Dienstag, 10. Dezember 2019

Flüssiggas LNG statt Schweröl Hapag-Lloyd will Millionen in Schiffumbau investieren

Hapag-Lloyd Container: Umbau einiger Schiffe geplant

Angesichts der im nächsten Jahr in Kraft tretenden verschärften Umwelt-Grenzwerte auf See, hat Hapag-Lloyd nun reagiert. Erstmals weltweit soll ein großes Containerschiff auf einen LNG-Antrieb umgerüstet werden.

Einen entsprechenden Auftrag hat Deutschlands größte Reederei nun an eine chinesische Werft erteilt. Vorstandschef Rolf Habben Jansen sieht gute Chancen, dass in den 20er Jahren weitere 16 große Container entsprechend umgebaut werden. LNG als Treibstoff reduziert Schwefeldioxid und Feinstaub um mehr als 90 Prozent und CO2 um bis zu 30 Prozent.

Die verschärften Grenzwerte führen bei allen Reedereien zu erheblichen Mehrkosten. Habben Jansen schätzt die Umbaukosten auf 25 bis 30 Millionen Dollar je Schiff. Das würde ein Gesamtinvestment von mehr als 400 Millionen Dollar bedeuten sowie den Verlust von mehreren 100 Container-Stellplätzen. "Wie schnell das wieder hereinkommt, hängt allein ab von den Preisen für LNG", sagte Habben Jansen am Dienstagabend in Hamburg.


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Hapag-Lloyd hat im Zuge der Fusion mit der arabischen Reederei UASC insgesamt 17 Großschiffe übernommen, die technisch auf einen LNG-Antrieb umgerüstet werden können. Der erste Versuch wird nun mit dem Frachter "Sajir" unternommen, der ein Fassungsvermögen von 15 000 Standardcontainern (TEU) hat.

Handelskonflikt mit China belastet Schiffsbranche

Doch nicht nur die Umwelt-Grenzwerte machen Hapag-Lloyd zu schaffen. Die Reederei ist auch vom Handelskonflikt zwischen China und den USA betroffen. Wie genau sich der Konflikt dauerhaft auf die Containerschifffahrt auswirken werde, könne man erst in der zweiten Jahreshälfte absehen, so der Hapag-Lloyd-Chef.

In der zweiten Jahreshälfte 2018 sei das Geschäft vielmehr dadurch angekurbelt worden, dass viele Kunden vor einer möglichen Zuspitzung des Handelsstreits noch versucht hätten, Güter in die USA zu verschiffen, sagte Habben Jansen. Wegen dieses Vorzieheffekts könnte das Wachstum in diesem Jahr allerdings schwächer ausfallen. "Das deutet aber nicht auf eine Krise hin", betonte Habben Jansen.

Nach der Ferienzeit über den Jahreswechsel laufe das Geschäft inzwischen wieder "auf Hochtouren". Eine konkrete Prognose wagte Habben Jansen angesichts der weltweit unsicheren Konjunktur nicht. Für 2018 rechnet Hapag-Lloyd nach früheren Angaben mit einem operativen Ergebnis (Ebit) von 200 bis 450 Millionen Euro. Die vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2018 veröffentlicht Hapag-Lloyd am 25. Februar.

lwe/ dpa/ rtr

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