Gaskrise Gazprom exportiert weniger, verdient aber prächtig

Die Gaspreise schießen in astronomische Höhen. Zwar liefert der russische Staatskonzern Gazprom immer weniger Gas in den Westen, verdient aber prächtig. Der Konzern zahlte jetzt rund 20 Milliarden Euro Dividende aus und erwartet für das kommende Jahr 34 Prozent mehr Einnahmen.
Weniger Gas, mehr Umsatz und Profit: Gazprom verdient gut mit der vom Staat losgetretenen Gaskrise

Weniger Gas, mehr Umsatz und Profit: Gazprom verdient gut mit der vom Staat losgetretenen Gaskrise

Foto: IMAGO/Maksim Konstantinov / IMAGO/Russian Look

Der russische Energiekonzern Gazprom hat den Etat für das kommende Jahr wegen der Zusatzeinnahmen durch die hohen Energiepreise angehoben. "Im neuen Etatplan spiegelt sich der Anstieg der Einnahmen durch den Gasverkauf um 34 Prozent im Vergleich zum ursprünglich erstellten Etat wider", sagte der Vizechef von Gazprom, Famil Sadygow, am Donnerstag dem Telegram-Kanal des Konzerns zufolge. Die geringeren physischen Umsätze beim Gasexport seien völlig durch den steigenden Exportpreis für Gas aufgefangen worden.

Der Anstieg der Einnahmen im ersten Halbjahr erlaube es unter anderem, die Steuererhöhung und wichtige Investitionsprojekte wie die Pipeline "Kraft Sibiriens" und Lagerstätten auf der nordsibirischen Halbinsel Jamal zu verwirklichen, sagte Sadygow. Da der Westen als Abnehmer wegfällt, will Gazprom sein Pipelinenetz gen Osten, vor allem nach China, vorantreiben. Das Land gilt als potenzieller Lückenfüller für Gazproms Gasexporte.

Laut Sadygow werden zudem 1,2 Billionen Rubel (umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro) für Dividendenzahlungen ausgegeben. Gazprom hatte Ende August für das erste Halbjahr trotz der westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges einen Rekordgewinn von umgerechnet 41,63 Milliarden Euro bekannt gegeben.

Gazprom hat in diesem Jahr die Gaslieferungen nach Europa deutlich gesenkt. Unter anderem wurde Anfang September die schon vorher gedrosselte Pipeline Nord Stream 1 vollständig stillgelegt – angeblich wegen technischer Probleme. Im Westen gilt diese Begründung als vorgeschoben. Politiker in Berlin erklärten, Russland wolle mit dem Lieferstopp den Druck auf Europa im Ukraine-Krieg erhöhen und eine Lockerung der Sanktionen erzwingen.

Im Zuge der Gasknappheit wird der Bund den größten deutschen Gasimporteur Uniper verstaatlichen. Denn die Importeure müssen am Spotmarkt teuren Ersatz beschaffen, um ihre Kunden wie vereinbart zu beliefern. Das setzt auch der Leipziger VNG und die ehemalige deutsche Gazprom-Tochter Gazprom Germania (jetzt Sefe) unter Druck. Auch Sefe könnte schon bald ein Staatseinstieg erfolgen, hatte der "Spiegel" am Donnerstag berichtet. VNG wiederum hatte kürzlich einen Antrag auf Staatshilfe gestellt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (53, Grüne) hatte angekündigt, darüber rasch zu entscheiden.

rei/dpa-afx
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