Fusion mit Aercap steht bevor General Electric will Jet-Leasingsparte für 30 Milliarden Dollar verkaufen

Das weltweite Flugzeugleasing-Geschäft steht vor dem größten Umbruch seit einem Jahrzehnt: Die Marktführer Aercap und General Electric's Gecas wollen fusionieren - es entstünde ein Jet-Leasingriese mit fast 3000 Flugzeugen.
Vor Milliardendeal: General Electric soll bis zu 30 Milliarden Dollar für seine Jet-Leasingsparte Gecas verlangen

Vor Milliardendeal: General Electric soll bis zu 30 Milliarden Dollar für seine Jet-Leasingsparte Gecas verlangen

Foto: GE

In der Finanzkrise wäre die US-Industrie-Ikone General Electric (GE) fast Opfer ihrer strauchelnden Finanzsparte geworden. Viele Probleme, unter denen GE heute noch leidet, gehen auf GE Capital zurück. Es ging noch einmal gut, Stück für Stück zog sich GE aus dem Kreditgeschäft zurück, verkaufte in den letzten fünf Jahren eine Reihe großer Vermögenswerte.

Nun wird GE-Chef Larry Culp (58) offenbar auch die Flugzeugleasing-Einheit GE Capital Aviation Services (Gecas) los - das größte verbleibende Stück der Sparte. Der Verkauf an die irische Leasinggesellschaft Aercap stehe unmittelbar bevor und würde die Restrukturierung der Industrie-Ikone ein großes Stück voranbringen, berichten gleichlautend die "Financial Times"  (€) und das "Wall Street Journal"  (€).

GE und Aercap wollten sich zu den Berichten nicht äußern. Die in New York notierten Aktien von Aercap  sprangen im frühen Handel um bis zu 15 Prozent in die Höhe, jene von General Electric  kletterten um rund 3 Prozent.

Mit mehr als 1600 eigenen oder bestellten Flugzeugen ist Gecas neben Aercap und der in Los Angeles ansässigen Air Lease eine der größten Flugzeug-Leasinggesellschaften der Welt. Gecas verleast Passagierflugzeuge von Boeing und Airbus sowie auch kleinere Regionaljets und Frachtflugzeuge an Kunden - unter ihnen große Airlines bis hin zu Start-ups. Gecas hatte Ende vergangenen Jahres Vermögenswerte in Höhe von rund 36 Milliarden Dollar in seiner Bilanz stehen.

General Electric sondiert schon länger den Verkauf seines Leasinggeschäfts, um sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren - bislang allerdings erfolglos. Käme der Deal zustande, dürfte der hoch verschuldete Konzern damit seine Bilanz und Liquidität erheblich stärken.

Aercap kommt laut WSJ auf 1400 eigene und bestellte Flugzeuge sowie einen um Schulden und Barmittel bereinigten Unternehmenswert von etwa 34 Milliarden Dollar. Der Umsatz von Aercap habe im vergangenen Jahr bei rund 4,4 Milliarden Dollar gelegen und damit rund 10 Prozent niedriger als in den Vorjahren.

Die Corona-Pandemie mit dem Zusammenbruch des weltweiten Flugverkehrs hat nicht nur die Airlines und Flugzeugbauer arg durchgeschüttelt. Auch Leasinggesellschaften bekamen sie zu spüren. So verschoben Airlines den Kauf von Flugzeugen oder versuchten Leasingzahlungen zu stunden. Gecas wies für das Corona-Jahr 2020 einen operativen Verlust von 786 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 3,95 Milliarden Dollar aus. Zugleich schrieb der Mutterkonzern GE im vierten Quartal rund eine halbe Milliarde Dollar auf sein Flugzeugportfolio ab.

Insofern könnte die Fusion den beiden führenden Jet-Leasing-Unternehmen helfen, die Kosten zu senken und die Krise vereint zu überstehen - zumal das Geschäft mit chinesischen Playern auf dem Markt erheblich wettbewerbsintensiver geworden ist.

Leasinggesellschaften könnten zum Gewinner der Krise werden

Flugzeugleasinggesellschaften könnten auf mittlere Sicht auch von der Krise der Luftfahrt profitieren. Denn angeschlagene und mit Staatshilfe gestützte Fluggesellschaften dürften in der Zeit nach Corona dazu übergehen, Flugzeuge eher zu leasen anstatt zu kaufen und damit große Mengen Kapital zu binden. Schon jetzt stehen die Leasinggesellschaften für gut die Hälfte der Flugzeugauslieferungen von Boeing und Airbus. Die Airlines werden sich auf die Rückzahlung von Schulden und staatlichen Subventionen konzentrieren, zeigte sich Aercap-Chef Aegnus Kelly zuletzt auch überzeugt. "Für uns und die Wettbewerber wäre das ein Segen."

rei
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