Donnerstag, 19. September 2019

Start für staatliches Textilsiegel Was taugt der Grüne Knopf?

Nachhaltige Mode: Der Staat will bei der Auswahl helfen
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Nachhaltige Mode: Der Staat will bei der Auswahl helfen

Nachhaltige Kleidung ist gefragt - doch wie erkennen Verbraucher, welche Mode wirklich grün und fair ist? Ein staatliches Siegel soll nun Abhilfe schaffen. Doch so einfach ist das nicht.

An diesem Montag startet der "Grüne Knopf": Mit dem staatlichen Textilsiegel will Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nachhaltige Kleidung und Textilien auszeichnen. Und Klarheit schaffen: Denn zwar geben viele Verbraucher in Umfragen an, dass sie gern mehr grüne Mode kaufen wollen. Aber die Verwirrung ist groß, was die vielen Öko- und Sozialstandards auf dem Markt bedeuten.

Das soll der Grüne Knopf ändern - doch was taugt er wirklich? Wie erkennt man Kleidung, die damit ausgezeichnet ist? Und welche Firmen machen mit? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der Grüne Knopf - was ist das genau?

Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Siegel für Textilien, die nach bestimmten ökologischen und sozialen Standards produziert wurden. Es befindet sich direkt am Produkt: eingenäht, eingedruckt oder drangehängt. Jede Art von Textilien können den Grünen Knopf erhalten: Von Kleidung über Taschen, Gardinen, Bettwäsche bis zu Brillenbändern oder Stoffwindeln.

Neues Siegel: Grüner Knopf
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Neues Siegel: Grüner Knopf

Der Grüne Knopf wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegeben. Und unabhängig geprüft: Der TÜV kontrolliert, ob die Firmen die vorgegebenen Kriterien einhalten. Gleichzeitig überwacht die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle die Prüfer und Prüfprozesse.

Was taugt der Grüne Knopf?

Der Grüne Knopf testet sowohl die Produkte als auch die Unternehmen. Für Erstere gelten zwei Dutzend ökologische und soziale Kriterien, die allerdings nur bei zwei Produktionsschritten der Kleidungsherstellung angewendet werden: beim Färben und Bleichen sowie beim Zuschneiden und Nähen. Die Hersteller müssen anhand von vorhandenen Siegeln wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder Fairwear Foundation nachweisen, dass sie die Kriterien einhalten. Das Problem hier: Manche der akzeptierten Siegel - wie etwa Made in Green von Oeko-Tex - sind etwa bei Arbeitsrechten relativ schwach.

Die Unternehmensprüfung bietet dagegen den eigentlichen Mehrwert des Grünen Knopfs gegenüber anderen Siegeln: Dafür müssen Firmen die menschenrechtlichen Risiken in ihrer Lieferkette kennen, darüber berichten - und sie ausräumen.

Was sind die ökologische Anforderungen an die Produkte?

Wenn ein T-Shirt gefärbt, gewaschen und bedruckt wird, dürfen weder gefährliche Chemikalien noch Weichmacher zum Einsatz kommen. Tenside müssen biologisch abbaubar sein, das Abwasser muss bestimmte Grenzwerte einhalten, der CO2-Ausstoß sinken. Für diese Zertifizierung verlässt sich der Grüne Knopf auf anspruchsvolle Siegel wie GOTS oder IVN Best.

Allerdings: Anders als GOTS oder IVN Best reicht der Grüne Knopf nicht bis zum Baumwollfeld, also den Anfang der Lieferkette. Er lässt jede Faser zu. Das heißt: Pestizide auf den Baumwollfeldern, chemiebelastete Viskose oder neues Polyester sind nicht ausgeschlossen. Da sind GOTS oder IVN Best deutlich strenger.

Was fordert der Grüne Knopf bei den Arbeitsbedingungen?

Auch die Kriterien bei den Arbeitsbedingungen beziehen sich nur auf die Fabriken, nicht auf die Felder. In den Färbereien und Nähereien verbieten sie etwa Kinder- und Zwangsarbeit, fordern schriftliche Verträge, Vereinigungsfreiheit und Arbeitssicherheit, verbieten Diskriminierung und Missbrauch. Und schreiben Mindestlöhne vor - die aber meist nicht zum Leben reichen.

Ein weiterer Schwachpunkt: Wer in Europa produziert, muss letztlich nicht nachweisen, dass er die Sozialstandards einhält. Obwohl diverse Studien belegen, dass viele rumänische oder bulgarische Textilfabriken gegen Arbeitsrechte verstoßen. Auch da sind Siegel wie Fairwear weiter, die mehr als Mindestlöhne vorschreiben und die Arbeitsrechte umfassend kontrollieren - in jeder Fabrik.

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