Montag, 24. Februar 2020

Fehde zwischen Aufsichtsrat und Vorstandschef Auge um Auge - Machtkampf beim Berliner Maschinenbauer FP eskaliert

Lächelt: Investor Rolf Elgeti.
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Lächelt: Investor Rolf Elgeti.

Der Machtkampf beim Berliner Maschinenbauer Francotyp-Postalia (FP) eskaliert zu einer in Deutschland bislang wohl einzigartigen Fehde innerhalb eines börsennotierten Unternehmens. Am Mittwochabend desavouierte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Röhrig seinen Vorstandschef Rüdiger Andreas Günther, mit dem er erst vor knapp neun Monaten einen neuen Dreijahresvertrag abgeschlossen hatte. Röhrig teilte per Ad-hoc-Meldung mit, er habe mit dem 54-jährigen Carsten Lind einen Nachfolger für Günther in den Vorstand berufen. Lind "wird bis 1. Juni 2020, möglicherweise auch früher, in den Vorstand eintreten." Günther sei "eine Aufhebungsvereinbarung vorgeschlagen" worden.

Noch bei der Vertragsverlängerung für Günther im Sommer hatte Röhrig erklärt: "Das Vorstandsteam von FP ist richtig aufgestellt für die kommenden Aufgaben. Ich begrüße es sehr, dass Rüdiger Andreas Günther als CEO (...) den eingeschlagenen Weg der Neupositionierung von FP fortsetzen (,...) wird." Seitdem hatte Günther sämtliche Gewinnprognosen eingehalten. Francotyp Postalia ist ein rund 100 Jahre alter Produzent von Frankier- und Kuvertiermaschinen, der sein Geschäftsmodell der sicheren Kommunikation derzeit zu digitalisieren versucht und zuletzt rund 200 Millionen Euro umsetzte.

Röhrig schlägt sich mit seinem Frontalangriff auf seinen Vorstandsvorsitzenden auf die Seite des Großaktionärs Rolf Elgeti. Der hatte am Wochenende bei Günther eine außerordentliche Hauptversammlung beantragt, um dem Vorstandsvorsitzenden dort ein Misstrauensvotum auszustellen. Zur Begründung hatte Elgeti dem manager magazin gesagt: "Wir glauben, im Interesse der Aktionäre zu handeln." Günther hatte danach intern angekündigt, keinen Grund für seine Abberufung zu sehen und seinen Vertrag erfüllen zu wollen.

Der Mecklenburger Elgeti hält zwar über sein Vehikel Obotritia Capital 20,71 Prozent der Aktien an Francotyp Postalia und ist damit größter Anteilseigner. Ob er sich deswegen bei einem Aktionärstreffen durchsetzt, ist aber nicht garantiert. Stark steigen würden seine Chancen, wenn Röhrig mit ihm stimmen würde. Der Aufsichtsratsvorsitzende ist zweitgrößter Aktionär mit 9,51 Prozent der Anteile.


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Da die Aktionäre gemeinsam mehr als 30 Prozent der Anteile halten, könnte die Finanzaufsicht BaFin sie möglicherweise zu einem Übernahmeangebot für alle Aktien nach dem Wertpapierübernahmegesetz ("Acting in Concert") auffordern. Allerdings hat der Bundesgerichtshof die Voraussetzungen dafür in einem Urteil vor rund eineinhalb Jahren angehoben.

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