Konzernspaltung und Kurssprung General Electric will sich dreiteilen

Der US-Industriegigant General Electric verkündet sein Ende als Konglomerat. Drei unabhängige Unternehmen in den Sparten Energie, Luftfahrt und Medizintechnik sollen das Erbe übernehmen.
Blick in die Röhre: Computertomograph von GE Healthcare im Universitätsklinikum Jena

Blick in die Röhre: Computertomograph von GE Healthcare im Universitätsklinikum Jena

Foto: Martin Schutt/ dpa

Der US-Industrie-Riese General Electric mit seinen 174.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 80 Milliarden Dollar will sich aufspalten. Der Siemens-Rivale werde in drei börsennotierte Unternehmen aufgeteilt, wie GE am Dienstag mitteilte. GE Renewable Energy, GE Power und GE Digital würden im Jahr 2024 zusammen als Einheit ausgegliedert, um die Energiewende anzuführen. GE Healthcare werde 2023 ebenfalls ein separates Unternehmen. Das verbliebene Unternehmen solle sich auf die Luftfahrtsparte konzentrieren. Ziel sei es, Schulden zu reduzieren und die Geschäfte optimal aufzustellen.

Bei den Anlegern kamen die Nachrichten von der geplanten Aufspaltung gut an: Die Aktie schnellte am Dienstag im vorbörslichen US-Handel um 15 Prozent in die Höhe. In der Regel belohnt der Kapitalmarkt die Aufspaltung beziehungsweise Zerschlagung von Konglomeraten: Der Schweizer Siemens-Konkurrent ABB zum Beispiel, der die Aufspaltung noch konsequenter vorantreibt als der Industriekonzern aus München , hat sich in den vergangenen Monaten an der Börse deutlich besser entwickelt als Siemens. Dabei treibt auch Siemens selbst die Ausgliederung einstiger Konzernteile voran - zum Beispiel mit Siemens Healthineers und Siemens Energy, die jedoch weiterhin unter dem Dach der Siemens AG als Holding sbleiben. Noch radikaler haben sich die Wettbewerber Philips und Alstom zerlegt.

"Durch die Schaffung von drei branchenführenden, globalen Aktiengesellschaften können alle von einer stärkeren Fokussierung, einer maßgeschneiderten Kapitalausstattung und strategischen Flexibilität profitieren, um langfristiges Wachstum und Wert für Kunden, Investoren und Mitarbeiter zu schaffen", führte GE-Chef Larry Culp (58) aus. Die Aufspaltung werde den Konzern "stärker" machen. GE kündigte zudem an, die Luftfahrt als Hauptunternehmen solle von Culp geleitet werden. Scott Strazik werde das kombinierte Geschäft für Erneuerbare Energien, Strom und Digitales leiten und Peter Arduini GE Healthcare.

Alle drei selbstständigen GE-Unternehmen sollen Investmentgrade-Ratings haben. Die Ratingagentur S&P erklärte allerdings am Dienstag, wegen der Aufspaltungspläne versehe sie die Bonitätsnote des Gesamtkonzerns von BBB+ nun mit negativem Ausblick. Denn GE werde ohne die Medizintechniksparte "weniger diversifiziert". In der Pandemie habe Healthcare den Rest des Konzerns gestützt, während das Luftfahrtgeschäft einen starken Einbruch erlitt und sich die Energiesparte immer noch im Umbruch befinde. Gleichwohl hätten alle drei Sparten dank ihrer Größe eine starke Marktposition, die Margen dürften sich weiter erholen.

Die verbliebene Muttergesellschaft solle einen Anteil von 19,9 Prozent an GE Healthcare behalten. Das Unternehmen rechnet mit Einmalkosten von rund zwei Milliarden Kosten für die Aufteilung, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Aufsichtsrat steht. Er erwarte keine Probleme mit Gewerkschaften oder Aufsichtsbehörden, erklärte Culp. Steuern würden durch den Deal nicht fällig. Der Konzern kündigte zudem an, er erwarte einen bis Jahresende um 75 Milliarden Dollar reduzierten Schuldenstand. Bis zum Jahr 2023 werde die Nettoverschuldung auf weniger als das 2,5-Fache des Betriebsgewinns (Ebitda) gedrückt.

GE, lange als unerreichbares Vorbild für Siemens hochgehalten ("Beat GE") und zeitweise das wertvollste Unternehmen der Welt, kämpft seit der Finanzkrise 2008 mit Skepsis der Anleger, ob der Konzern seine Schuldenlast tragen kann. 2018 wurde die Aktie aus dem Börsenindex Dow Jones gestrichen, dem sie als einzige seit Einführung des Index 1896 angehört hatte. Kurz darauf trat Culp an, der den Schrumpfkurs seiner Vorgänger Jeff Immelt und John Flannery beschleunigte. In diesem März verkaufte GE sein Flugzeugleasinggeschäft Gecas für 30 Milliarden Dollar an den irischen Marktführer Aercap. Damit ist die problembelastete Finanzsparte GE Capital, die zuvor schon um Immobilien- und Versicherungsgeschäft gebracht wurde, Geschichte. Seit 2019 verkauft GE schrittweise seine Aktien an dem Öl- und Gasindustrieausrüster Baker Hughes.

ak/Reuters, AP
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