Montag, 9. Dezember 2019

Familien-Holding beruft Doreen Nowotne als Aufsichtsratschefin Umbruch im Haniel-Reich

Haniel Group, Hauptgebäude in Duisburg (Bild Archiv)

Die Duisburger Familien-Holding Haniel bricht mit einer langen Tradition: Erstmals soll der Aufsichtsrat des 1756 gegründeten Unternehmens von einem Nicht-Familienmitglied geführt werden. Die Unternehmensberaterin und Private-Equity-Spezialistin Doreen Nowotne solle im kommenden Jahr an die Spitze des Kontrollgremiums aufrücken und dort die Nachfolge von Franz Markus Haniel antreten, teilte Haniel am Montagabend mit.

Franz Markus Haniel: Dem Chefaufseher der Familien-Holding soll ...

Haniel hatte das Gremium seit 2003 geleitet. "Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich Beteiligungsmanagement ist Doreen Nowotne genau die richtige Expertin, um den Wandel zu begleiten", erklärte Franz Markus Haniel.

Zugleich verkündete Haniel eine neue Strategie und will nach Jahren des Verkaufs von Beteiligungen und des Schuldenabbaus wieder auf Expansion schalten. "Wir wollen (..) einen klaren Wachstumspfad einschlagen", kündigte der neue Haniel-Vorstandschef Thomas Schmidt an. Er sieht Haniel auch vor dem endgültigen Abschied von der langjährigen Beteiligung Metro.

Haniel werde sich mit einem Teil des Investitionsvolumens über Beteiligungsfonds in Unternehmen engagieren, die sich in früheren Phasen der Entwicklung befinden, erklärte Schmidt. Damit wolle die Holding frühzeitiger an deren Wachstum teilhaben. Für sein Beteiligungsportfolio habe sich Haniel klare Ziele gesetzt:

"Den Kapitalmarkt zu übertreffen und mittelfristig eine Gesamtrendite von mehr als neun Prozent zu erzielen." Für Übernahmen peilt Haniel künftig unter anderem die Branchen Gesundheit, Kreislaufwirtschaft, Klimawandel und Automatisierung an.

... die Beraterin und Private-Equity-Spezialistin Doreen Nowotne nachfolgen.

Haniel hatte 2018 unter anderem wegen seiner Beteiligung an den schwächelnden Handelskonzernen Metro und Ceconomy einen Verlust nach Steuern von 848 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Haniel will 60 Stellen in der Zentrale streichen

Auch für das Halbjahr 2019 hatte Haniel Rückgänge bei operativem Ergebnis und Umsatz vermeldet und die Prognose für das Gesamtjahr abgesenkt. In der Konsequenz sollen in der Haniel-Zentrale in Duisburg ein Drittel der bisher 180 Arbeitsplätze wegfallen, sagte Schmidt der "WAZ".

Der Familien-Holding gehört unter anderem die Hygiene-Tochter CWS Boco, der Rohstoffhändler ELG und eine Mehrheitsbeteiligung an dem Versandhändler Takkt. Zudem ist Haniel auch an den Handelskonzernen Metro und Ceconomy beteiligt. An dem Düsseldorfer Großhändler hält Haniel ein Paket von rund 15,2 Prozent der Anteile, beim Mutterkonzern von Media Markt und Saturn sind es über 22 Prozent.

Thomas Schmidt:
Franz Haniel
Thomas Schmidt:

Der seit Juli als Haniel-Chef amtierende Schmidt geht nun aber davon aus, dass sich die Holding endgültig von der Metro verabschieden wird. Er erwarte, dass der tschechische Investor Daniel Kretinsky auch den verbliebenen Metro-Anteil Haniels kaufen werde.

"Kretinsky hat weiterhin seine Call-Option, dieses Aktienpaket zu übernehmen", sagte er der "WAZ": "Wir gehen fest davon aus, dass es auch zum Tragen kommen wird." Kretinsky hat bislang offen gelassen, ob er auch den verbliebenen Metro-Anteil übernehmen will. Dann besäße der Investor mehr als 30 Prozent an der Metro und müsste ein neues Übernahmeangebot machen. Mit seiner ersten Offerte war Kretinsky im Sommer am Widerstand der Metro-Großaktionäre Beisheim-Holding und Meridian-Stiftung gescheitert.

rei/dpa/Reuters

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