Cevian steigt groß ein Bei Thyssen-Krupp übernehmen Finanzinvestoren schleichend die Macht

Auch Krisen können sexy machen: Der angeschlagene Stahlkonzern ThyssenKrupp hat einen weiteren Finanzinvestor als Anteilseigner angelockt - Cevian. Die Schweden haben mit den Essenern offenbar große Pläne. Schon macht das Wort "Aufspaltung" die Runde.
Bekommt Besuch von Investoren: Ruhrkonzern ThyssenKrupp

Bekommt Besuch von Investoren: Ruhrkonzern ThyssenKrupp

Foto: DPA

Essen - Der Finanzinvestor Cevian Capital ist beim angeschlagenen Industriekonzern ThyssenKrupp als neuer Großaktionär eingestiegen. Cevian halte einen Anteil von knapp 5,2 Prozent an dem Dax-Konzern, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger verwies in einer Mitteilung auf die "umfangreiche industrielle Erfahrung" des schwedischen Investors. Cevian sei ein langfristig orientierter Investor und nicht auf eine kurzfristige Steigerung des Aktienkurses aus, hieß es. manager magazin hatte bereits vor einigen Wochen exklusiv berichtet, dass Konzernchef Hiesinger Gespräche über eine Beteiligung von Finanzinvestoren bei ThyssenKrupp  führe.

An der Börse kam die Nachricht gut an: Der Kurs der ThyssenKrupp-Aktie legte am Mittwoch deutlich zu. Ein Börsianer lobte die Beteiligung des Investors als sehr positives Zeichen, da Cevian für seine aktive Rolle bekannt sei.

Cevian könnte Anteil noch erhöhen

Nach Ansicht des Analysten Dirk Schlamp von der DZ Bank könnte der Cevian-Einstieg Spekulationen auf eine Aufspaltung des Konzerns befeuern. Denn während ThyssenKrupp beispielsweise mit Aufzügen Gewinne einfährt, macht das Stahlgeschäft seit langem Probleme.

Eine Sprecherin des Großaktionärs schloss eine weitere Aufstockung des Anteils nicht aus. Nach Auffassung des Private-Equity-Unternehmens ist ThyssenKrupp in Wirklichkeit mehr wert als der Aktienkurs derzeit widerspiegelt.

Cevian unterstützt nach eigenen Angaben die Strategie der neuen Konzernführung, zeigt sich vom langfristigen Potenzial des Unternehmens überzeugt und hofft auf eine Wertsteigerung. Cevian übernehme bei seinen Engagements "regelmäßig die Rolle eines Ankerinvestors", hieß es in einer Mitteilung.

Krupp-Stiftung in der Defensive

Dass Cevian mit dem Einstieg große Hoffnungen verknüpft, machte Cevian-Manager Jens Tischendorf klar. Er sehe "erhebliches Potenzial für die Entwicklung von ThyssenKrupp", - das lässt offen, wo der Investor den Hebel gerne angesetzt sehen will.

Nach dem Einstieg beim Mannheimer Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger  ist Cevian mit einem Anteil von 18,9 Prozent derzeit wichtigster Großaktionär des Unternehmens. Tischendorf sitzt im Aufsichtsrat.

Der Einstieg von Cevian sei "bei anderen Unternehmen in der Vergangenheit nicht zum Nachteil der Aktionäre gewesen", sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. "Im Gegenteil, es ist in der Regel nach Cevians Einstieg zu einer nachhaltigen Wertsteigerung gekommen."

Nichts als Probleme in Amerika

Cevian ist nicht der einzige neue Großaktionär im Aktionärskreis von ThyssenKrupp: In diesem Jahr sind bereits die US-Fonds Blackrock und Franklin Mutual bei den Essenern mit jeweils über 5 Prozent eingestiegen. Konzernchef Hiesinger umwarb zudem Hedge-Fonds. Größter Einzelaktionär ist die Krupp-Stiftung mit einem Anteil von 25,3 Prozent. Bei der Kapitalerhöhung, die Hiesinger Finanzkreisen zufolge vorbereitet, könnte Cevian mitziehen - das würde den Anteil der klammen Krupp-Stiftung verwässern.

Hiesinger wollte die Kapitalerhöhung ursprünglich erst nach einem Verkauf der hoch defizitären Überseestahlwerke durchziehen. Doch die Veräußerung der Werke in den USA und Brasilien lässt auf sich warten.

Der Verkauf in Brasilien stehe auf der Kippe, möglicherweise könne Hiesinger nur das Werk in den USA losschlagen, hatte ein Insider zuletzt berichtet. Nach diversen Abschreibungen hat der Konzern die über zwölf Milliarden Euro teuren Stahlwerke in Brasilien und den USA noch mit 3,4 Milliarden in den Büchern.

Die Krupp-Stiftung hielt sich zum Einstieg Cevians bedeckt: "Die Stiftung möchte sich zu dieser Transaktion nicht äußern", sagte eine Sprecherin.

nis/dpa/rtr
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