Angeschlagener Stahlkonzern Liberty Steel will offenbar Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen

Thyssenkrupp könnte noch am Freitag ein Angebot für die komplette Stahlsparte ins Haus flattern. Die britische Liberty Steel wolle für das gesamte Stammgeschäft des Konzerns eine Offerte abgeben, berichtet DER SPIEGEL.
Mitarbeiter im Stahlwerk von Thyssenkrupp

Mitarbeiter im Stahlwerk von Thyssenkrupp

Foto: Marcel Kusch/dpa

Der britische Konzern Liberty Steel will sich einem Insider zufolge die schwächelnde Stahlsparte von Thyssenkrupp schnappen. Es werde erwartet, dass Liberty am Freitag ein Angebot vorlegt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am späten Donnerstagabend. Liberty und Thyssenkrupp lehnten eine Stellungnahme ab. Der SPIEGEL hatte zuerst über die geplante Übernahme berichtet. Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz (57) hat einen Verkauf der Stahlsparte nicht ausgeschlossen und auch einen Staatseinstieg plus Partner als Option bezeichnet. Investoren quittierten die Nachrichten mit kräfitgen Käufen: Die Aktie von Thyssenkrupp stieg am Freitag im frühen Handel zeitweise um 23 Prozent.

Die Meldung platzte in die Vorbereitungen für eine Demonstration der Stahlkocher von Thyssenkrupp Steel Europe am Freitag in Düsseldorf. Rund 3000 Stahlkocher wollen dort ihrer Forderung nach einer Staatsbeteiligung Nachdruck verleihen. Sie stoßen bislang auf Ablehnung sowohl beim Bund als auch beim Land NRW. Die Berichte über das Interesse Libertys dürften bei den Stahlkochern die Rufe nach einem Staatseinstieg noch befeuern.

Wie Reuters aus Regierungs- und Gewerkschaftskreisen erfuhr, plant der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (59), an der Kundgebung teilzunehmen. Er wolle sich in einer Rede an die Stahlkocher wenden, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Der CDU-Politiker sitzt im Kuratorium der Krupp-Stiftung, dem größten Einzelaktionär des Konzerns. Thyssenkrupp Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol hatte in einem Reuters-Interview Laschet zu einem klaren Bekenntnis zum Stahl aufgefordert. Thyssenkrupp Steel beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter und schreibt zurzeit hohe Verluste.

Liberty Steel hat insgesamt mehr als 30.000 Mitarbeiter in Europa, Großbritannien, den USA und China und verfügt über eine Produktionskapazität von 18 Millionen Tonnen. Gegründet wurde das Unternehmen 1992 von Sanjeev Gupta (49). Er baute den Konzern auch durch Übernahmen aus, darunter Geschäfte von Tata Steel Europe sowie von ArcelorMittal.

rei/Reuters