Dienstag, 17. September 2019

Henkel bereitet Milliardenübernahme vor Henkel prüft Kauf von Wella

Haarpflege: Die Sparte dürfte etwa sieben Milliarden Dollar wert sein

Der Konsumgüterhersteller Henkel prüft den Kauf des Darmstädter Haarpflegespezialisten Wella, einer Tochter des US-Konzerns Procter & Gamble (P&G). Henkel bereite wie auch die US-Konzerne Revlon und Coty ein Gebot für Teile des Kosmetikgeschäfts von P&G vor, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die drei Unternehmen arbeiteten mit Investmentbanken zusammen, um eine Offerte zusammenzustellen. Die Frist für die erste Bieterrunde laufe nächste Woche ab.

Der Zukauf wäre die bislang risikoreichste Aktion Henkels, seit Vorstandschef Kasper Rorsted und Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah den Düsseldorfer Dax-Konzern führen. Nach Informationen von manager-magazin.de wägen die beiden bereits seit Monaten eine Offerte für Wella ab - ebenso wie die Henkel-Rivalen Kao aus Japan und Coty aus den USA.

Der Verkaufsprozess läuft allerdings schleppend, weil P&G lange diskutiert hat, ob es Wella als Gesamtkonzern anbietet oder das Geschäft mit Profi-Kunden wie Friseuren und Privatkonsumenten separiert. Inzwischen haben die P&G-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley auch Finanzinvestoren in den Bieterprozess geladen. Die Amerikaner hatten 2003 rund 5,5 Milliarden Euro für Wella bezahlt, konnten das Geschäft aber nie zu einer globalen Marke ausbauen.

Henkel hatte erst im März erklärt, nach geeigneten Übernahmezielen Ausschau zu halten. Bis zu 4,5 Milliarden Euro könnten die Düsseldorfer dafür aufbringen, hatte Finanzchef Carsten Knobel gesagt.

Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah hatte Anfang des Jahres betont, dass sich Henkel bei den Konsumgütern noch besser aufstellen will. "Im Bereich Haar sind wir beispielsweise mit Pflege, Styling und Colorationen führend. Das ist etwas, das wir weiter ausbauen möchten", hatte sie in einem Zeitungsinterview gesagt.

Der US-Kosmetikriese Revlon ist den Insider zufolge an dem Kosmetik-Geschäft von P&G mit Drogeriemarken wie CoverGirl und Max Factor interessiert. Coty, die Parfüm für Modemarken wie Calvin Klein oder Mac Jacobs herstellen, würde das Duftstoffgeschäft von P&G übernehmen, sagten die mit dem Vorgang vertraute Personen. Coty könnte sich aber auch das Kosmetikgeschäft anschauen. Coty war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. P&G sowie Revlon lehnten einen Kommentar ab.

mit Reuters

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