Steuern sparen Schock für die Niederlande - Shell flieht nach Großbritannien

Shell will dem Streit mit Steuerbehörden, Gerichten und einzelnen Investoren in den Niederlanden ein Ende setzen: Der Konzern verlagert seinen Sitz nach Großbritannien, gibt seine komplexe Aktienstruktur auf und streicht zugleich das "Royal Dutch" aus dem Namen.
Shell im niederländischen Den Haag: Der anglo-niederländische Ölmulti überarbeitet seine Aktienstruktur und zieht auch aus steuerlichen Gründen nach Großbritannien

Shell im niederländischen Den Haag: Der anglo-niederländische Ölmulti überarbeitet seine Aktienstruktur und zieht auch aus steuerlichen Gründen nach Großbritannien

Foto: A1809 epa ansa Utrecht/ dpa

Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell  will seine komplexe Aktien-Struktur aufgeben und seinen Hauptsitz aus steuerlichen Gründen nach Großbritannien verlegen. Der Öl-Riese will damit seine Investoren an Bord halten und zugleich einen Konflikt mit dem aktivistischen Anteilseigner Third Point entschärfen.

Eine einfache Aktien-Struktur erleichtere Shell Rückkäufe eigener Anteilsscheine, erklärte der Konzern am Montag. Die Anteilseigner sollen darüber am 10. Dezember abstimmen. Damit nicht genug: Das Unternehmen, das sich seit Langem mit Fragen von Anlegern zu seiner dualen Struktur konfrontiert sieht und kürzlich von einem niederländischen Gericht wegen seiner Klimaziele verurteilt wurde, will die Bezeichnung "Royal Dutch" aus seinem Namen streichen - die seit 1907 Teil seiner Identität ist - und sich schlicht in "Shell" umbenennen.

Die Regierung der Niederlande sprach von einer "unangenehmen Überraschung", die Regierung in London begrüßte dagegen die Pläne. An der Börse in London legten die Shell-Aktien  zu.

Shell befindet sich schon lange im Streit mit den niederländischen Behörden über die 15-prozentige Quellensteuer auf Dividenden, die der Konzern mit seinen beiden Aktiengattungen zu vermeiden suchte. Die neue Struktur würde dieses Problem lösen, betonte der Ölmulti.

Der niederländische Premier Mark Rutte und seine Koalition hatten geplant, die Quellensteuer 2018 abzuschaffen, um den Hauptsitz von Shell und Unilever, einem weiteren anglo-niederländischen Unternehmen, das ebenfalls nach London verlegt wurde, zu erhalten. Der niederländische Gesetzgeber lehnte diesen Schritt ab.

Investoren steigen aus oder fordern Zerschlagung

Ein weiterer Schlag für die Beziehungen zu den Niederlanden war zuletzt die Ankündigung des größten staatlichen Pensionsfonds ABP, Shell und alle fossilen Brennstoffe aus seinem Portfolio zu streichen.

Der Schritt vom Montag folgt auf eine umfassende Umstrukturierung, die Shell als Teil seiner Strategie zur Verlagerung von Öl und Gas hin zu erneuerbaren Energien und kohlenstoffarmen Energien in Angriff genommen hat. Im Zuge dieser Umstrukturierung baute Shell bereits Tausende von Arbeitsplätzen weltweit ab, trennte sich von Geschäften mit fossilen Brennstoffen und baute zugleich seinen Anteil an erneuerbaren Energien aus. Shell hatte erklärt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen, steht aber unter Druck, schneller mehr zu tun.

So hatte im Mai ein niederländisches Gericht Shell aufgetragen, seine geplanten Treibhausgasemissionssenkungen zu verstärken, um dem Pariser Klimaschutzabkommen zu entsprechen, das die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen soll. Shell hatte angekündigt, Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen.

Shell wehrt sich auch gegen die Forderungen des aktivistischen Investors Third Point, der im vergangenen Monat die Aufspaltung des Unternehmens in mehrere Gesellschaften forderte. Die Führungsspitze von Shell lehnt dies ab.

rei/Reuters
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