Aercap übernimmt Gecas Neuer Flugzeugleasing-Riese entsteht

Mitten in der größten Luftfahrtkrise schließen sich die beiden größten Flugzeugvermieter zusammen. General-Electric-Chef Larry Culp kommt mit dem Spartenverkauf der Sanierung des hoch verschuldeten US-Konzerns einen großen Schritt näher.
Wird für rund 30 Milliarden Dollar verkauft: Die Flugzeugleasing-Einheit GE Capital Aviation Services (Gecas) - das größte verbleibende Stück der Sparte von GE Capital

Wird für rund 30 Milliarden Dollar verkauft: Die Flugzeugleasing-Einheit GE Capital Aviation Services (Gecas) - das größte verbleibende Stück der Sparte von GE Capital

Foto: GE

Megadeal unter Flugzeugvermietern: Der Branchenführer, die irische Aercap, übernimmt für mehr als 30 Milliarden Dollar in bar und in neuen Aktien die Nummer zwei, die GE-Tochter Gecas, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit. Zusammen kommen Aercap und GE Capital Aviation Services (Gecas) auf mehr als 2000 Flugzeuge und 300 Hubschrauber. Damit wären sie dreimal so groß wie die Nummer drei auf dem Markt, die irische Avolon, die zum angeschlagenen chinesischen HNA-Konzern gehört. Analysten gehen davon aus, dass der fusionierte Konzern auf Druck der Wettbewerbshüter Hunderte von Flugzeugen abgeben muss.

Gerüchte über die sich anbahnende Fusion hatten bereits zu Wochenbeginn die Runde gemacht und der GE-Aktie an der Börse Rückenwind verliehen. Nach der Bestätigung lag das Papier im vorbörslichen Handel am Mittwoch aber klar im Minus.

Luftfahrtkrise auch eine Chance für Jet-Leasing-Unternehmen

Die Coronavirus-Krise setzt auch die Flugzeugleasing-Anbieter unter Druck. Sie rätseln, ob die Fluggesellschaften bei ihnen künftig noch so viele Maschinen mieten werden wie bisher. Andererseits könnten die Vermieter zu den großen Gewinnern der Luftfahrtkrise werden: Viele Fluglinien sind finanziell klamm und könnten die Maschinen eher mieten als sie auf die eigene Bilanz zu nehmen.

Aercap verwies am Mittwoch darauf, dass die gemeinsame Flotte zu rund 60 Prozent aus Kurzstreckenmaschinen bestehe, die in Zukunft deutlich stärker gefragt sein dürften. Flugzeuge mit neuartigen, sparsameren Antrieben sollen 2024 drei Viertel des Bestandes ausmachen. AerCap und Gecas haben bei den großen Herstellern Airbus und Boeing Hunderte von Flugzeugen bestellt.

Für GE-Chef Larry Culp (58) ist der Verkauf ein weiterer Schritt, den angeschlagenen Industriekonzern zu entschulden. GE erhält für Gecas rund 24 Milliarden Dollar in bar und ein Aktienpaket von 46 Prozent an dem fusionierten Fluzeugleasing-Riesen, das er nach 15 Monaten zu Geld machen kann. Schon vorher könne GE den Schuldenberg damit um rund 30 Milliarden Dollar verringern. Der Konzern muss allerdings noch einmal drei Milliarden Dollar auf Gecas abschreiben. "Das ist der richtige Zeitpunkt, um unseren Umbau zu beschleunigen", sagte Culp. Er ist seit 2018 dabei, den Konzern zu verschlanken und GE aufs Kerngeschäft mit Turbinen, Gesundheitstechnik und Flugzeugtriebwerken zurückzuschneiden.

GE Capital gehört bald der Vergangenheit an

Mit dem Verkauf von Gecas wird die einst mächtige Finanzsparte GE Capital endgültig aufgelöst. In der Finanzkrise wäre die US-Industrie-Ikone General Electric fast Opfer ihrer strauchelnden Finanzsparte geworden. Viele Probleme, unter denen GE heute noch leidet, gehen auf GE Capital zurück.

Aercap und Gecas haben gemeinsame Wurzeln: Beide gehen auf den Iren Tom Ryan zurück. Der spätere Ryanair-Gründer hatte das Leasinggeschäft in den 1980er Jahren unter dem Namen Guinness Peat Aviation (GPA) aufgebaut. Nach dem Golfkrieg 1991 wurde sein wankendes Imperium aufgespalten: General Electric schluckte den vermeintlich wertvollsten Teil, der Rest wurde an die damals in den Niederlanden ansässige Aercap verkauft. Der heutige Aercap-Chef Aengus Kelly hatte als Buchhalter bei GPA angefangen. Bereits 2013 hatte er den US-Rivalen International Lease Finance Corp (ILFC) gekauft.

Regulierungsbehörden werden den Deal genau prüfen

General Electric und Aercap rechnen damit, das Geschäft in neun bis zwölf Monaten unter Dach und Fach bringen zu können - vorausgesetzt die Aercap-Aktionäre und Regulierungsbehörden stimmen zu. Angesichts der Bedeutung der beiden Unternehmen dürfte allerdings nach Einschätzung von Beobachtern der Deal von den Regulierungsbehörden genau unter die Lupe genommen werden.

Die rückläufigen Ergebnisse bei Gecas hatten General Electric im Corona-Jahr 2020 einen höheren Verlust in seiner Finanzdienstleistungssparte GE Capital eingebrockt. Unter dem Strich hatte General Electric aber dank des Verkaufs seiner Geschäfte mit Biopharmazeutika noch einen Milliardengewinn einfahren können.

Die Biopharmazeutika war Firmenchef Culp für 21,4 Milliarden Dollar an seinen früheren Arbeitgeber Danaher losgeworden. Mit dem nunmehr eingefädelten Deal mit Aercap beschleunigt der Manager seine Umbaupläne für den US-Konzern, um ihn nach einer schwierigen Zeit wieder auf Kurs zu bringen. General Electric soll sich nach dem Willen seines Lenkers schlanker aufstellen und sich auf die Kernsegmente Strom und Erneuerbare Energien konzentrieren sowie auf das Luftahrt- und Gesundheitsgeschäft.

rei/Reuters/dpa-afx