Krisenplan Ölgiganten Exxon und Chevron sprachen über Mega-Fusion

Das klassische Geschäftsmodell großer Ölkonzerne steht zur Disposition. Die Pandemie hat die Krise verschärft. Die US-Giganten ExxonMobil und Chevron suchten offenbar Zuflucht in einer möglichen Fusion. Abgehakt scheint der Gedanke noch nicht.
Exxon-Boss Darren Woods (links), Chevron-Chef Mike Wirth: Die besten Jahre der Ölindustrie sind vorbei. Ist das der Beginn einer neuen wunderbaren Freundschaft?

Exxon-Boss Darren Woods (links), Chevron-Chef Mike Wirth: Die besten Jahre der Ölindustrie sind vorbei. Ist das der Beginn einer neuen wunderbaren Freundschaft?

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Brendan McDermid / REUTERS, Chevron Corporation

Auch wenn die Ölpreise wieder anziehen und zuletzt sogar das Niveau zu Beginn des vergangenen Jahres erreichten, steht fest: Die großen Ölkonzerne haben ein Horrorjahr mit drastischem Preisverfall und enormen Gewinneinbrüchen hinter sich. Chevron  meldete einen Jahresverlust von 5,5 Milliarden Dollar. Analysten rechnen damit, dass der Rivale ExxonMobil  in dieser Woche ebenfalls einen milliardenschweren Jahresverlust ausweisen wird.

Die beiden Schwergewichte der US-Ölindustrie bringen es derzeit zusammen auf und 100 Milliarden Dollar Schulden. Sie sehen sich nicht nur einer fallenden Nachfrage in der Pandemie ausgesetzt, sondern auch der Tatsache, dass Staaten weltweit ihre Emissionen vermindern wollen und dadurch weniger auf die Verbrennung kohlenstoffhaltiger Energieträger setzen.

Das klassische Geschäftmodell steht auf lange Sicht zur Disposition, Investoren werden angesichts der hohen Verschuldung und Kursverluste von jeweils mehr als 20 Prozent im Jahr 2020 ungeduldig. Die Kosten müssen runter und eine Perspektive zur Umgestaltung des Geschäfts her, wie sie zum Beispiel die Konkurrenten BP und Shell jetzt in Angriff nehmen. Eine Fusion scheint den beiden US-Konzernen Exxon und Chevron ein möglicher Ausweg aus der Krise zu sein, jedenfalls loteten Chevron-Chef Mike Wirth (61) und Exxon-Boss Darren Woods (56) im vergangenen Jahr die Möglichkeien eines Zusammenschlusses aus, wie das "Wall Street Journal"  exklusiv berichtet (€).

Die Gespräche seien nur vorläufig gewesen, könnten aber jederzeit wieder starten, heißt es. Ob eine Fusion der zwei Öl-Giganten unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden (78), eine Chance hätte, ist ungewiss. In kartellrechtlichen Fragen hat Biden bislang keine politische Marschroute festgelegt, dem Klimaschutz will er aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger Trump eine tragende Rolle in seiner Politiik einräumen.

Sollten Exxon und Chevron fusionieren, entstünde ein neuer Ölgigant mit 350 Milliarden Dollar Börsenwert und sieben Millionen Barrel Öl und Gas, das sie vor der Pandemie täglich förderten. Hinter Saudi Aramco wäre ein fusionierter US-Riese weltweit die Nummer Zwei der Branche. Die Einsparpotentiale wären erheblich: Jährlich 15 Milliarden Dollar Verwaltungskosten und weitere 10 Milliarden Dollar Kapitalkosten könnte das kombinierte Unternehmen jährlich einsparen, rechnet der unabhängige Branchenanalyst Paul Sankey im "Wall Street Journal" vor.

So ein Deal würde die Mega-Öl-Fusionen der späten 1990er und frühen 2000er Jahre von Exxon und Mobil sowie Chevron und Texaco in ihrer Größe deutlich überragen - und er wäre auch nicht ohne Ironie der Gechichte: Denn die Fusion würde die beiden größten Nachfahren des Standard Oil Monopols von John D. Rockefeller wieder vereinen, das die Aufsichtsbehörden 1911 zerschlagen hatten, um die seinerzeit mächtige Ölindustrie neu zu gestalten.

Konsolidierung bleibt Top-Thema in der Ölbranche

Gut möglich, dass die beiden Giganten der US-Ölindustrie den günstigsten Zeitpunkt für solche Pläne unter dem ihnen wohlgesonnenen und nun abgewählten Donald Trump verpasst haben. Doch hob Chevron-Chef Wirth am vergangenen Freitag allgemein hervor, dass eine Konsolidierung die Öl-Industrie effizienter machen könnte. Der Markt habe in 1990ern und 2000er Jahren bereits große Fusionen in der Ölindustrie gesehen. Ob solche Merger der Ölindustrie auch in Zukunft noch eine Chance hätten? "Das werden wir sehen", sagte Wirth in einem Interview. Exxon und Chevron erwähnte er dabei nicht mit einem Wort.

rei
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