Wichtigste Industrieschau der Welt Das Comeback der Hannover Messe

Am Sonntagabend wird die Hannover Messe eröffnet. Nach dem Corona-Ausfall 2020 und einem stark verkleinerten Programm im Vorjahr läuft die Industrieschau nun wieder als Präsenzformat.
Klimaschutz und Digitalisierung als Schwerpunkte: 2500 Aussteller in Hannover

Klimaschutz und Digitalisierung als Schwerpunkte: 2500 Aussteller in Hannover

Foto: FOCKE STRANGMANN / EPA

Zur Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend erwarten die Veranstalter auch Kanzler Olaf Scholz (63, SPD) und den Premier des Partnerlands Portugal, António Costa (60). Erstmals läuft die Messe in diesem Jahr wieder als Präsenzformat, allerdings später als üblich und in einer auf vier volle Tage verkürzten Form.

Von Montag bis einschließlich Donnerstag zeigen rund 2500 Aussteller auf dem Gelände in der niedersächsischen Landeshauptstadt ihre Neuheiten und Konzepte – darunter Industriegrößen wie Bosch oder Siemens, Tech-Konzerne wie Microsoft, Amazon Web Services, SAP oder Google, viele Mittelständler und Start-ups. Zum Konferenzprogramm meldeten sich nach Angaben der Deutschen Messe etwa 600 Teilnehmer an.

Schwerpunkte sind Klimaschutz und Digitalisierung bei verschiedenen Fertigungstechnologien, in der Logistik und Mobilität. Angesichts des Krieges in der Ukraine und gerissener Lieferketten dürften daneben Fragen der Energieversorgung und Energiesicherheit zentral sein. Gut 250 Teilnehmer der Messe befassen sich mit dem Thema Wasserstoff, der als chemischer Energiespeicher und klimaschonender Reaktionspartner in Prozessen beispielsweise der Stahl- und Chemiebranche ein großes Potenzial hat. Auch Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft oder des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sind dabei.

Zur Eröffnung werden auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (63, SPD), Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (54, SPD), der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Karl Haeusgen (56), und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (41, Grüne) erwartet.

Probleme ich China, Chancen in Europa

Die Kriegs- und Krisenrisiken für die globale Konjunktur müssen aus Sicht der deutschen Elektro- und Digitalbranche zusätzlicher Ansporn sein, um den klimaschonenden Umbau der Industrie energischer voranzutreiben. Der Präsident des Verbands Zvei, Gunther Kegel, sieht kurz vor der Hannover Messe eine nach wie vor kritische Gemengelage, in der sich aber auch positive Entwicklungen zeigten.

"Mit Blick auf Corona können wir in Europa hoffentlich den nächsten Herbst durchstehen, ohne wieder Lockdowns verhängen zu müssen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Kegel ist Chef des Ausstellerbeirats der Messe. "Anders in China: Dort zeichnet sich gerade ab, dass die Null-Covid-Strategie scheitert", warnte der Unternehmer. "Der mehrwöchige Stillstand in Shanghai wird einen Schock durch die Lieferketten der Welt jagen, dessen Folgen wir erst in sechs bis acht Wochen sehen werden." Kegel glaubt: "Da kommt noch etwas auf uns zu."

Eigentlich sind die Hersteller von Elektro- und Digitaltechnik sowie Elektronik in einer guten Position, weil viele ihrer Produkte auf die großen Themen erneuerbare Energien, CO2-Verringerung, Digitalisierung und Energieeffizienz zugeschnitten sind. Ein schnelleres Umschwenken in Richtung Erneuerbare werde die Nachfrage insgesamt stützen, sagte Kegel. "Deshalb glauben wir, dass wir an unserer Prognose eines Wachstums von 4 Prozent in diesem Jahr festhalten können."

Maschinenbauindustrie senkt erneut Prognose

Die deutsche Maschinenbauindustrie steht unterdessen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr vor einer Senkung ihrer Produktionsprognose. Die Lage habe sich binnen kurzer Zeit extrem eingetrübt, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Karl Haeusgen, der "Welt am Sonntag". Die bereits im März von 7 auf 4 Prozent gesenkte Prognose lasse sich nicht mehr halten, erklärte er vor Beginn der Hannover Messe.

Haeusgen begründete den Schritt mit einer Vielzahl von Risiken, angefangen beim Ukraine-Krieg über den Lockdown in China bis hin zur Inflation und gestörten Lieferketten. "Den Unternehmen fehlen Halbleiter und etliche andere Elektronik-Bauteile, aber auch bei Metallen und Kunststoffen spitzt sich die Lage wieder zu. Und da hat der China-Lockdown für uns wesentlich heftigere Auswirkungen als der russische Angriffskrieg", sagte der VDMA-Präsident.

hr mit Nachrichtenagenturen