Panini, Herrscher der Fußball-Sticker 10 Fakten zum Panini-Phänomen

Von Arne Gottschalck

Am 10. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft. 24 Mannschaften treten gegeneinander an und Millionen Fans fiebern mit. Panini-Alben haben bei jeder EM und WM nicht nur bei Kindern Hochkonjunktur - bunte Hefte, die mit Klebebildern der teilnehmenden Mannschaften Spielern gefüllt werden. Zehn Fragen über das Unternehmen hinter dem Imperium der Klebebildchen.

Zum Beispiel die Frage, wie gut die Trefferquote von Panini ist. Immerhin werden die Klebebilder ja gedruckt, bevor die Teams festgelegt werden.

"Unsere Vorbereitungen für Frankreich fingen mit dem Abpfiff des Finales der Euro 2012 an", erklärt Hermann Paul, Geschäftsführer von Panini Deutschland. "Denn wir beobachten frühzeitig potenzielle Teilnehmerländer und -spieler. Mit der Qualifikation der Teams nehmen wir dannFahrt auf. Ein Jahr vor dem Turnier entwickeln wir das Produktdesign und fangen an, Spieler im EM-Trikot zu fotografieren oder uns von den Verbänden Bilddateien zuschicken zu lassen."

Und weiter: "Wir entscheiden uns dann für 20 Spieler pro Team. In der heißen Phase im Januar nehmen wir dann letzte Änderungen vor und gehen dann im Februar in den Druck. Unsere Trefferquote über all die Jahre liegt bei zirka 85 Prozent."

Wie schnell geht es?

EM 2016? Panini gehört auf jeden Fall zu den Gewinnern

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Foto: Panini

Wie schnell reagiert und druckt Panini?

"Jetzt, nachdem alle Kader final bekannt sind, wird Panini traditionellerweise ein Updateset produzieren, damit die Sammler die Chance haben, ein getreues Abbild der tatsächlichen EM-Fahrer zu haben", erklärt Paul. "Spätestens Ende Juni wird das Set im Handel sein."

1x Ronaldo, 20x Bale?

Erst kaufen, dann tauschen: Panini-Karten

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Foto: Panini

Gibt es einen Schlüssel für bestimmte Spieler - beispielweise 100.000 Ronaldos werden gedruckt, 75.000 Neuers?

Immer wieder gibt es Gerüchte, bestimmte Spieler würden öfter gedruckt als andere. Stimmt nicht, sagt man bei Panini. "Alle Sammelbildchen werden gleich oft produziert", sagt Paul. "Februar startete die Produktion der Bilder am Panini-Stammsitz Modena in Italien. In Hochzeiten produziert Panini mit rund 70 Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb 21 Stunden pro Tag, 6 Tage die Woche. Maximal können so täglich rund 7 bis 8 Millionen Tüten produziert werden, die mit 20 bis 25 Lastwagen pro Tag ab Werk distribuiert werden."

Was kosten die Lizenzen?

Hermann Paul: Der deutsche Panini-Statthalter

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Foto: Panini

Was kostet eine Fifa beziehungsweise Uefa-Lizenz, um die Bilder drucken zu können? Und muss die jedes Jahr erneut verhandelt werden?

"Die Lizenzen werden meist für einige Jahre ausverhandelt, zu Vertragsdetails darf Panini leider nichts sagen." Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass es keine wirklich starke Konkurrenz gibt. Immerhin, die deutschen Discounter haben nachgezogen und bieten Sammelbilder an.

Lebt Panini nur vom Fußball?

Das Panini-Sammel-Imperium: Allein für diese EM

Das Panini-Sammel-Imperium: Allein für diese EM

Foto: Panini

Lebt Panini nur vom Fußball?

Nein - das Unternehmen hat diversifiziert, auf verschiedene Themen gesetzt. "Panini hat weltweit jährlich zirka 400 Sammelkollektionen auf den Markt", sagt Paul.

"In Deutschland sind es pro Jahr 30 verschiedene Kollektionen in den Bereichen Sport und Entertainment. Gemeint sind im Sportbereich alle Alben zu Welt- und Europameisterschaften sowie einzelne Vereinskollektionen für Mannschaften der Fußball-Bundesliga. Als Lizenzpartner von Disney hat der Verlag beispielsweise Kollektionen zu 'Violetta', 'Arlo & Spot' oder 'Zoomania' im Portfolio."

Wer steckt hinter den Klebebildchen?

Schon lange im Geschäft: Wie diese Karte mit Bernd Schuster aus dem Jahr 1982 zeigt

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Foto: Panini

Wer steckt hinter den Klebebildchen?

Panini - das Unternehmen ist die Gründung zweier italienischer Brüder, eben der Panini-Brüder. Angefangen hat es 1945, als die Paninis in Modena einen Zeitungsstand eröffneten. Doch während etliche Büdchen ihr ökonomisches Leben nur mal so eben fristen, sattelten die umtriebigen Geschwister einige Jahre einen Zeitschriftenvertrieb obendrauf.

Und in den 60er kamen die ersten Klebebildchen auf - damals noch nur von italienischen Spielern. Seitdem läuft es offenbar für das Unternehmen.

Warum gibt es kaum Konkurrenten?

Panini Sticker: Massenware für die Massennachfrage

Panini Sticker: Massenware für die Massennachfrage

Foto: Panini

Warum gibt es kaum Konkurrenten?

Weil die klebetechnische Begleitung von WM und EM vermutlich eine teure Sache ist. Lizenzgebühren müssen an die jeweiligen Verbände gezahlt werden. Über die Höhe wird Stillschweigen bewahrt. Das spricht Bände.

Was kostet es, ein Album zu füllen - ehrlich gerechnet?

So etwas wie das gedruckte Überraschungsei: Was drin ist, weiß niemand

So etwas wie das gedruckte Überraschungsei: Was drin ist, weiß niemand

Foto: Panini

Was kostet es, ein Album zu füllen - ehrlich gerechnet?

Die Gretchenfrage. Denn kein Sammler auf der ganzen Welt dürfte die ihm fehlenden Karten mit den ersten Päckchen abdecken. Er wird vielmehr nachkaufen und nochmals nachkaufen.

680 Sticker braucht man, um ein Panini-Album 2016 zu füllen. Eine Tüte mit 5 Bildern kostet 70 Cent. Angenommen, man kauft keine Bilder doppelt, benötigt man also 136 Tüten und muss 95,20 Euro dafür ausgeben.

Das ist jedoch der unrealistische Idealfall. Die Kosten verdoppeln sich, wenn man jedes Bild einmal doppelt hat. "Spiegel Online"  hat mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung einmal nachgerechnet und geschätzt, wie viele Stickertüten jemand kaufen muss, der keine Bilder tauscht (und darum geht es ja eigentlich). Ergebnis: Ein Nicht-Tauscher müsste im Durchschnitt 4828 Sticker kaufen und dafür 676 Euro ausgeben , um sein Album voll zu bekommen.

Gibt es einen Markt für gefüllte Alben?

Objekte der Begierde

Objekte der Begierde

Foto: Panini

Gibt es einen Markt für gefüllte Alben?

Ja, aber der ist offenbar nicht sehr lukrativ. Auf der Auktionsplattform Ebay  beispielsweise werden für ein komplettes Album der Weltmeisterschaft in Brasilien 59 Euro verlangt. Anekdotische Evidenz, gewiss.

Immerhin gibt es aber inzwischen Unternehmen wie Stickermanager, die digitale Tauschbörsen anbieten. Übrigens aus Liechtenstein heraus.

Die begehrteste Karte?

Alle Länder, alle Fußballer

Alle Länder, alle Fußballer

Foto: Panini

Die begehrteste Karte?

Ronaldo in Siegerpose? Bale im Sprint? Von wegen - es ist das Logo der irischen Nationalmannschaft. Das zumindest geht aus einer Aufstellung der Plattform Stickermanager  hervor.

Als Spieler soll es die Nummer 248 sein. Sami Khedira.

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