Aktie auf Vierjahreshoch Covid19-Medikament von Gilead zeigt offenbar erste Erfolge

Covid-19-Patient auf der Intensivstation: Die Uniklinik Chicago weist darauf hin, dass Teildaten von einer laufenden Studie nicht genutzt werden sollten, um daraus Ergebnisse abzuleiten

Covid-19-Patient auf der Intensivstation: Die Uniklinik Chicago weist darauf hin, dass Teildaten von einer laufenden Studie nicht genutzt werden sollten, um daraus Ergebnisse abzuleiten

Foto: Foto: Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa
Fotostrecke

China beginnt klinische Tests, Pharmariesen kooperieren: Wer an der Impfung gegen Covid-19 arbeitet

Foto: Gonzalo Fuentes / Pool / Reuters / AP / dpa

Ein Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Sciences zeigt einem Medienbericht zufolge Erfolge bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. In einer Studie der Universitätsklinik in Chicago führte das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir zu einer schnellen Fiebersenkung und einem Rückgang der Symptome der Lungenkrankheit, so dass fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen werden konnten, wie aus einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der Onlineplattform für Medizinnachrichten, STAT, hervorgeht.

Gilead erklärte, die Daten müssten noch analysiert werden, um daraus Schlüsse zu ziehen. Der US-Pharmakonzern rechnet damit, erste Ergebnisse aus der laufenden Phase-3-Studie Ende des Monats bekanntgeben zu können.

Anleger reagierten gleichwohl euphorisch. Die in Frankfurt notierten Titel von Gilead stiegen am Freitag um gut 21 Prozent auf ein Vierjahreshoch von 84,99 Euro. An den internationalen Börsen schürten die Ergebnisse Hoffnung auf eine rasche Überwindung der Pandemie. Dax  und EuroStoxx 50  legten um jeweils etwa drei Prozent zu, ebenso der japanische Nikkei . Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf steigende Kurse an der Wall Street hin.

Nur Teildaten einer Studie

Die Uniklinik in Chicago wies in einer E-Mail daraufhin, dass Teildaten von einer laufenden Studie nicht genutzt werden sollten, um daraus Ergebnisse herzuleiten. Informationen aus einem internen Forum für Wissenschaftler seien ohne Erlaubnis veröffentlicht worden. Die Universitätsklinik ist eines von 152 Krankenhäusern, die an der Gileads-Studie mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten teilnehmen. Laut der Nachrichtenplattform STAT wurden in Chicago 113 Menschen im Rahmen der Studie behandelt.

Gegenwärtig gibt es noch kein Medikament und keinen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus, mit dem weltweit mehr als zwei Millionen Menschen infiziert sind. Die Daten sähen auf den ersten Blick vielversprechend aus und sprächen für ein gewisses Potenzial des Gilead-Medikaments für die Behandlung bestimmter Covid-19-Patienten, erklärte RBC-Analyst Brian Abrahams. Es gebe allerdings erhebliche Einschränkungen bei der Interpretation der Daten.

Erste Studien zeigen Erfolge nur bei mildem Verlauf

Das Ebola-Mittel Remdesivir gilt schon länger als einer der aussichtsreichsten Kandidaten, um als Heilmittel gegen Covid-19-Symptome zugelassen zu werden - neben dem Malaria-Medikament Chloroquin von Bayer , dessen Ableitung Hydroxychloroquin von Sanofi (mehrfach von US-Präsident Donald Trump als Wundermittel gefeiert), der Aids-Kombinationstherapie Kaletra von Abbvie und anderen. All diese bereits für andere Zwecke zugelassen, an manchen Orten aber an Covid-Patienten erprobten Arzneien werden in der internationalen Großstudie "Solidarity" systematisch erforscht.

Remdesivir soll eine Rolle bei der Heilung des ersten Corona-Patienten in den USA gespielt haben. Allerdings zeigten erste Studien Erfolge nur bei Fällen mit milden Symptomen. Zwei größere, randomisierte Studien in China mussten abgebrochen werden, weil dort nicht mehr genug Covid-Erkrankte in Behandlung sind.

Für seinen eigentlichen Zweck, das Ebola-Fieber zu behandeln, lieferte Remdesivir enttäuschende Ergebnisse. Das Mittel, für das aktuell keine Listenpreise verfügbar sind, gilt als extrem teuer, was einen Grund für die steigenden Aktienkurse von Gilead liefert, zugleich aber den Nutzen von Remdesivir gegen die Pandemie infrage stellt.


Lesen Sie auch: Bayer, Gilead, Regeneron - der Wettlauf um das Corona-Mittel 


Sollte es wirklich massenhaft eingesetzt werden, müsste Gilead es wohl billiger verkaufen. Eine aktuelle pharmakologische Studie  schätzt die Produktionskosten des Mittels für eine zehntägige Behandlung auf neun Dollar, eventuell ließen sich die Kosten sogar unter einen Dollar drücken.

"Ärzte ohne Grenzen" schätzte den von Gilead verlangten Preis in den USA auf 1000 Dollar pro Behandlung. Ende März hat das Unternehmen wegen der hohen Nachfrage die Annahme neuer Aufträge gestoppt.

Gilead hatte für Remdesivir den Orphan Drug Status in den USA beantragt und von der FDA auch genehmigt bekommen. Die Behörde räumte dem Konzern damit Sonderrechte ein, die eigentlich für Wirkstoffe gegen seltene Krankheiten vorgesehen sind. Dies hätte unter anderem auch bedeutet, dass Gilead sieben Jahre lang vor der Konkurrenz von Generika-Herstellern sicher gewesen wären. Nach massiven Protesten gab das Unternehmen den Status Ende März auf.

mg, ak, dp/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.