gut, die Havarie des Containerschiffs "Ever Given" im Suezkanal ließ vor einigen Wochen in manchen Baumärkten Plastikteile knapp werden. Das mag beim einen oder anderen Neuimmobilien-Errichter für Verzögerungen gesorgt haben. Den Hausbau als solches hat dies aber kaum in Frage gestellt.

Bei einem wichtigen Rohstoff ist das allerdings anders: Bauholz ist aktuell nicht nur vergleichsweise knapp in Deutschland, sein Preis ist auch kräftig gestiegen: Betriebe beklagen alleine in diesem Jahr Preissteigerungen um gut ein Drittel. In Deutschland wollen Forstbesitzer die Handelskonzerne mit einem "Sägestreik" unter Druck setzen, weil sie ihrer Meinung nach kaum von den steigenden Preisen profitieren.

Das große Geld im Holzboom verdienen aktuell wohl auch nicht die deutschen Sägewerksverbünde – sondern zwei skandinavische Forstriesen: Stora Enso und SCA waren einst für Papiererzeugung bekannt, springen nun aber geschickt auf den Megatrend Nachhaltigkeit auf - mit riesigen Forstflächen im Rücken.

Dabei sind die Preissteigerungen in Deutschland – im Vergleich zum Weltmarktpreis  – geradezu harmlos: Binnen eines Jahres ist der Preis für Schnittholz um fast 400 Prozent gestiegen. 1000 board feet, rund 2,36 Kubikmeter Holz, werden am Weltmarkt aktuell für 1630 Dollar gehandelt. Anfang Mai 2020 waren es noch rund 330 Dollar. Der Preis hat sich also beinahe verfünffacht.

Die Gründe für die enormen Preissteigerungen: Zum einen hat ein Schädling in Kanada, dem weltgrößten Holzexporteur, große Schäden angerichtet. Diese Knappheit wirkt sich auf den Preis aus. Zum anderen hat die Corona-Pandemie weltweit zu einem Bauboom geführt.

Holz ist als Baumaterial auch aus Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten aktuell gefragt, auch in den USA, die ohnedies der weltweit größte Importeur von Nadelschnittholz sind. Deren bisheriger Haupt-Holzlieferant Kanada, von dem bislang über 90 Prozent des in die USA importierten Holzes stammen, kämpft mit Versorgungsproblemen. Deshalb weichen die USA nun zusehends auf Schnittholz-Importe aus Europa aus - auch wenn Branchenkenner das auf Dauer als nicht sinnvoll erachten.

Deutscher Holzexport in USA um 55 Prozent gestiegen

Der alte Kontinent lieferte laut Angaben des Fachmagazins "Holzkurier"  2020 bereits 8,5 Prozent des US-Importbedarfs. In Zentraleuropa, also in Deutschland, Österreich und Tschechien, legte die Holzproduktion zwischen 2015 und 2020 um 12 Prozent zu. Da der Verbrauch in den drei Ländern in dieser Zeit nahezu stabil blieb, floss die zusätzliche Nadelholzschnittmenge vorrangig in den Export.

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Steigende Preise können die Amerikaner aktuell offenbar verkraften, wohl auch wegen der anziehenden Konjunktur und der großzügigen Corona-Hilfen der US-Regierung. Zwar führt der Holzmangel aktuell dazu, dass sich der Preis eines neuen Hauses in den USA laut dem nationalen Hausbauer-Verband um 24.000 Dollar erhöht hat. Doch das scheint die Nachfrage aktuell nicht zu bremsen.

Das bekommen auch die deutschen Holzverarbeiter und -verkäufer zu spüren, also die hiesige Sägeindustrie: 20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz gingen nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie 2020 in den Export - ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 80 Prozent.

Die Sägewerksverbünde arbeiten nach eigenen Angaben "am Anschlag". Allerdings ist die Branche mit rund 2000 Betrieben recht kleinteilig. Nur 34 Betriebe zählen dabei laut dem Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie  zu Großunternehmen mit über 250 Beschäftigten.

Forstriesen Stora Enso und SCA werden zu Holz-Gewinnern

Echte Forst- und Holzverarbeitungsriesen, die auch in Deutschland aktiv sind, gibt es dagegen bei den nördlichen Nachbarn: Etwa den finnisch-schwedischen Konzern Stora Enso, der satte 1,6 Millionen Hektar Forst (16.000 Quadratkilometer) besitzt. Europas größter privater Waldbesitzer mit 2,6 Millionen Hektar (26.000 Quadratkilometer) Forstbestand ist sein schwedischer Konkurrent Svenska Cellulosa Aktienbolaget, besser bekannt unter dem Kürzel SCA.

Die beiden Forstriesen haben jahrzehntelang ihre Waldbestände für die Papier- und Zelluloseherstellung verwendet. Doch von diesem Geschäftszweig verabschieden sich beide Unternehmen schrittweise. Ein Grund dafür ist die zunehmende Digitalisierung: Smartphones, Tablets und Bildschirme dienen schon länger als Lese- und Schreibgeräte.

Stora Enso will in diesem Jahr zwei seiner Papiermühlen stilllegen. Künftig sollen nur mehr 10 Prozent des Konzernumsatzes aus der Druckpapierherstellung kommen, vor einem Jahrzehnt waren es noch satte 70 Prozent. Wachsen will Stora Enso künftig mit der Herstellung von Verpackungsmaterial und Faserstoffen – und mit dem Verkauf von Schnittholz.

Konkurrent SCA hat vor vier Jahren seine Hygienesparte Essity abgespalten und an die Börse gebracht – Essity verarbeitet Holz zu Endprodukten wie etwa Tempo- oder Zewa-Taschentüchern. Aus der Papiererzeugung ist SCA nun komplett ausgestiegen, die letzte eigene Papierfabrik hat der Konzern im ersten Quartal 2021 geschlossen. Der schwedische Konzern will sich künftig ausschließlich auf die Bewirtschaftung des Waldbestands konzentrieren – und eben Schnittholz verkaufen, das auch für die Herstellung von Verpackungen und die Energieerzeugung dient.

Wer sich die jüngsten Quartalsbilanzen beider Konzerne ansieht, ahnt, wohin die Reise geht: Die "Marktsituation für Vollholz-Produkte hat sich weiterhin verstärkt", heißt es in SCAs vorläufiger Bilanz für das erste Quartal , was zu höheren Marktpreisen in allen regionalen Märkten führte". Zwar sanken die Quartalsumsätze bei SCA im Vergleich zum Vorjahresquartal von 4,8 auf 4,2 Milliarden schwedische Kronen, was SCA mit dem Schließen seiner Papierfabrik begründete. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg aber dagegen um 32 Prozent auf 1,4 Milliarden Kronen, wegen "höherer Verkaufspreise in allen Produktbereichen".

Stora Enso bezeichnet sich auf seiner Website nun als "erneuerbare-Materialien-Firma" – vom schnöden Papier- und Zellulosehersteller ist da kaum mehr etwas zu lesen. Zuletzt haben sich drei Geschäftsbereiche Verpackungen, Zellstoffe und Holzprodukte gut entwickelt, heißt es in der Quartalsbilanz . Deren Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen, das operative EBIT hat sich auf 360 Millionen Euro beinahe verdoppelt.

Die Wald-Sparte habe in diesem Winter vorteilhafte Erntebedingungen verzeichnet, heißt es weiter, die eine "effiziente Holz-Lieferung" an die unternehmenseigenen Holz-Produktionseinheiten sicherstellen konnte. Wachsen will der Konzern künftig mit den Schwerpunkten Verpackung, Holzbau und Biomaterialien. Die dafür notwendigen Investitionen kann sich Stora Enso angesichts der hohen Holzpreise wohl problemlos leisten.

wed
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