Donnerstag, 19. September 2019

General Electric hat Verkaufsprozess offenbar eingeleitet Siemens-Rivale will milliardenschweres Gasturbinen-Geschäft verkaufen

General Electric stellt sein Geschäft mit großen Gasturbinen - hier ein Exemplar von Siemens - offenbar zum Verkauf

Siemens ist mit seinen Problemen im Gasturbinen-Geschäft nicht allein. Der US-Industriegigant und Rivale General Electric (GE) prüft einen Verkauf seines milliardenschweren Geschäfts mit großen Gasturbinen. Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Citigroup sei mit der Vorbereitung eines Veräußerungsprozesses beauftragt worden.

Der Wert des Geschäftsbereichs wird auf bis zu zwei Milliarden Dollar geschätzt. Eine GE-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Von Citigroup war zunächst keine zu bekommen.

Das Geschäft mit Gasturbinen für Industrieanlagen gehört zur GE-Kraftwerkssparte, die zuletzt deutliche Einbußen hinnehmen musste. Konzernchef John Flannery hatte im November angekündigt, dass sich das Unternehmen von Aktivitäten im Volumen von insgesamt mindestens 20 Milliarden Dollar trennen werde. Ziel sind bessere Finanzzahlen.

General Electric Börsen-Chart zeigen hatte für das letzte Quartal wegen enormer einmaliger Belastungen durch die US-Steuerreform einen Nettoverlust von zehn Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Doch auch im Tagesgeschäft lief es nicht rund: Die Erlöse sanken im Jahresvergleich um 5 Prozent. In der Kraftwerksparte ging der Umsatz sogar um 15 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar zurück, der Gewinn brach um 88 Prozent auf 260 Millionen Dollar ein.

Die Probleme sind in etwa die gleichen, mit denen Siemens zu kämpfen hat. In Zeiten der Energiewende sind weniger Großturbinen als kleine und dezentrale Lösungen gefragt. Weil viele Staaten zudem ihre Kohleindustrie noch künstlich am Leben erhalten, vollzieht sich der Wechsel zu effizienteren Erdgaskraftwerken nur langsam. Zugleich ist die Nachfrage aus China gesunken. GE berichtete, dass die Aufträge im letzten Quartal im Jahresvergleich um rund 25 Prozent zurückgegangen seien.

Der deutsche GE-Rivale Siemens Börsen-Chart zeigen reagiert ebenfalls auf die Folgen der Energiewende und hat den Abbau von mehr als 6000 Stellen in der Kraftwerkssparte beschlossen. Der Weltmarkt für große Gas- und Dampfturbinen wird nach Einschätzung des Münchner Konzerns auf Dauer schrumpfen.

In Deutschland allerdings ist Siemens-Chef Joe Kaeser wegen seiner Pläne, Standorte zu schließen, erheblich unter Druck geraten. Zur jüngsten Hauptversammlung mahnten alle Sprecher der großen Fondsgesellschaften den Siemens-Chef, nicht voreilig Standorte zuzumachen und unvermeidbaren Stellenabbau sozialverträglich und im Konsens zu gestalten. "Deutsche Ingenieurskunst und deutsche Wertarbeit werden auch künftig am Weltmarkt gefragt sein, deshalb sollen nicht leichtfertig komplette Standorte geschlossen werden", hatte etwa Ingo Speich von Union Investment erklärt. "Wir als Eigentümer tragen Verantwortung für die Mitarbeiter von Siemens", hatte auch Winfried Mathes von der Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassen, erklärt.

rei mit Reuters

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