Samstag, 18. Januar 2020

Hoffnung auf Digitaldruck Heidelberger Druck schafft die Wende

Druckwerk-Montage: Heidelberg will im Bereich Digitaldruck künftig mit Fujifilm zusammenarbeiten

Nach Jahren voller Entbehrungen schafft Heidelberger Druck die schwarze Null - obwohl der starke Euro bremst. Für die Zukunft setzt das Unternehmen verstärkt auf Digitaldruck.

Stuttgart - Nach einer jahrelangen Rosskur sieht Heidelberger Druck die Rückkehr in die Gewinnzone in greifbarer Nähe. Im abgelaufenen Quartal fuhr der weltgrößte Hersteller von Bogendruckmaschinen einen kleinen operativen Gewinn ein, der Nettoverlust verringerte sich. Nach fünf Jahren mit Verlusten zeigten der Abbau Tausender Stellen, Kostensenkungen und die Neuausrichtung des Managements Wirkung, sagte Konzernchef Gerold Linzbach. "All das zusammen wird uns dieses Jahr zu der propagierten schwarzen Null bringen".

Die Aussichten ließen die im SDax notierte Aktie von Heidelberger Druck Börsen-Chart zeigen um rund 11 Prozent steigen.

Von Juli bis September verbesserte sich das operative Ergebnis ohne Sondereinflüsse (Ebit) auf 13 Millionen Euro, nach einem Verlust von sieben Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz lag jedoch mit 593 Millionen Euro gut 100 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert.

Nur in China, wo Heideldruck von einer Messe profitierte, stieg der Umsatz, während er in allen anderen Regionen sank. Der Umsatzrückgang liege zum Teil an der Stärke des Euro. Das Vergleichsjahr 2012/13 war außerdem umsatzstark, weil die nur alle vier bis fünf Jahre stattfindende Messe Drupa in Düsseldorf für Aufträge sorgte.

Kooperation mit Fujifilm

Hoffnung setzt Heideldruck in eine Kooperation mit der japanischen Fujifilm, um im digitalen Werbe- und Verpackungsdruck stärker zu werden. Bisher ist der Marktanteil im Digitaldruck noch gering. "Unser Ziel ist es, auch im wachsenden Digitaldruckmarkt ein Global Player zu werden", sagte Linzbach. Anstatt die Technologie alleine zu entwickeln, setzt er auf Partnerschaften.

Die Kooperation mit Fujifilm ergänze die seit 2011 bestehende Zusammenarbeit mit dem japanischen Druckerproduzenten Ricoh. Das Umsatzpotenzial aus der Zusammenarbeit mit Fujifilm belaufe sich auf 200 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren, erklärte der Konzern. Er schwieg sich darüber aus, wie viel Umsatz die Zusammenarbeit mit Ricoh bisher einspielte.

Mittelfristig sollen 8 Prozent des Umsatzes als operativer Gewinn (Ebitda) hängen bleiben. Im ersten Halbjahr betrug der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 31 Millionen Euro, die Rendite lag bei knapp drei Prozent.

Die langsam wieder steigende Profitabilität rührt nicht zuletzt von dem massiven Personalabbau her. Im zweiten Quartal fielen 600 Stellen weg. Mit inzwischen 13.600 Mitarbeitern ist der Druckmaschinenbauer nahe an seiner Zielmarke von 13.500. Im Boom-Geschäftsjahr 2007/08 waren noch gut 20.000 Menschen für HeidelDruck tätig. "Der große Abbau ist abgeschlossen", sagte Linzbach.

ts/rtr

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