Ulrich Spiesshofer steigt bei Blackstone ein Ex-ABB-Chef findet neuen Job bei Firmen-Aufkäufer

Es war einmal: Ulrich Spiesshofer als Vorstandschef von ABB Ende Dezember 2018.

Es war einmal: Ulrich Spiesshofer als Vorstandschef von ABB Ende Dezember 2018.

Foto: Ennio Leanza / DPA

Einer der prominentesten europäischen Industrie-Manager wechselt in die Private-Equity-Szene. Ulrich Spiesshofer (56), von September 2013 bis April 2019 Vorstandschef des Mischkonzerns ABB, wird nach Informationen des manager magazin Senior Advisor des Finanzinvestors Blackstone. Spiesshofer, der die deutsche und schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt, soll für die US-Amerikaner neue Übernahmeziele ausmachen und bei dem Umbau bestehender Firmen im Portfolio helfen.

Die Verpflichtung Spiesshofers ist ein Hinweis auf ein wieder stärkeres Engagement Blackstones. Zuletzt waren Finanzinvestoren wie KKR (Coty/Wella, Axel Springer) oder EQT (Ottobock) zumindest in Europa wesentlich aktiver. Zu Blackstones Portfolio zählt etwa der Freizeitpark-Betreiber Merlin Entertainments (Legoland, Madame Tussauds). Spiesshofer hat seine Expertise vor allem bei Themen wie Elektrifizierung und Automatisierung samt Robotik - den wichtigsten Sparten von ABB. Außer in Europa verfügt er über ein starkes Netzwerk auch in China; Spiesshofer war Mitglied des CEO roundtable von Präsident Xi Jinping.

Sein Abschied bei dem schweizerisch-schwedischen Konglomerat mit einem Umsatz von rund 28 Milliarden Dollar und etwa 110 000 Beschäftigten war allerdings unfreiwillig: ABB-Verwaltungsratschef Peter Voser hatte seinem Ex-CEO im Interview mit dem manager magazin  indirekt eine zu große Detailverliebtheit und fehlende Konsequenz bei der Vereinfachung der Konzernstrukturen vorgeworfen. Pikanterweise war Spiesshofers Amtszeit stark von einem Konflikt mit einem Finanzinvestor geprägt: Erst nach langen Diskussionen hatte sich der gelernte Unternehmensberater 2018 der Forderung von ABB-Großaktionär Cevian gebeugt, das traditionsreiche Geschäft mit Energienetzen abzuspalten.

Die Erfolgsbilanz ehemaliger Top-Manager bei Finanzinvestoren ist gemischt. Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Stephan Leithner etwa wechselte 2018 nach nur zwei Jahren von EQT wieder zurück in die Konzernwelt und ist heute Vorstand der Deutschen Börse. Ex-Daimler-Vorstand Eckhard Cordes (69) arbeitet zwar schon seit Jahren für den schwedischen Investor Cevian (Thyssenkrupp, Bilfinger), zumindest in Deutschland aber bisher mit nur mäßigem Erfolg.

soc
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