Donnerstag, 14. November 2019

Ölpreis stürzt ab Hat Siemens sich bei Dresser-Rand verzockt?

Siemens-Chef Kaeser: Von den üblichen Standards für Akquisitionen abgewichen

2. Teil: Sogar an der Fracking-Heimatfront droht Ungemach

Seit Jahresbeginn haben Ölmultis ihre Investitionen zum Teil deutlich zurückgefahren. So kippte der französische Konzern Total Börsen-Chart zeigen ein Elf-Milliarden-Dollar-Projekt in Kanada. Der erwartete künftige Ölpreis hatte nicht gereicht, um die Kosten hereinzuspielen. Andere Megavorhaben wie das 43-Milliarden-Dollar-Projekt Kashgan im Kaspischen Meer (Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen, Shell Börsen-Chart zeigen, Total, Eni), erweisen sich als Fiasko.

Die wachsenden Kostenprobleme allein wären für die Branche vielleicht noch zu verkraften gewesen. Auch der fallende Ölpreis stellt nun jedoch weitere Vorhaben infrage. Zuerst, so heißt es in der Branche, seien Teersand-Projekte in Kanada gefährdet, dann Tiefseeöl, insbesondere aus arktischen Gefilden.

Das alles könnte Dresser-Rand zu spüren bekommen - das Unternehmen ist weltweit bei Förderprojekten verschiedenster Art im Geschäft und stellt beispielsweise die Energieversorgung von Plattformen sicher. Kommen jetzt noch die erhofften Großaufträge? Besonders bedenklich für Dresser und damit Siemens: Das vierte Quartal sollte eigentlich das beste des gesamten Jahres werden.

Energiesparten-Chefin Lisa Davis in der Defensive

Sogar an der Heimatfront droht nun Ungemach - also im Geschäft mit der unkonventionellen Fördermethode Fracking. In diesem Bereich wollte Siemens endlich mitmischen. Von Houston aus leitet seit kurzem Ex-Shell-Managerin Lisa Davis die Energiesparte. Sie spreche die Sprache von Öl und Gas, frohlockte Kaeser.

Mitreden muss Davis nun allerdings in einer für Siemens eher misslichen Debatte: In den USA streiten die Experten, ab welchem Ölpreis sich die Schieferöl-Förderung nicht mehr lohnt. Analysten der Citigroup sehen die ersten Projekte bei 75 Dollar gefährdet, die Internationale Energie-Agentur (IEA)bei 80 Dollar.

Bei ganz neuen Vorhaben könnte die Schwelle sogar höher liegen, für weit fortgeschrittene Projekte liegt sie allerdings deutlich darunter. Dresser-Rand kommt generell zu Gute, dass das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit Serviceleistungen für existierende Ölfelder erzielt. Das mindert das Risiko.

Doch Dresser-Rand soll für Siemens eigentlich auf Angriff, nicht auf Verteidigung spielen. Kaeser will den Erzrivalen General Electric Börsen-Chart zeigen attackieren und erwartet Renditen im zweistelligen Bereich.

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