Konter auf Siemens-Offerte General Electric bessert Alstom-Angebot nach

Nach der Offerte von Siemens und MHI für Alstom gerät General Electric unter Zugzwang: Die Amerikaner wollen laut einem Insider ihr Angebot nachbessern - aber nicht mit Geld.
Bieterwettstreit: GE bessert nach

Bieterwettstreit: GE bessert nach

Foto: © Vincent Kessler / Reuters/ REUTERS

New York - Im Wettstreit um den französischen Industriekonzern Alstom will General Electric  (GE) Insiderinformationen zufolge eine Bieterschlacht mit Siemens  vermeiden. Eine Person aus dem GE-Umfeld sagte, statt einen höheren Preis wolle das US-Unternehmen in bestimmten Punkten verbesserte Konditionen offerieren. Darüber diskutiere GE mit der französischen Regierung.

Der Insider nannte verschiedene Bereiche, in denen der amerikanische Konzern ein Entgegenkommen für möglich halte. Weitere Zugeständnisse seien etwa in der Arbeitsplatzfrage machbar. Zudem sei GE offen für ein Engagement französischer Investoren bei Alstoms  Kraftwerksparte, einen Zugang des französischen Atomkonzerns Areva  zur Technologie von Alstoms Nuklear- und Dampfturbinensparte sowie für eine Vereinbarung zur Stärkung des Alstom-Transportgeschäfts. Das US-Unternehmen bietet 12,4 Milliarden Euro für Alstoms gesamten Energiezweig.

Siemens und der japanische Partner Mitsubishi Heavy Industries  (MHI) hatten am Montag eine komplexe Offerte vorgelegt, die eine Barzahlung von sieben Milliarden Euro umfasst. Berücksichtigt man, wie viele Geschäftsteile übernommen werden sollen, dann bewerten Insider das Siemens/Mitsubishi-Gebot um rund eine Milliarde Euro höher als das von GE.

Während Siemens nur das Gasturbinengeschäft der Franzosen will und dafür 3,9 Milliarden Euro bietet, schlagen die Japaner ein weitreichendes Geflecht an Beteiligungen an Alstom vor. MHI will dafür zunächst 3,1 Milliarden Euro zahlen.

MHI lockt wie GE mit neuen Arbeitsplätzen in Frankreich, um die französische Politik auf seine Seite zu ziehen. "Die Allianz wird die Schaffung von mehr als 1000 Stellen in Frankreich ermöglichen", hieß es. GE hatte der skeptischen Regierung in Paris ebenfalls 1000 Jobs zugesagt.

Siemens sucht sich das Filetstück aus

MHI will sich mit 40 Prozent an Alstoms Nuklear- und Dampfturbinensparte und mit je 20 Prozent an der Netztechnik und der Wasserkraftsparte beteiligen. Hinzu kommt ein Einstieg mit 10 Prozent auf der Konzernebene. Die Anteile sollen aus dem Besitz von Alstom-Großaktionär Bouygues  stammen und sind nach aktuellem Börsenwert knapp eine Milliarde Euro wert. Die Partner seien bislang nicht an Bouygues herangetreten, erklärte der Alstom-Aktionär. Bouygues werde das Gebot unterstützen, das Alstom bevorzuge.

Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte, das Angebot sei eine attraktive Konstellation, die es sich zu prüfen lohne. "Das wird der Verwaltungsrat von Alstom auch sicher im Sinne aller Aktionäre tun", spielte Kaeser darauf an, dass das Alstom-Management sich bislang zu GE hingezogen fühlt. GE hielt sich bedeckt zum Vorstoß der Konkurrenz. "Wir haben Fortschritte in unseren Gesprächen mit der französischen Regierung gemacht, einschließlich der vorgeschlagenen Allianzen in den Bereichen Energie und Transport", erklärte der Konzern in Frankreich. "Wir sind zuversichtlich, dass unser Angebot gut ist für Alstom, für Frankreich und für GE."

Siemens hat sich mit der Gasturbinensparte das Filetstück Alstoms ausgesucht. "Das Angebot ist für Siemens weniger komplex, fokussiert und mit deutlich geringeren Risiken verbunden", erklärte Kaeser. Den Mitarbeitern des Geschäftsfelds in Deutschland und Frankreich stellt er eine dreijährige Jobgarantie in Aussicht. Ihren Sitz hat die Sparte in der Schweiz. Sollten die Münchner den Zuschlag bekommen, versprechen sie eine Verlegung der zugehörigen Servicesparte für Europa nach Frankreich. Die Finanzierung sei kein Problem.

MHI-Chef Shunichi Miyanaga betonte Gemeinsamkeiten: "Wir haben im Bereich der Nukleartechnik bereits eine erfolgreiche Allianz mit dem französischen Unternehmen Areva. Ich bin der Überzeugung, dass unsere Zusammenarbeit mit Alstom im Turbinengeschäft eine französisch-japanische Allianz mit überlegener technologischer Expertise sein würde."

Abgabe der Siemens-Bahntechnik vorerst vom Tisch

Eine Abgabe der Siemens-Bahntechnik an Alstom liegt vorerst auf Eis. Erst nach Abschluss der Energiedeals soll über einen "europäischen Champion" im Zuggeschäft verhandelt werden. Siemens signalisierte Bereitschaft, daran nur eine Minderheit zu halten. Völlig ausgeklammert bleibt das Windturbinengeschäft Alstoms, für das sich weder MHI noch Siemens interessieren.

Kaeser will am Dienstag auch bei Frankreichs Staatspräsident Hollande und der Nationalversammlung für seine Pläne werben. Der Präsident trifft sich am Vormittag mit Kaeser und Miyanagi, am Nachmittag ist die Anhörung im Parlament geplant.

Frankreich hatte das Rennen zwischen GE und der Siemens-Allianz am Wochenende noch angeheizt. "Ich glaube, dass GE die eigene Offerte ebenfalls nachbessert", hatte Finanzminister Michel Sapin gesagt. Er betonte, er habe keine Präferenz für einen der Bieter, Frankreich werde sich aber für den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen.

ts/rtr
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